Party-Gäste trampeln Pflanzen kaputt

Techno-Party im Wald: 300 Feiernde verstoßen gegen Corona-Regeln

Teilnehmer der illegalen Techno-Party im Habichtswald Kassel zwischen Rasenallee und Herkules.
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Corona im Kreis Kassel: Sonntagmorgen um sechs im Habichtswald - Teilnehmer der illegalen Techno-Party zwischen Rasenallee und Herkules.

Trotz Corona: 300 Raver haben bis in die frühen Morgenstunden eine illegale Techno-Party im Habichtswald im Kreis Kassel gefeiert. Nicht nur die Förster sind fassungslos.

  • Trotz Corona haben 300 Menschen eine illegale Party im Habichtswald im Kreis Kassel gefeiert.
  • Die Corona-Regelungen wurden nicht eingehalten.
  • Den Organisatorinnen der Party in Kassel droht eine Anzeige.

Uwe Zindel geht schon fast sein ganzes Leben lang auf die Jagd, aber so etwas wie am Sonntagmorgen (12.07.2020) um sechs Uhr hat der Leiter des Forstamts Wolfhagen noch nie gesehen. Der 63-Jährige wollte eine Sau vor die Flinte bekommen, dann aber hörte er mitten im Habichtswald zwischen dem Wanderparkplatz Rasenallee und dem Herkules höllisch laute Techno-Musik, zu der noch etwa 100 junge Menschen tanzten. „So etwas ist bei uns noch nie vorgekommen“, sagt Zindel über die illegale Party trotz Corona, die nun ein Nachspiel haben wird.

Das Forstamt hat Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde gegen die beiden jungen Frauen gestellt, die sich als Organisatorinnen der Corona-Party ausgegeben hatten – außerdem gegen die Halter zweier Fahrzeuge, mit denen die Techno-Fans Anlage und Stromaggregat in den Habichtswald gebracht hatten. Ihnen werden Ordnungswidrigkeiten vorgeworfen. Naturschutz- und Waldrecht verbieten unter anderem Veranstaltungen in der Natur.

NaturparkHabichtswald
KreisKassel
Größe474,28 Quadratkilometer
Gründung 1962

Kreis Kassel: Corona-Regelungen nicht eingehalten

Zudem prüft das Forstamt eine Anzeige bei der Polizei wegen Sachbeschädigung, weil zahlreiche Jungbäume im Habichtswald im Kreis Kassel kaputt getreten wurden. „Da wächst nichts mehr“, sagt ein Mitarbeiter. Auch die Corona-Verordnungen wurden offensichtlich nicht eingehalten.

Für Zindel ist das alles „keine Kleinigkeit mehr“. Die Party könnte nicht nur Rehe und geschützte Tierarten wie Bussarde und Spechte vertrieben haben, sondern auch brütende Vögel aus ihren Nestern. Der immer noch fassungslose Zindel weiß nicht, „ob die noch mal wiederkommen“.

Trotz Corona: Illegale Party in der Region Kassel

Der Förster zog erst einmal das Stromkabel im Habichtswald in der Region Kassel, als er als ungebetener Gast auf die Party kam: „Sonst hätten die mich gar nicht verstanden.“ Die beiden Frauen, die die Veranstaltung organisiert hatten, sagten ihm, sie hätten Geburtstag mit Freunden feiern wollen und nicht gewusst, wo sie in Corona-Zeiten hinsollen.

Zumindest eine Teilnehmerin, mit der wir sprachen, wusste aber nichts von einer Geburtstagsfeier. Sie hatte über WhatsApp den Hinweis auf einen Rave im Habichtswald mit sechs DJs erhalten. Getränke solle jeder selbst mitbringen. Auch ein Hinweis, dass jeder seinen Müll entsorgen solle, fehlte nicht.

Corona in Kassel: Illegale Partys in der Natur häufen sich

Als sie mit Freunden nach einem 20-minütigen Fußmarsch vom Parkplatz an der Rasenallee im Landkreis Kassel die Party unweit der sogenannten Himmelsleiter erreicht hatte, standen dort Autos und Fahrräder. Bis zu 300 Teilnehmer hätten „die super angenehme Feieratmosphäre“ der Corona-Party genossen.

Für die hat Förster Zindel kein Verständnis. Als er den Stromstecker gezogen hatte, fragte er in die Runde: „Was geht euch durch den Kopf?“ Solche Partys sind für ihn ein „ausartender Trend in Corona-Zeiten“. Tatsächlich häufen sich bundesweit die Meldungen über Partys in der Natur, seitdem Clubs zuhaben.

Corona im Kreis Kassel: Nach illegaler Party - Polizei will Habichtswald beobachten

Die Polizei Kassel überwachte zuletzt bereits die Dönche, wo kleinere Partys stattgefunden haben sollen. Demnächst will sie auch den Habichtswald im Auge haben, wie ein Sprecher erklärt. Zindel wünscht sich, dass die Techno-Fans nun einsichtig werden. Denn ein Wald ist nun mal kein Club. Hoffnung macht ihm eine Erkenntnis: „Ihren Müll haben sie größtenteils weggeräumt.“ (Matthias Lohr)

Weitere Party trotz Corona in der Region Kassel: In einem Wald bei Witzenhausen werden in letzter Zeit vermehrt Partys von jungen Leuten gefeiert. Das ist vor allem wegen Corona und der Waldbrandgefahr gefährlich.

Alle Informationen und Zahlen zu Corona in Kassel* im News-Ticker. *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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