Schnupfenleitfaden

Schule: Corona oder Erkältung? Das gilt bei Husten und Schnupfen

Corona in Deutschland: Das Robert Koch-Institut hat die neue Reproduktionszahl des Coronavirus veröffentlicht.
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Wenn das Schulkind husten muss - Gerade für Eltern, Lehrer und Kitapersonal ist eine Unterscheidung zwischen Corona und Erkältung wichtig (Symbolbild).

In den Schulen herrscht in Zeiten von Corona Verunsicherung. Nun hat das Kultusministerium einen „Schnupfenleitfaden" erstellt.

Kassel – Ist es nur eine Erkältung oder doch das Coronavirus? Diese Frage stellen sich Eltern, Lehrer und Kitapersonal derzeit, wenn Kinder über Husten, Schnupfen, Fieber oder Halsschmerzen klagen. Zum Umgang mit Krankheits- und Erkältungssymptomen haben das Hessische Sozial- und das Kultusministerium zu Beginn des neuen Schuljahrs eine Handlungsempfehlung herausgegeben. Dennoch herrscht Verunsicherung.

Dieser „Schnupfenleitfaden“ sei eine verständliche Grundlage, die alle Eltern gemeinsam mit dem Elternbrief erhalten haben sollten, sagt Annette Knieling, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis und die Stadt Kassel.

Unterscheidung zwischen Corona und Erkältung: Immenser Beratungsbedarf

Denn er regelt, wann ein Kind zu Hause bleiben muss: bei Fieber über 38 Grad, trockenem Husten oder der Störung des Geruchs-/Geschmackssinns. Dass diese Handreichung offenbar nicht alle erreicht hat, beobachtet der Vellmarer Kinderarzt Thomas Lenz, Obmann der nordhessischen Kinderärzte. In seiner und den Praxen seiner Kollegen glühten dieser Tage die Telefonleitungen. Der Beratungsbedarf sei immens.

Der Kinderarzt Thomas Lenz.

Während sich Eltern meist einsichtig zeigten, bereiteten die Institutionen Probleme, so Lenz. Nämlich jene, die „Gesundschreibungen“ verlangten, obwohl diese vonseiten des Ministeriums nicht verlangt werden. In der Handreichung heißt es dazu: „Zur Wiederzulassung des Besuchs einer Einrichtung oder der Kindertagespflege sind kein negativer Virusnachweis und auch kein ärztliches Attest notwendig.“

Sofern es Schulen und Kitas im Zweifelsfall für erforderlich hielten, können sie sich eine schriftliche Bescheinigung der Eltern vorlegen lassen. Dazu reiche die Rücksprache mit dem Kinderarzt, die Vorstellung des Kindes sei nicht nötig, stellt Lenz klar.

„Unsicherheiten“ auch bei Schulleitungen - Wann ist es Corona? Wann eine Erkältung?

„Fakt ist, dass Schulleitungen Unsicherheiten haben“, sagt Annette Knieling. So habe es zuletzt Rückmeldungen gegeben, dass hustende Kinder vom Unterricht suspendiert wurden. Knieling fürchtet, dass sich diese Unsicherheiten mit Beginn der Erkältungssaison im Herbst verschärfen wird.

Diskutiert worden sei, ob Fiebermessungen an Schulen eingeführt werden sollten. Dies kollidiere allerdings mit dem Datenschutz, erläutert die Schulamtsleiterin. Sie stellt ferner klar: „Die Schule ist keine medizinische Einrichtung.“ Sie hoffe, dass sich die Situation nach dem jüngsten Anstieg der Corona-Fälle durch Reiserückkehrer wieder beruhige.

Die Kinderärzte in Stadt und Kreis Kassel leisten derzeit viel Aufklärungsarbeit. „Unsere telefonische Erreichbarkeit ist sehr eingeschränkt“, sagt Thomas Lenz, der Obmann der nordhessischen Kinderärzte. Er wirbt für die „hilfreichen“ Hinweise, die das Hessische Kultus- und Sozialministerium herausgegeben haben. Offenbar sind diese Vorgaben nicht überall angekommen. So hätte ein Schulleiter in Unkenntnis der Vorgaben seines Dienstherren eine Gesundschreibung eingefordert, ein anderer auch Geschwisterkinder in Quarantäne geschickt, berichtet Lenz.

Auch die Vellmarer Gemeinschaftspraxis führe regelmäßig Abstriche durch, allerdings erst bei anhaltendem Fieber und schwerem Krankheitsverlauf. Keiner der bislang rund 40 in seiner Praxis durchgeführten Corona-Tests sei positiv ausgefallen. Insofern gilt für die jungen Patienten: Sie müssen mindestens einen Tag fieberfrei und wieder in gutem Allgemeinzustand sein, bevor sie wieder in die Betreuung oder in die Schule dürfen. Schnupfen, leichter Husten und Halskratzen sind übrigens keine Ausschlussgründe.

Corona oder Erkältung? - „sinnfreie Bescheinigungen“ über ansteckende Krankheiten im Kita-Alltag

Für Kinder, die positiv auf Corona getestet wurden, gilt folgende Regelung: Das Kind oder der Jugendliche muss mindestens 48 Stunden symptomfrei sein und darf frühestens zehn Tage nach Symptombeginn die Kindertageseinrichtung, Kindertagespflegestelle oder die Schule wieder besuchen. Dazu ist kein ärztliches Attest notwendig, stellt Lenz noch einmal klar.

Der Vellmarer Kinderarzt kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Flut an Bescheinigungen, die beispielsweise Kindertagesstätten vor der Aufnahme neuer Kinder schon seit Jahren einforderten, nämlich dass der Nachwuchs „frei von ansteckenden Krankheiten sei“.

Lenz wirbt dafür, diese „sinnfreien Bescheinigungen“ abzuschaffen, und hofft, dass wenn die Satzung im kommenden Jahr auf Kreisebene neu beschlossen wird, dieser Passus entsprechend geändert wird.

Denn statt auch noch gesunde Kinder in den meist vollen Praxisalltag einzubauen, will er sich auf Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und auf wirklich kranke Kinder konzentrieren. Weitere Informationen zu den Empfehlungen des Landes Hessen sowie das ausführliche Schaubild unter kultusministerium.hessen.de oder soziales.hessen.de. (Anja Berens)

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