3-Quadratmeter-Regelung wird abgeschafft

Corona-Lockerungen: Wenig Effekt für Kassels Kulturveranstalter

Veranstalter Markus Knierim im Live-Club Theaterstübchen Kassel mit Luftreinigungsgeräten wegen Corona.
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Will wieder Disco-Abende veranstalten: Theaterstübchen-Betreiber Markus Knierim mit Luftreinigungsgeräten, die er in Corona-Zeiten angeschafft hat. Mehr Gäste bringen ihm die jetzt verkündeten Lockerungen nicht.

Die Hessische Landesregierung hat Lockerungen von Corona-Regeln verkündet. Kassels Kulturveranstalter, Kinos und Händler profitieren davon aber kaum.

Kassel – Die Hessische Landesregierung hat geänderte Corona-Regeln verkündet, was sich unter anderem auf den Veranstaltungs- und Kulturbereich sowie den Einzelhandel auswirkt. Die bisherige Einschränkung, dass pro Kunde oder Veranstaltungsbesucher mindestens drei Quadratmeter Fläche in den Räumlichkeiten zur Verfügung stehen müssen, wird aufgehoben. Es gelten nur noch die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln – also 1,5 Meter Mindestabstand und maximal zehn Personen, die zusammensitzen dürfen.

Von dieser Lockerung erwarten sich betroffene Veranstalter, Betreiber und Händler in Kassel allerdings kaum eine Verbesserung ihrer nach wie vor schwierigen Lage. Etwas Hoffnung schöpfen die Betreiber von Clubs, die wieder öffnen dürfen sollen, sofern nicht getanzt wird. Wir haben nachgefragt:

Staatstheater
Für das Staatstheater bedeute die Neuerung allenfalls, dass sich etwas mehr Menschen in den Foyers aufhalten dürfen – etwa bei Premierenfeiern, sagt Intendant Thomas Bockelmann. Die Beschränkungen in den Zuschauerräumen aber blieben bestehen: Um die Mindestabstände zu gewährleisten, müssten weiterhin jede zweite Reihe sowie je zwei Plätze rechts und links von Besuchergruppen unbesetzt bleiben. Damit könne das Theater weiterhin nur ein Viertel der möglichen Platzkapazität anbieten und müsse sehr viele Abonnenten auf unbestimmte Zeit vertrösten. „Für uns bleibt es kompliziert“, sagt Bockelmann.

Konzertveranstalter
Im Live-Club Theaterstübchen war die Flächenregel schon bisher kein Kriterium, um wieder eingeschränkt in Betrieb gehen zu dürfen, sagt Veranstalter Markus Knierim, der sein zahlendes Publikum laut behördlicher Anordnung auf rund 60 Personen begrenzen muss: „Bei uns geht’s nur um den 1,5-Meter-Abstand. Und wir werden auch niemals mehr Gäste hereinlassen dürfen, bis Corona völlig vorbei ist.“ Eine kleine Verbesserung haben ihm die geänderten Corona-Regeln dennoch gebracht, und das hat etwas mit den neuen Bestimmungen für Tanzlokale zu tun: Die dürfen wieder öffnen, sofern sie sich auf das reine Bewirten der Gäste am Platz beschränken – Tanzen bleibt weiterhin verboten.

Knierim will das nutzen und ab dem 7. November wieder jeden Sonntag ab 22.30 Uhr Disco-Veranstaltungen im Theaterstübchen anbieten. „Das wird dann wie in einer Bar, die Gäste sitzen am Tisch, die DJs legen auf.“ Ob das vom Publikum angenommen wird, müsse man sehen: „Es ist ein Experiment.“

Clubs
Auch Karl Börries, Mitbetreiber vom Club 22 und vom York, denkt darüber nach, seine derzeit geschlossenen Clubs für einen übergangsweisen, tanzfreien Bar-Betrieb umzurüsten. „Ich kann mir nicht den Luxus leisten, das gut oder schlecht zu finden; ich muss einfach meine Firma erhalten“, sagt Börries. Nach der Ankündigung aus Wiesbaden seien „jede Menge Fragen offen“. Jetzt müsse mit den städtischen Behörden geklärt werden, mit welchen Konzepten eine Club-Öffnung möglich sei.

Einzelhandel
In Kassels Geschäften werde der Wegfall der Drei-Quadratmeter-Regel kaum Auswirkungen haben, glaubt der Einzelhandelsverband Hessen-Nord. „Das einzig Positive ist, dass es eine Einschränkung weniger gibt“, sagt Geschäftsführer Martin Schüller. Nirgendwo gebe es ein Problem damit, dass mehr Kunden als erlaubt in Ladenräume drängen würden – „das hat sich eingespielt und ist in den großen Häusern ohnehin kein Problem.“ Seit Beginn der Pandemie halte sich der Kundenzuspruch sehr in Grenzen, viele verzichteten auf einen Einkaufstrip mit Bussen und Bahnen in die Stadt, auch Tagestouristen würden fehlen. Dem Einzelhandel bleibe nur, auf das Weihnachtsgeschäft und auf verkaufsoffene Sonntage zu hoffen, sagte Schüller.

Kinos
Für die Kinos wirke sich der Wegfall der Drei-Quadratmeter-Regel allenfalls „minimal“ aus, sagt Wolfgang Schäfer, Chef der Cineplex-Kinos in Kassel und Baunatal. Denn weil weiterhin der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt werden müsse, dürften rund um Einzelbesucher und Gruppen jeweils zwei Plätze in alle Richtungen nicht besetzt werden. Das sei auf Dauer ruinös und erlaube teilweise nur Saal-Auslastungen um die 20 Prozent. In mehreren Bundesländern sei der Rundum-Abstand in Kinos auf nur einen leeren Sitz festgelegt worden, sagt Schäfer. So eine Regelung auch in Hessen würde der Branche wirklich helfen. Es sei bisher nirgendwo ein Infektionsfall aus einem Kino nachgewiesen.

Schwimmbäder
Auch in Schwimmbädern wird laut Landesregierung die Drei-Quadratmeter-Regelung aufgehoben. Die habe in den Kasseler Bädern allerdings bisher praktisch keine Rolle gespielt, sagt Städtische-Werke-Sprecher Ingo Pijanka. Der Betrieb im Auebad und im Hallenbad Süd sei vielmehr so organisiert, dass Mindestabstände von 1,5 Metern gewährleistet seien. „An diese Abstandsregel halten wir uns“, betonte Pijanka. Darüber sei auch definiert, wie viele Badegäste maximal ins Gebäude und in die Becken dürfen. Es ändere sich also nichts.

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