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Wegen Corona haben Taxis in Kassel kaum noch Fahrgäste

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Von: Axel Schwarz

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Transparente Planen sollen Fahrgäste und Chauffeure schützen: Von links Geschäftsführer Markus Semmelroth von der Taxi-Service-Zentrale Kassel und Betriebsleiter Mario Birle vom Taxiunternehmen Q mit 32 Fahrzeugen. © Axel Schwarz

In Kassel ist die Nachfrage nach einer Taxi-Fahrt wegen Corona massiv eingebrochen. Die Fahrer  setzen auf Schutzmaßnahmen in den Autos und auf Lieferdienst-Aufträge.

Wer in Kassel mit Taxifahren sein Geld verdient, kann derzeit lange auf einen Auftrag warten. „Unser Kerngeschäft, die Personenbeförderung, ist fast komplett weggebrochen“, berichtet Markus Semmelroth, Geschäftsführer der Taxi-Service-Zentrale 88111. Wenn wegen Corona Hotels geschlossen sind und fast niemand mehr beruflich reist, dreht sich kaum mehr ein Rad beim Taxigewerbe.

Das Nachtgeschäft ist laut Semmelroth in Kassel ohnehin gestorben. Für etwas Bewegung am Tag sorgen nur noch vorgebuchte Patientenfahrten zur Dialyse oder Bestrahlung, Das erledigen meist die Unternehmer selbst. Der größte Teil aller angestellten oder frei beschäftigten Fahrer tritt in diesen Tagen der Corona-Pandemie gar nicht erst zum Dienst an, sagt Mario Birle, Betriebsleiter vom Taxiunternehmen Q mit 32 Autos.

Und falls doch mal jemand ein Taxi baucht, fährt die Corona-Sorge mit. Auf den Beifahrersitz einsteigen darf derzeit niemand, der Fondbereich ist in vielen Taxis in Kassel mit einer transparenten Kunststoffplane vom Fahrer abgeschirmt. Auf so engem Raum fürchten viele das Infektionsrisiko besonders. 

Kassel: in Taxis ist es schwer sich vor Corona zu schützen

Außer dem Trennschutz seien weitere Maßnahmen schwierig, sagt Birle: „Wir können die Fahrer weder mit Schutzmasken noch mit Desinfektionsmittel ausstatten, da dies schlicht nicht mehr erhältlich ist.“ Die Fahrer aus Kassel würden nach Kräften versuchen, solche Schutzmittel privat zu besorgen. Die Kosten bekämen sie dann erstattet.

Taxis in Kassel sind rechtlich ein Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs, so wie auch die KVG. Die fährt momentan nach einem eingeschränkten Corona-Fahrplan, wobei auf etlichen Strecken vor und nach den Betriebszeiten der Busse und Bahnen verstärkt Anrufsammeltaxis (AST) eingesetzt werden.

Es wäre aber ein Trugschluss, zu glauben, dass davon das Taxi-Gewerbe etwas profitiert. Zentralen-Chef Semmelroth: „Schon vor drei Jahren hat uns die KVG die langjährige AST-Partnerschaft gekündigt und den Auftrag an ein Minicar-Unternehmen vergeben.“ Als ÖPNV-Bestandteil seien den Taxiunternehmen zahlreiche Pflichten auferlegt, beim AST würden sie jedoch zugunsten von Privatisierung abgehängt, kritisiert Semmelroth.

Corona: in Kassel bieten Taxis-Fahrer jetzt Bring- und Einkaufs-Dienste an

Um die weggebrochenen Umsätze etwas zu kompensieren, bietet sich die Taxi-Service-Zentrale in Kassel jetzt verstärkt für Einkaufs-, Bringdienst- und Apothekenfahrten an. Dabei kann man den Fahrern über die Zentrale auch eine Besorgungsliste übermitteln. Abgerechnet wird das nach einem Kurierdienst-Tarif: Die ersten vier Kilometer kosten 7,70, jeder weitere 1,40 Euro. „Das bieten wir schon immer an“, sagt Semmelroth. Aber in Corona-Zeiten rücke solch ein Serviceangebot deutlich stärker in den Fokus, insbesondere für alte Menschen.

Von rund 150 konzessionierten Taxis in Kassel sind 94 der Auftragsvermittung bei der Taxi-Service-Zentrale angeschlossen. „Momentan könnten wir das gesamte Auftragsaufkommen mit höchstens 30 Autos bewältigen“, sagt Geschäftsführer Markus Semmelroth.

Doch seinen Betrieb einstweilen zumachen, gar sein Auto abmelden darf kein Inhaber einer Taxikonzession. Da ist die sogenannte Betriebspflicht vor. Sie regelt, dass ein lizenziertes Taxi ständig einsatzbereit sein muss. In der aktuellen Lage heißt das: Die Kosten für Steuern, Versicherung, Sprit, Wartung und mehr laufen weiter, obwohl es nichts zu verdienen gibt. 

Corona in Kassel: Taxi-Unternehmen fordern Hilfe von Stadtverwaltung

Wegen der Corona-Krise wurde bereits in einigen deutschen Städten, darunter Dresden und Bielefeld, die Betriebspflicht für Taxis vorläufig ausgesetzt. Das wünscht sich auch das  Taxigewerbe in Kassel von der Stadtverwaltung, die in dieser Frage zuständig ist. 

Wie genau die Betriebspflicht gestaltet ist, haben die Kommunen unterschiedlich geregelt. So gilt etwa in Berlin, dass an mindestens 180 Tagen pro Jahr eine Sechs-Stunden-Schicht gefahren werden muss.

Die Stadt Kassel sieht auf HNA-Anfrage keinen Anlass, eine generelle Befreiung von der Betriebspflicht aufgrund der Corona-Krise auszusprechen. Das sei im Personenbeförderungsrecht so nicht vorgesehen und könne allenfalls mit Blick auf einzelne Taxiunternehmen geschehen, teilte ein Rathaussprecher mit.

Auf Antrag beim zuständigen Ordnungsamt könne ein einzelner Unternehmer von der Betriebspflicht entbunden werden, „wenn ihm die Erfüllung der Betriebspflicht nicht mehr möglich ist oder ihm dies unter Berücksichtigung seiner wirtschaftlichen Lage nicht mehr zugemutet werden kann“.

Dies nachzuweisen, sei allerdings die Verpflichtung des jeweiligen Taxibetriebs, sagte der Sprecher. Bisher sei noch kein Taxiunternehmer an die Stadt Kassel herangetreten, um seine schwierige Lage im Einzelfall darzulegen.

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