Viele Traditionen bereits vergessen

Pfingsten waren alle im Bergpark:  Wasserspiele waren früher nur selten zu sehen

Die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel vor knapp 200 Jahren: Die Abbildung von C. G. Hammer stammt aus der grafischen Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel.
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Die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel vor knapp 200 Jahren: Die Abbildung von C. G. Hammer stammt aus der grafischen Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Wasserspiele finden wegen Corona aktuell keine im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel statt - passend zu Pfingsten erinnern wir an eine fast vergessene Tradition.

Kassel– Der Kasseler Welterbeverein hat eine Reihe von Führungen zu Sehenswürdigkeiten im Bergpark Wilhelmshöhe in Kasselvorbereitet, die durch die Corona-Einschränkungen nicht stattfinden können. In Kooperation mit der HNA sollen die teilweise kaum bekannten Einblicke in die Geschichte des Parks trotzdem veröffentlicht werden. 

Für den Verein hat der Kunsthistoriker Gerd Fenner einiges zusammengetragen. Passend zum Pfingstwochenende erinnert er an eine nahezu in Vergessenheit geratene Tradition.

Bergpark Kassel: Wasserspiele waren früher nicht regelmäßig zu sehen

Anders als wir es heute kennen seien die Wasserspiele früher nicht regelmäßig zu sehen gewesen. Das änderte sich erst in der Zeit von Landgraf Friedrichs II., der von 1760 bis 1785 regierte. Er bestimmte mehrere feste Termine, an denen auch das normale Volk die Wasserspiele sehen konnte. 

Bergpark Kassel: Pfingsten war der Lieblingstermin der Kasseler für die Wasserspiele

Die große Fontäne im Bergpark: Das Foto zeigt die Menschenansammlung zum Abschluss der Wasserspiele aus dem vergangenen Jahr. Wegen Corona finden zurzeit keine Wasserspiele statt.

Das waren genau vier Tage zu Himmelfahrt, Pfingsten und an zwei Sonntagen während der Herbstmesse. Gut besucht waren sie alle, Pfingsten wurde zum Lieblingstermin der Kasseler für die Wasserspiele. Der Kasseler Autor G. A. Lobe beschreibt das im Jahr 1837 so: „Einmal im Jahre und am liebsten an einem der genannten Tage muss auch der schlichteste unbemitteltste Bewohner in oder um Kassel sein Wilhelmshöhe mit Familie besuchen, und die jedem erlaubten manichfaltigen Freuden, welche ihm dasselbe bietet, ungestört genießen.“

Gerd Fenner hat weitere zeitgenössische Schilderungen zusammengetragen. Es muss damals im Bergpark hoch her gegangen sein. Der Lehrer, Kunstmaler und Auto Friedrich Müller hat es vor knapp 200 Jahren so formuliert: „An jedem Pfingststag strömte die ganze Studentenschaft von Göttingen, Marburg und Gießen dahin; auch Jena und Halle stellten ihr Contingent. Man hat zuweilen nahe an zwei Tausend gezählt. Am ersten Festtage wurde in der Carlsaue commercirt, und am zweiten ging es zu Wagen, zu Pferde und in hellen Haufen zu Fuß nach Wilhelmshöhe. [...] Das Aufsteigen des mächtigen Strahls der Riesenfontaine begrüßten sie mit stürmischen Vivats und lagerten sich dann zum Schlusse auf dem sonst vor einem jeden Betreten bewahrten Bowlinggreen.“

Bergpark Kassel: Feste Rituale über Pfingsten

Ein festes Ritual habe es gegeben, sagt Gerd Fenner. Am ersten Pfingsttag habe die Kasseler Bevölkerung den Auepark besucht, am zweiten Pfingsttag sei es rauf zur Wilhelmshöhe gegangen. Und dort herrschte Jahr für Jahr großer Andrang. Auch dazu gibt es eine zeitgenössische Schilderung: „Die Menschen… stießen sich auf der Teufelsbrücke heftig herum, kletterten in Hast zum Aquädukt, und kamen am Ende unten am großen Bassin an, ehe die Fontaine daraus emporschoss. Mir gefiel das Ding sehr wohl, bis auf den unangenehmen Geruch, welcher von dem stehenden, künstlich herunter geleiteten Wasser aufwallte“. So beschrieb es der Kasseler Lehrer und Autor Franz Dingelstedt im Jahr 1838. Nach den Wasserspielen sei es dann für alle, die es sich leisten konnten, ins Gasthaus gegangen.

Das könnte man nach einem Pfingstspaziergang auch heute noch machen. Die Wasserspiele selbst finden allerdings wegen der Corona-Krise nicht statt. Bis Ende August soll es keine Großveranstaltungen geben. Ob danach Wasserspiele möglich sind, ist noch unklar. Denn der Andrang wäre nach der Pause bestimmt wieder groß.

Corona in der Region Kassel: Um Pfingsten gibt es Veränderungen bei vielen in der Corona-Krise gestarteten Übergangslösungen.

Der Welterbetag am 07.06.2020 findet wegen Corona nur digital statt. Im Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe wird es keine Feiern geben. Zeit für einen Rückblick.

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