Kassel als Risikogebiet

Mehr Schutz vor Corona: Geld reicht für zwei Filter pro Schule

Luftreiniger sollen für Schulen angeschafft werden: Das Land Hessen will den Kauf fördern. Unser Symbolfoto zeigt eine Klasse in Brandenburg.
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Luftreiniger sollen für Schulen angeschafft werden: Das Land Hessen will den Kauf fördern. Unser Symbolfoto zeigt eine Klasse in Brandenburg.

Nachdem Kassel quasi über Nacht zum Corona-Hotspot wurde, mussten alte Entscheidungen neu überdacht werden. Jetzt sollen die Luftfilter an Schulen doch kommen. 

Kassel – Mit dem Ende der Herbstferien wurde Kassel – fast über Nacht – zum Corona-Risikogebiet. Dies fordert auch die Politik und die Schulen zum Umdenken. So hatte die Stadt Kassel zunächst den Einsatz von mobilen Luftfilteranlagen abgelehnt und diese auch nicht empfohlen. Das Land Hessen fördert den Kauf solcher Geräte mit zehn Millionen Euro. Wir sprachen mit dem Schulamt und dem Kreisvorsitzenden des Lehrerverbandes darüber, wie sich die Schulen optimal auf den weiteren Verlauf der Pandemie rüsten können.

Schutz vor Corona: Luftfilter sind eine Option an den Schulen in Hessen

Mobile Filtergeräte sollen zum Schutz einer Infektion an hessischen Schulen angeschafft werden. „Mit dem Geld vom Land sollen wir Luftfilter für jene Schulräume anschaffen, in denen es nur unzureichende oder keine Möglichkeiten des Lüftens gibt“, sagt Annette Knieling, Leiterin des Schulamtes von Stadt und Kreis Kassel. Dies betreffe in erster Linie die Physik- und Chemie-Fachräume oder auch die Informatik-Räume, bei denen oft bewusst auf Fenster verzichtet wurde. „Diese Räume werden nach meinem Kenntnisstand derzeit gar nicht genutzt“, so Knieling. Die Stadt Kassel habe eine Übersicht erarbeitet, welche Räume das aktuell betreffe. Aus Sicht der Schulamtsleiterin ist dies ein richtiger Schritt: „Wir müssen alles dafür tun, ein möglichst geringes gesundheitliches Risiko zu erreichen.

Boris Krüger, Kreisvorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes in Hessen (DLH), sieht die Pläne des Landes mit gemischten Gefühlen. „Zehn Millionen Euro hören sich erst mal gut an. Aber bei einem Stückpreis der Filter von 2500 bis 3000 Euro kann man damit für die 1795 Schulen in Hessen gerade mal jeweils zwei Filter anschaffen“, so Krüger. Werde das Geld nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sei es ein „Tropfen auf den heißen Stein“. In dem Fall müssten die Schulträger weiteres Geld zuschießen. Gerade finanzschwächere Kommunen, wie etwa Kassel, falle dies schwer, so Krüger, der als Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel arbeitet.

Corona in Hessen: Lüften wird von Eltern kontrovers gesehen – Ampeln sollen in Kassel helfen

„Beim Thema Lüften erleben wir die ganze Bandbreite. Da gibt es Eltern, denen wird zu viel gelüftet und andere, denen wird zu wenig gelüftet“, sagt Schulamtsleiterin Annette Knieling. Das richtige Maß müsse erst gefunden werden. Dabei seien die CO2-Ampeln hilfreich, die die Stadt Kassel bestellt habe.

Boris Krüger vom Lehrerverband sieht bei der Frischluftzufuhr ein Problem auf die Schulen zukommen. Bislang sei es nicht so kalt, dass auch noch – wie gefordert – mindestens alle 20 Minuten gelüftet werden könne. „In zwei, drei Wochen kann das schon anders aussehen“, so Krüger. Zudem sorge das Lüften für viel Unruhe im Unterricht und berge die Gefahr, dass sich Schüler und Lehrer erkälten.

Schulen im Risikogebiet: Klassenteilung zur Minimierung der Corona-Ansteckungen

Der Lehrerverband hat sich der Empfehlung des Robert-Koch-Institutes angeschlossen, die in Corona-Risikogebieten eine Teilung von Klassen empfiehlt. „Vor dem Hintergrund der Lüftungsproblematik wäre das eine Möglichkeit, das Gesundheitsrisiko zu senken“, sagt Boris Krüger vom Lehrerverband. Eine Option sei es, die Schüler bis zur achten Klasse in der Schule zu unterrichten und die älteren Schüler digital zu beschulen. Damit könne man dem Betreuungsproblem der Eltern entgegenkommen.

Die Schüler bis zur achten Klasse könnten auf diese Weise innerhalb der Schulen auf die halben Klassengrößen aufgeteilt werden. Allerdings bedeute dies auch eine höhere Arbeitsbelastung des Kollegiums, weil diese mehr Gruppen unterrichten müssten. „Da stoßen wir angesichts des Lehrermangels schnell an unsere Grenzen. Zumal einige Kollegen zur Risikogruppe gehören“, so Krüger. Schulamtsleiterin Annette Knieling sagte auf HNA-Anfrage, es gebe bisher keine konkreten Pläne, die Größen der Klassen zu reduzieren oder Schulen für den Präsenzunterricht zu schließen. „In Berchtesgaden hat man aber gesehen, wie schnell sich die Lage verändern kann.“

Die Schulen in Stadt und Kreis Kassel könnten für die Schüler ab der achten Klasse aber schon jetzt digital gestützten Distanzunterricht beim Schulamt beantragen. Bislang lägen noch keine Anfragen vor, es gebe aber Schulen, die in dieser Hinsicht große Fortschritte gemacht hätten. Dazu zählten die Beruflichen Schulen, die Albert-Schweitzer-Schule, die Lichtenberg-Schule und die Valentin-Traudt-Schule. (Bastian Ludwig)

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