Zahl der Infektionen steigt weiter

Corona in Kassel: Das droht, wenn die Stadt zum Hotspot wird

Hinweis an der Autobahn: Auf der A44 vor dem Südkreuz Kassel werden Autofahrer darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich auf Corona testen lassen müssen, wenn sie aus Risikogebieten im Ausland zurückkehren.
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Hinweis an der Autobahn: Auf der A44 vor dem Südkreuz Kassel werden Autofahrer darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich auf Corona testen lassen müssen, wenn sie aus Risikogebieten im Ausland zurückkehren.

In der Corona-Pandemie standen Stadt und Landkreis Kassel bisher gut da. Plötzlich verschärft sich die Lage durch einzelne Vorfälle, wie eine Großhochzeit. 

  • Die Corona-Infektionszahlen sind in Kassel erneut zweistellig gestiegen.
  • Für Rückkehrende aus Risikogebieten besteht eine Meldepflicht beim zuständigen Gesundheitsamt.
  • Wenn Kassel zum Hotspot würde, müssten die Einwohnerinnen und Einwohner einiges beachten.

Kassel – Nach den Corona-Fällen bei der Hochzeitsfeier in Lohfelden und in der Erstaufnahme in Niederzwehren gehen in Stadt und Landkreis die Infektionszahlen weiter nach oben und sind in Kassel erneut zweistellig gestiegen. Fragen und Antworten dazu, was droht, wenn die Stadt weitere Warnstufen überschreitet und was für Reisende und Reiserückkehrer derzeit zu beachten ist.

Corona in Kassel: Infektionszahlen in Stadt und Kreis sind gestiegen

Wie haben sich die Infektionszahlen in Stadt und Landkreis entwickelt?

Sie sind auf 100 aktuell Infizierte in der Region Kassel gestiegen und liegen damit erstmals seit Anfang Juni wieder im dreistelligen Bereich. Nach Angaben des Gesundheitsamtes liegen nunmehr (Stand Montagnachmittag, 12.10.2020) 66 aktuell Infizierte in der Stadt Kassel vor, das sind zwölf mehr als am Vortag. Im Landkreis stieg ihre Zahl um drei auf jetzt 34. Vier Infizierte befinden sich im Krankenhaus, einer davon wird intensivmedizinisch behandelt. Nach der täglichen Übersicht liegen für Stadt und Landkreis Kassel jetzt 1284 bestätigte Sars-Cov-2-Fälle vor, das sind 20 mehr als am Vortag. Fünf weitere Betroffene gelten als genesen.

Was bedeutet das für die Sieben-Tage-Inzidenz?

Der Wert für die Corona-Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohner ist mit Stand Montag in Kassel auf 32,7 (Vortag: 27,8) gestiegen, die Stadt befindet sich damit weiterhin in der zweiten Stufe des Eskalationskonzeptes des Landes Hessen. Im Landkreis stieg der Wert auf 12,7 (Vortag: 10,6), der Kreis liegt damit weiter in der ersten Stufe des Eskalationskonzeptes, also im Routinebetrieb.

Corona in Hessen: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt. Die Stadt Kassel steht kurz vor der dritten Warnstufe. (Symbolbild)

Corona in Hessen: Wird Kassel zum neuen Hotspot?

Droht Kassel nun zum Corona-Hotspot zu werden?

Das hängt von der Entwicklung der Infektionszahlen in den nächsten Tagen ab. Als Hotspot oder innerdeutsches Risikogebiet gelten Regionen, wenn ihre Sieben-Tage-Inzidenz den Schwellenwert von 50 überschreitet. Die Stadt Kassel liegt mit einem Wert von 32,7 davon noch ein ganzes Stück entfernt, aber nur noch knapp unter der nächsten (dritten) Warnstufe ab einem Wert von 35 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Dann wären erweiterte Maßnahmen und die Einbindung des Planungsstabs des Sozialministeriums erforderlich.

Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 sind konsequentere Beschränkungen angesagt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Städte Offenbach und Frankfurt haben in dieser Situation zum Beispiel eine Sperrstunde sowie Maskenpflicht und Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen angeordnet.

Was würde die Einstufung als Risikogebiet für Kasseler bedeuten, die andere Regionen in Deutschland besuchen wollen?

Würde Kassel mit einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 50 tatsächlich als Hotspot oder innerdeutsches Risikogebiet eingestuft, würde auch für die Kasseler das von anderen Bundesländern verhängte Beherbergungsverbot gelten. Es besagt, dass Reisende aus einem deutschen Risikogebiet in Hotels oder Pensionen nicht aufgenommen werden dürfen und gilt etwa in Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Meist ist es möglich, einen negativen Corona-Test vorzulegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, um übernachten zu können.

Corona in Kassel: Das müssen Reiserückkehrende beachten

Was ist bei der Rückkehr aus Risikogebieten im Ausland?

Nach der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums müssen sich Reiserückkehrer auf das Coronavirus testen lassen, wenn sie sich in den letzten 14 Tagen in einem vom Robert Koch-Institut (RKI) ausgewiesenen Risikogebiet im Ausland aufgehalten haben. Zudem besteht für die Rückkehrer eine Meldepflicht beim zuständigen Gesundheitsamt.

Wie kann ich der Meldepflicht nachkommen?

Die Stadt Kassel bietet für Bewohner von Stadt und Landkreis neuerdings ein digitales Verfahren an, mit dem Menschen ihrer Meldepflicht nachkommen können, wenn sie aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen. Über das Formular auf kassel.de/coronatest können sie ihre Daten eingeben, müssen sich also nicht mehr per E-Mail oder telefonisch beim Gesundheitsamt melden.

Corona in Kassel: Covid-Koordinierungscenter am Klinikum bietet Tests an

Wo kann ich einen Corona-Test machen lassen?

Anlaufstellen für Tests sind die Hausarztpraxen sowie in Kassel das Covid-Koordinierungscenter am Klinikum. Reiserückkehrer, die sich außerhalb der Bundesrepublik aufgehalten haben, wenden sich für eine Testung an ihre Hausarztpraxis oder die Hotline der ärztlichen Termin-Servicestelle unter 116 117. Das Gesundheitsamt testet keine Reiserückkehrer und melde sie auch nicht zur Testung beim Covid-Center an.

Was kosten die Tests?

Den Reiserückkehrern aus Risikogebieten entstehen laut Bundesverordnung keine Kosten durch einen Test, wenn er innerhalb von zehn Tagen vorgenommen wurde. Die Abrechnung läuft nach Angaben der Stadt über die Kassenärztliche Vereinigung, bezahlt werden die Tests aus dem Gesundheitsfonds.

Corona: Darauf muss bei Symptomen geachtet werden

Und was ist, wenn ich Corona-Symptome habe?

Wer aufgrund von Symptomen befürchtet, an Covid-19 erkrankt zu sein, wendet sich telefonisch an seine Hausarztpraxis oder an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Wer aufgrund von Symptomen getestet wird, muss dafür eine Krankenkassenkarte vorlegen.

Gab es in Kassel noch weitere Corona-Vorfälle?

Eine Anfrage unserer Zeitung zu Hinweisen auf Infektionen nach einer privaten Studentenparty wollte die Stadt am Montag nicht kommentieren. „Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte gibt die Stadt Kassel keine weiteren Informationen über die persönlichen Umstände erkrankter Personen bekannt“, sagte ein Stadtsprecher. (Von Andreas Hermann)

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