Jobcenter verstärkt Telefon-Beratung

Ansturm auf die Soforthilfe: Fast 90.000 Anträge beim RP in Kassel

Jobcenter-Mitarbeiterin Nicole Eckhardt springt derzeit bei der lokalen Corona-Hotline der Behörde ein.
+
Jobcenter-Mitarbeiterin Nicole Eckhardt springt derzeit bei der lokalen Corona-Hotline der Behörde ein.

Der Andrang auf den Online-Antrag für die Corona-Soforthilfe ist weiter hoch.

Kassel - Insgesamt sind seit Montag vergangener Woche bis gestern 87.700 Anträge über das Online-Formular des Regierungspräsidiums (RP) Kassel eingereicht worden. Rund 25 000 davon sind in diesem Zeitraum dem Hessischen Wirtschaftsministerium zufolge bearbeitet und bewilligt worden. Nach einer Woche wurden demnach bereits knapp 250 Millionen Euro Soforthilfe ausgezahlt.

Laut Ministerium stammt der Großteil der Anträge von Kleinstunternehmen. Die Soforthilfe ist gestaffelt nach der Zahl der Beschäftigten und beträgt inklusive der vom Bund bereitgestellten Mittel bis zu 10 000 Euro für Soloselbstständige und Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern, bis zu 20 000 Euro für Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern und bis zu 30 000 Euro für Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern. Daten zur regionalen Verteilung der Anträge gibt es bislang nicht.

Wegen ihrer hohen Zahl wurde das Personal zur Bearbeitung laut Ministerium mehr als verdoppelt: Insgesamt 700 Mitarbeiter aus den drei Regierungspräsidien Kassel, Gießen und Darmstadt sind damit beschäftigt.

Rasant angestiegen sind auch die Kurzarbeitsanzeigen. Für den Bezirk der Agentur für Arbeit in Kassel, zu dem Stadt und Landkreis Kassel sowie der Werra-Meißner-Kreis zählen, waren es Hochrechnungen zufolge bis zum 31. März 3100 bis 3200 Anzeigen. Zwar kann die Behörde keine aktuelleren Zahlen nennen. Sie sind erst für Ende April zu erwarten. Allerdings ist laut Geschäftsführer Detlef Hesse die Zahl der Mitarbeiter, die zur Kurzarbeit beraten, von zwölf auf aktuell 194 für die vier nordhessischen Agenturen in Kassel, Korbach, Fulda und Marburg aufgestockt worden.

Die Agentur warnt derweil vor unseriösen Mails, die unter der Adresse kurzarbeitergeld@arbeitsagentur-service.de versandt werden. In der Mail wird der Arbeitgeber unter anderem aufgefordert, konkrete Angaben zu Person, Unternehmen und Beschäftigten zu machen, um Kurzarbeitergeld zu erhalten. Im Absender sei keine Telefonnummer für Rückfragen angegeben. Arbeitgeber sollten auf keinen Fall auf die Mail antworten, sondern diese umgehend löschen, teilt die Agentur mit. Die Bundesagentur für Arbeit sei nicht Absender dieser Mail und fordere Arbeitgeber auch nicht per Mail auf, Kurzarbeitergeld zu beantragen.

Kassel – Auch beim Jobcenter der Stadt Kassel macht sich die Coronakrise deutlich bemerkbar. Viele Menschen suchen dort Hilfe und Unterstützung. Um den erhöhten Beratungsbedarf decken zu können, hat die Behörde, die seit dem 16. März für den Kundenverkehr geschlossen ist, neben dem bestehenden Service-Center in Wetzlar eine zusätzliche lokale Hotline eingerichtet.

Bis zu 80 der 320 Mitarbeiter, die ansonsten unter anderem im Vermittlungsbereich oder im Arbeitgeber-Service arbeiten, sind freiwillig eingesprungen und betreuen diese Service-Nummer. „Dazu wurden sie kurzfristig in Online-Kursen geschult“, erläutert Geschäftsführer Christian Nübling. „Wir haben versucht, uns schnellstmöglich auf die neue Situation einzustellen.“ Zeitgleich können – wegen technischer Vorgaben – bis zu 30 der Hotline-Mitarbeiter beraten. Da ist Flexibilität und Geduld sowohl bei den Kunden als auch den Mitarbeitern gefragt. Bis zu 100 Anfragen gehen laut Jobcenter täglich bei der lokalen Hotline ein. Tendenz steigend. Unter den Anrufern seien sowohl Bestandskunden, die etwa Fragen zur Bearbeitung eingereichter Unterlagen haben, sagt Jobcenter-Mitarbeiterin Janina Mohr. „Aber es rufen auch viele an, die einen neuen Antrag stellen oder sich erst einmal nur informieren wollen“, berichtet die 34-Jährige.

Manche der Anrufer hätten ihren Betrieb wegen der Corona-Pandemie bereits aufgeben müssen, viele bezögen Kurzarbeitergeld, das für den Lebensunterhalt nicht reiche. Anderen sei bereits gekündigt worden. „Ich hatte in dieser Zeit aber auch ein paar Arbeitsaufnahmen. Darüber bin ich sehr froh“, sagt Mohr.

Die meisten Kunden seien dankbar für die Beratung und freundlich, manche müssten aber auch „mal Dampf ablassen“. Schwierig werde es vor allem, wenn der Anrufer mangelnde Sprachkenntnisse habe. „In der persönlichen Beratung ist ja immer jemand dabei, der übersetzt.“

„Viele Anrufer sind völlig verunsichert von der Situation“, sagt Mohrs Kollegin Sandra Heindl. Sie habe etwa mit vielen Selbstständigen zu tun, die vor dem Bankrott stehen. Belasten sie die persönlichen Schicksale über den Arbeitstag hinaus? „Ich nehme das nicht mit nach Hause. Wir haben hier immer mit Tragödien zu tun“, so die 52-Jährige. Aber auch für die Jobcenter-Mitarbeiter sei die Lage insgesamt bedrückend. „Es wäre schön, wenn alle Kunden freundlich blieben. Wir versuchen das hier gerade auch nur zu händeln.“

Nicole Eckhardt fehlt vor allem der persönliche Kontakt zu den Kunden. „Normalerweise lernen wir die Menschen kennen“, sagt die 31-Jährige. Derzeit sei alles kühler und sachlicher.

Informationen: Das Service-Center sowie die lokale Hotline sind zu den Geschäftszeiten des Jobcenters erreichbar unter Tel.0561/92 999 0 und 0561 92 999 202, jobcenter-stadt-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.