Fragen und Antworten

Corona-Tests oft erst negativ und bei Wiederholung positiv: Woran liegt das?

Die Qualität des Abstrichs ist entscheidend: Auch bei einem negativen Testergebnis kann es noch zu einem Krankheitsausbruch kommen.
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Die Qualität des Abstrichs ist entscheidend: Auch bei einem negativen Testergebnis kann es noch zu einem Krankheitsausbruch kommen.

Corona-Tests fallen Abstriche manchmal erst negativ und bei einer Wiederholung dann doch positiv aus. Wir erklären, warum das so ist.

  • Das Coronavirus breitet sich weiterhin in Deutschland aus.
  • Viele Menschen mit corona-typischen Symptomen lassen sich testen.
  • Doch viele Tests fallen erst negativ und dann positiv aus.

Kassel – Bei vielen Patienten mit corona-typischen Symptomen fällt der Abstrich zunächst negativ, in der Wiederholung dann aber positiv aus. Warum das so ist? Fragen und Antworten zum Thema.

Wie häufig kommt es vor, dass das Virus nicht beim ersten Test entdeckt wird?

Relativ häufig: „In etwa einem Viertel der Covid-Fälle gelingt uns zunächst kein Virusnachweis“, sagt Dr. Marcus Thomé, Chefarzt für Infektionsdiagnostik und Klinische Mikrobiologie im Labor des Klinikums. Dies sei ein weltweit beschriebenes Phänomen und könne mehrere Gründe haben: Bei einem Rachenabstrich für den Nachweis auf SARS-CoV-2 sei zwingend die hintere Rachenwand abzustreichen, erläutert Thomé. Für den Patienten sei dies nicht angenehm; häufig sei die Abstrichqualität unzureichend. Zudem wandere die Virusvermehrung wohl im Laufe der Infektion in tiefere Abschnitte des Respirationstrakts, sprich in die Lunge.

Wie lässt sich das Virus dennoch nachweisen?

In einigen Fällen gelinge später der Nachweis aus Auswurf oder Sekreten, die durch spezielle Katheter aus der Luftröhre oder der Lunge gewonnen werden, schildert Thomé. Der Nachweis von Virus aus Stuhlproben sei in der Literatur häufig beschrieben, jedoch technisch aufwendiger. „Bei einzelnen Patienten, die eindeutige Symptome hatten, aber negative Abstriche, ist auch uns der Virusnachweis nur aus diesen Proben gelungen“, so Thomé.

Wann und auf welcher Grundlage wird entschieden, ob zunächst negativ getestete Patienten trotzdem auf der Covid-Station behandelt werden?

„Hier spielt klinische Erfahrung zusammen mit der gründlichen Befragung des Patienten eine sehr große Rolle“, sagt Sigrid Verlaan, die Direktorin der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin im Klinikum. Covid-19 könne von Bauchweh über Geschmacksstörungen eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, sodass das Bild oft schwer einzuschätzen sei. Bleibe bei einem negativen Abstrichergebnis der Verdacht anhand typischer Symptome (Luftnot, Fieber, trockener Husten) oder einer typischen Laborkonstellation bestehen oder habe der Erkrankte Kontakte zu Covid-19-Patienten, so blieben die Patienten im Einzelzimmer im Isolationsbereich, erläutert Verlaan.

Es müssten dann aktiv alternative Erklärungen für die Erkrankung gesucht werden. Um Covid-19 zu sichern, veranlasse man indessen eine Schnittbildgebung der Lunge und sende dem Labor weitere Proben zu, erklärt Verlaan. „Erst, wenn plausibel eine andere Diagnose gesichert oder aus mehreren Proben und Untersuchungen ein Covid-19 ausgeschlossen wurde, kann die Verlegung in einen Non-Covid Bereich erfolgen.“ Dieser Prozess könne mehrere Tage in Anspruch nehmen. Bis dahin kämen alle Therapeuten zum Patienten auf die Covid-Station.

Wie viele Abstriche sind seit Pandemie-Beginn genommen worden, wie viele fielen positiv aus?

Eine genaue Zahl teilt das Klinikum nicht mit. Dr. Marcus Thomé erläutert aber: „Die Positivrate liegt bei unseren Proben extrem niedrig, was wiederum dadurch zu erklären ist, dass wir nicht nur Patienten mit dem Verdacht auf eine Covid-Erkrankung testen, sondern alle Patienten, die am Klinikum Kassel behandelt werden.“

Sollten Patienten, deren Ergebnis im Testcenter negativ ausfiel, in häuslicher Isolation bleiben und sich erneut testen lassen?

Auch bei zunächst negativem Testergebnis kann es innerhalb der Inkubationszeit zu einem Krankheitsausbruch mit Infektiosität und positivem Testergebnis kommen, heißt es aus dem Gesundheitsamt RegionKassel. Deswegen gelte die Quarantäne von 14 Tagen bei engen Kontaktpersonen. Ein negatives Testergebnis verkürze nicht die Quarantänedauer, stellt das Amt klar. 

Denn auch ein fehlerhafter oder zu früher Abstrich könne ein negatives Ergebnis auslösen. Häufig benötige die Infektion mehrere Tage, bis die Konzentration an Virusmaterial im Nasen-Rachen-Raum bei einem Abstrich nachgewiesen werden könne. Wenn trotz eines negativen Testergebnisses weiter ein begründeter Verdacht auf eine Covid-Infektion vorliege, sollte der Patient gegebenenfalls erneut getestet werden.

Von Anja Berens

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