Corona-Krise

Tests sind nur Momentaufnahme: Arzt rät an Weihnachten zu Mundschutz

Um eine Ansteckung an Weihnachten zu vermeiden, empfiehlt es sich, auch im kleinen Kreis einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
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Um eine Ansteckung an Weihnachten zu vermeiden, empfiehlt es sich, auch im kleinen Kreis einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Vor Weihnachten ist die Verunsicherung groß. Viele fragen sich: Was kann ich tun, um über die Feiertage niemanden mit Corona anzustecken?

Einige haben sich dafür vor den Festtagen in freiwillige Quarantäne begeben, andere lassen einen Schnelltest machen. Fragen und Antworten dazu:

Kann man sich bei seinem Hausarzt per Schnelltest auf Covid-19 testen lassen?

Laut Allgemeinmediziner Dr. Uwe Popert, der auch Sprecher bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin ist, kommen auf diese Idee gerade viele Menschen. Seine Praxis konzentriere sich aber auf die harten Fälle. Für Testwünsche gebe es weder genügend Schnelltests noch personelle Kapazitäten.

Eine Übersicht, wie das Kollegen handhaben, habe er nicht. Es gilt also: Wer sich – ohne Symptome – testen lassen will, muss bei seinem Hausarzt nachfragen, ob dieser einen Schnelltest oder einen sogenannten PCR-Test machen kann. Der Schnelltest liefert das Ergebnis innerhalb von 15 Minuten, der genauere und deutlich teurere PCR-Test nach ein bis zwei Tagen. Die Kosten (ab 40 Euro aufwärts) muss jeder selbst tragen. Hier gibt es eine Übersicht, über die verschiedenen Corona-Testverfahren.

Wie soll man sich verhalten, wenn man sich nicht testen lassen kann?

Abgesehen davon, dass ein solcher Schnelltest nur eine Momentaufnahme ist, appelliert Popert an die Menschen, auch über Weihnachten Masken zu tragen. „Wer sich nicht testen lassen kann, muss zusehen, dass er eine Maske trägt, um sich und andere zu schützen – auch unter dem Tannenbaum.“ Besonders ältere Familienmitglieder sollten unbedingt eine Maske tragen.

Auch Hessens Sozialminister Kai Klose weist darauf hin, dass selbst ein negatives Ergebnis kein Freifahrtsschein ist – vor allem nicht bei Schnelltests. „Angesichts der sich bildenden Schlangen an den Testzentren sei noch einmal klar gesagt: Tests sind nur Momentaufnahmen und bringen keine Sicherheit, schon gar nicht bis Weihnachten“, so Klose. Die Abstands-, Masken- und Lüftungsregeln sollten daher auch an den Feiertagen unbedingt eingehalten werden.

Reicht ein einfacher Mund-Nase-Schutz bei Zusammenkünften an Weihnachten?

Am sichersten sind laut Allgemeinmediziner Popert FFP2-Masken. „Sie sind der beste Schutz, den wir haben.“ Dass FFP3-Masken mit Ventil ebenso sicher sind, sei ein Trugschluss: „Sie sind sinnvoll, wenn ich einen Menschen, der ansteckend ist, versorge, und weiß, dass ich kein Covid-19 habe.“ Trage eine infizierte Person solch eine Maske, könne das fatale Folgen haben, da über das Ventil alles rausgeatmet werde.

Bis wann werden vor den Feiertagen letzte PCR-Testergebnisse vorliegen?

Bei einem PCR-Test wird die Erbinformation des Coronavirus im Labor nachgewiesen, vervielfältigt und anhand einer Farbreaktion sichtbar gemacht. Nach ein bis zwei Tagen ist ein PCR-Testergebnis in der Regel verfügbar. Je nach Auslastung der Labore kann es auch länger dauern. Das Labor arbeitet laut Popert bis Heiligabend mittags.

Kann man sich in der Apotheke einen Schnelltest besorgen?

„Ich habe welche vorrätig, darf sie aber nur medizinischem Personal abgeben“, sagt Ulrike Bohrmann-Witt von der Palmen-Apotheke an der Opernstraße. Ein Arzt etwa würde mit Nachweis ein Päckchen bekommen. Da die Schnelltest-Packungen zwar 25 Tests aber nur einen Indikator beinhalteten, sei eine Einzelabgabe nicht möglich. „Ich fände es gut, wenn ich auch Privatpersonen Tests verkaufen könnte. Das wäre eine zusätzliche Absicherung vor den Weihnachtsfeiertagen“, sagt Bohrmann-Witt.

Auch Sabine Fischer von der Wolf-Apotheke in Wolfsanger weist darauf hin, dass Schnelltests verschreibungspflichtig sind. Das sei auch sinnvoll, schließlich gebe es eine hohe Fehlerquote, wenn man den Test selbst mache.

Fragen in diesen Tagen viele Menschen nach Schnelltests?

In der Palmen-Apotheke täglich. „Doch da kann ich nur darauf verweisen, dass wir uns mit einer Abgabe an Privatpersonen strafbar machen und die Hersteller abgesehen davon darauf hinweisen, dass man vor der Anwendung eines Schnelltests genau wissen muss, worauf zu achten ist“, so Inhaberin Bohrmann-Witt. In der Wolf-Apotheke hält sich die Nachfrage in Grenzen: „Wir haben auch eine eher ältere Kundschaft.“

Wie sieht es aus mit Singen an Weihnachten?

Das traditionelle Weihnachtssingen ist während der Corona-Pandemie keine gute Idee. Denn: Beim gemeinsamen Gesang verbreitet sich das Virus besonders leicht und auch über größere Distanzen.

Wie groß ist die Gefahr einer Ansteckung?

Wer das Ansteckungsrisiko vor dem Weihnachtsfest genauer abschätzen will, kann ein Angebot des Max-Planck-Instituts für Chemie nutzen: den Covid-19-Risiko-Kalkulator. Über ein Eingabeformular im Internet muss man dafür mehrere Fragen beantworten. Etwa zur Raumgröße, zur Besucherzahl und zur Dauer des Aufenthalts. Das Programm berechnet dann, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Corona-positiver Gast einen oder mehrere Besucher mit dem Virus infiziert. Zum Rechner: zu.hna.de/rechner2212

Welche Auswirkungen könnten die Feiertage auf das Infektionsgeschehen haben?

„Ich rechne mit einer blanken Katastrophe im Januar“, sagt Uwe Popert. So lange dauere es, bis sich die Auswirkungen vermehrter Zusammenkünfte zeigen würden. „Wer sich jetzt ansteckt, der könnte im Januar auf der Intensivstation liegen.“

Wie haben sich die Coronazahlen entwickelt?

83 neue Fälle meldet das Gesundheitsamt für Stadt und Kreis Kassel (Stand Montagmittag). Mit 1644 aktuell Infizierten ist die Zahl um 50 im Vergleich zum Vortag gestiegen. Die Zahl der Genesenen erhöhte sich um 33 auf nun 4888. Keine Veränderung gab es bei den Todesfällen. (Anna Lischper und Marie Klement)

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