Oberbürgermeister streitet mit Dezernentin über Corona

Wegen Corona und Partymeile: Im Kasseler Rathaus kracht es

Wie gut arbeiten sie noch zusammen? Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne) und Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD).
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Wie gut arbeiten sie noch zusammen? Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne) und Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD).

Vor knapp drei Wochen wurde die gesperrte Kasseler Friedrich-Ebert-Straße zur riesigen Corona-Party. Nun gibt es auch politischen Streit darüber.

Kassel – Oberbürgermeister Geselle soll mit der grünen Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote aneinandergeraten sein. Fast drei Wochen nach der ersten Sperrung der Partymeile auf der Friedrich-Ebert-Straße für Autos und Trams sorgt die umstrittene Entscheidung der Stadt für mächtig Ärger im Rathaus.

In der Magistratssitzung am Montag (31.08.2020) sollen Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne) heftig aneinandergeraten sein. Dabei ging es nicht nur um Corona-Maßnahmen für die Partymeile in Kassel, sondern auch um den Umgang miteinander.

Corona: Streit über die Sperrung der Partymeile in Kassel

Angeblich kritisierte Gote, dass sie im Vorfeld nicht über die Details der Sperrung informiert gewesen sei. Zudem soll sie Verbesserungen angemahnt haben wie eine Begrenzung der Besucherzahl sowie das Aufstellen von Toiletten. Das soll Geselle als Angriff auf sich verstanden haben. Gegenüber der HNA erklärte Geselle, dass im Verwaltungsstab, dem auch Gote angehört, „alle wesentlichen Informationen erörtert werden“. Die Dezernentin habe also Bescheid gewusst.

Weder er noch Gote wollen sich dazu äußern, was in der Sitzung vorgefallen ist. Gote sagt lediglich: „Im Ringen um gute Lösungen darf es durchaus mal rumpeln.“ Laut HNA-Informationen wunderten sich aber selbst langjährige Magistratsmitglieder über die Heftigkeit der Auseinandersetzung.

Es ist nicht die erste Meinungsverschiedenheit zwischen Geselle und einem grünen Dezernenten. Von seinem Vorschlag, auf einen Plan B für das documenta-Institut zu setzen, erfuhr Stadtbaurat Christof Nolda angeblich im Urlaub in Frankreich. Der Standort Karlsplatz, für den der grüne Stadtplaner lange gekämpft hatte, wurde durch Geselles Meinungsumschwung begraben.

Ärger im Rathaus Kassel: Kritik am Politikstil des Oberbürgermeisters

Die einen loben die Hemdsärmeligkeit des Oberbürgermeisters. Den Standort des Obelisken in der Treppenstraße, den Geselle über den Kopf der Kulturdezernentin Susanne Völker hinweg ins Spiel gebracht hatte, finden heute die meisten passend. Die anderen stören sich jedoch immer öfter am dominanten Politikstil des 44-Jährigen. Manche befürchten, dass es im bevorstehenden Wahlkampf noch heftiger krachen könnte als am vorigen Montag.

Auf Kritik an seinen Entscheidungen während der Corona-Pandemie ist Geselle nicht gut zu sprechen: „Es wird offenbar bewusst versucht, die professionelle Arbeit des Verwaltungsstabs, der Stadtverwaltung und auch meiner Person gezielt in Abrede zu stellen. Das ist nicht zu tolerieren.“

Auch Gote wehrt sich. Zuletzt hieß es in einem Online-Artikel, anders als der Oberbürgermeister sei sie gegen Fußball-Fans im Auestadion. „Das stimmt nicht“, sagte sie unserer Zeitung: „Es geht darum, Kultur, Sport und öffentliches Leben soweit vernünftig und vertretbar zu ermöglichen.“

Da ist sie mit Geselle einer Meinung. Der Oberbürgermeister verweist auf die Sieben-Tages-Inzidenz, die für Kassel gestern bei 5,5 lag, „der aktuell beste Wert aller hessischen Großstädte“, wie der Sozialdemokrat betont: „Der Erfolg rechtfertigt unser bisheriges Handeln.“ Matthias Lohr)

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