Einsparungen nötig

Corona setzt Kasseler Kirchen zu: Zehn Prozent Steuerrückgang erwartet

Klingelbeutel
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Weniger Gottesdienste, weniger Kirchgänger, das bedeutet auch weniger Geld in den Klingelbeuteln.

Die Coronakrise reißt auch in die Kirchenkassen ein Loch. Die evangelische und die katholische Kirche in der Region rechnen mit Einbußen von etwa zehn Prozent beim Kirchensteueraufkommen.

Kassel – Grund für den Rückgang der Kirchensteuer, die an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt ist, ist vor allem die Kurzarbeit im Zuge der Pandemie. Auf Kurzarbeitergeld wird keine Kirchensteuer erhoben. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) stellt sich für dieses Jahr auf einen Fehlbetrag von rund 20 Millionen Euro ein. Im vergangenen Jahr hatte die Landeskirche Einnahmen in Höhe von 190,4 Millionen aus der Kirchensteuer. Man rechne für dieses und das kommende Jahr mit einem Minus von neun bis zehn Prozent, sagte Vizepräsident Dr. Volker Knöppel gegenüber der HNA.

Im Bistum Fulda der Katholischen Kirche ist die Situation ähnlich. Statt der im Haushalt für dieses Jahr veranschlagten 113 Millionen Euro erwarte man jetzt Einnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro, wie ein Sprecher des Bistums mitteilte. Zusätzlich belastet ist die finanzielle Lage der beiden großen Kirchen durch coronabedingte Ausfälle in Bildungshäusern. So haben etwa die Evangelische Akademie Hofgeismar, das katholische Bildungsforum St. Michael und die Familienbildungsstätten der beiden Kirchen in den vergangenen Monaten kaum Einnahmen erzielt.

Um die sich abzeichnenden Ertragseinbußen auszugleichen, stellt die Katholische Kirche einerseits Baumaßnahmen zurück. So sollen in diesem Jahr 11,1 Millionen Euro eingespart werden, wie der Bistumssprecher mitteilt. Weitere 800 000 Euro können durch Einsparungen in der Verwaltung kompensiert werden, etwa indem man auf Neuanschaffungen verzichte und frei werdende Personalstellen nicht neu besetze.

Auch die Evangelische Landeskirche hat zur Haushaltssicherung eine Wiederbesetzungssperre bis zum Jahresende beschlossen. Ausgenommen seien dabei Pfarrstellen, sagte Vizepräsident Knöppel. Außerdem gelte ein Investitionsstopp für große Baumaßnahmen. Betroffen sei davon Millionenprojekt einer kircheneigenen Schule im Kirchenkreis Hanau.

Bleibt die Situation auch 2021 klamm, ist laut Knöppel nicht auszuschließen, dass auch die Zuweisungen an die Kirchenkreise gekürzt werden müssen.

Von Katja Rudolph

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