Kassel

Corona-Semester an der Uni: Entscheidung zu Freiversuchen gefallen

Ganz schön viel Platz: Marc Zindl (links) und Pascal Grebe haben mit 67 anderen Wirtschaftsstudenten im Hörsaal 1 im Campus-Center eine Klausur geschrieben. Platz ist dort für 600 Besucher.
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Ganz schön viel Platz: Marc Zindl (links) und Pascal Grebe haben mit 67 anderen Wirtschaftsstudenten im Hörsaal 1 im Campus-Center eine Klausur geschrieben. Platz ist dort für 600 Besucher.

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Die Uni Kassel hat eine Entscheidung zu den Freiversuchen bei Klausuren gefällt.

Kassel – Wirtschaftsstudentin Jacqueline Bednarek fühlt sich besser vorbereitet als sonst vor der Umweltökonomie-Klausur an der Kasseler Universität. Wegen Corona finden Vorlesungen online und nicht im Hörsaal statt. „Da konnte ich vor der Prüfung noch mal die ganze Vorlesung sehen und vor- und zurückspulen“, sagt die 23-Jährige.

Dennoch ist während der Pandemie sehr viel anders im Uni-Betrieb. Direkten Kontakt zu Dozenten gibt es nur per Mail und Telefon. Zudem haben viele Studenten finanzielle Sorgen, weil sie ihre Jobs verloren haben. Fast alle müssen besondere Belastungen bewältigen.

Darum gibt es an der Kasseler Uni für das laufende Semester einen zusätzlichen Freiversuch bei Klausuren und Prüfungen. Wer etwa im dritten Anlauf nicht besteht, ist anders als sonst nicht durchgefallen, sondern darf noch mal. Die Sonderregelung gilt rückwirkend vom 1. April bis zum 31. Oktober – ausgenommen sind Abschlussarbeiten.

Mit einer knappen Stimme Mehrheit beschloss der Senat den zusätzlichen Freiversuch, für den sich der Asta vehement eingesetzt hatte. Viele Professoren waren dagegen. Asta-Vorsitzende Sophie Eltzner ist erleichtert, dass ihr Vorstoß erfolgreich war.

Hunderte Zuschriften hatte die Studentenvertretung in den vergangenen Monaten zu dem Thema bekommen. Ein so großes Interesse hat Eltzner noch nie erlebt. Mit dem zusätzlichen Freiversuch werde Studenten ein enormer psychischer Druck genommen. Andernfalls wären viele Studenten vielleicht gar nicht zu Prüfungen angetreten – aus Sorge, einen der Versuche aufs Spiel zu setzen. So hätte sich das Studium in die Länge ziehen können. Der zusätzliche Freiversuch kann auch in Anspruch genommen werden, wenn man mit der Note nicht zufrieden ist. Gewertet wird dann die bessere Note aus beiden Versuchen.

Damit Klausuren gemäß den Corona-Bestimmungen ablaufen, betreibt die Uni einen großen Mehraufwand. Im Hörsaal 1 im Campus-Center sind 110 von 600 Plätzen mit roten Punkten versehen. Nur dort darf man sich hinsetzen. Die Studenten müssen einzeln eintreten. Wenn ihre Personalien kontrolliert sind, können sie am Platz ihre Masken abnehmen. Vorzeitig abgeben darf niemand mehr – sonst müssten alle in der Reihe aufstehen, was noch mehr enge Kontakte bedeuten würde.

Die Massenklausuren wurden in den Oktober verschoben, weil dann alle Hörsäle und selbst die Mensa benötigt werden. Laut Doktorandin Sonja Zitzelsberger, die am Institut für Volkswirtschaftslehre unterrichtet, wurde auch darüber nachgedacht, die Klausuren zeitlich auseinanderzuziehen. Dann hätte sie jedoch zwei Versionen mit unterschiedlichen Aufgaben erstellen müssen, damit die zweite Gruppe nicht Tipps von der ersten bekommen könnte.

Während es an anderen Universitäten auch schriftliche E-Prüfungen mit einer Aufsicht via Webcam gibt, hat man sich in Kassel dagegen entschieden: „Es ist wahnsinnig schwierig, so etwas prüfungskonform zu gestalten.“ Die mündliche Prüfung, die sie via Zoom abgenommen hat, verlief dagegen ohne Probleme.

In den nächsten Tagen wird Studentin Bednarek erfahren, ob sie die Klausur bestanden hat. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit hoch. In den vergangenen Semestern lag die Durchfallquote bei etwa 30 Prozent. (Von Katja Rudolph und Matthias Lohr)

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