Sechs Erkrankte zur Behandlung in Kassel

Corona in Kassel: Hilfe für kranke Franzosen aus der Partnerstadt

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Bürgermeisterin von Mulhouse: Michèle Lutz.

In Zeiten von Corona kann Städtepartnerschaft auch Solidarität und Unterstützung durch lebensrettende Maßnahmen bedeuten

Kassel – Seit dem Wochenende werden in Kassel sechs schwer an Covid-19 erkrankte Patienten aus der französischen Partnerregion Mulhouse versorgt.

Wie aus dem Kasseler Rathaus zu erfahren war, hat das Klinikum Kassel als koordinierendes Krankenhaus für die Versorgungsregion Hessen-Nord die intensivmedizinische Behandlung von vier französischen Patienten übernommen. Zwei weitere Franzosen werden an den DRK-Kliniken behandelt.

Seit Beginn der Pandemie steht Mulhouse, die elsässische 110 000-Einwohner-Stadt, unter großem Stress, denn die Region Grand Est im Osten des Nachbarlands ist besonders schwer von Corona betroffen. Die Krankenhäuser dort können nicht alle Patienten, die es benötigten, in Intensivbetten unterbringen. Es gibt zu wenige Beatmungsgeräte. Im Elsass werden seit Ende März Patienten über 80 Jahre nicht mehr beatmet. Erste französische Patienten waren zuerst in Krankenhäusern im Saarland und in Baden-Württemberg aufgenommen worden. Der Dank des französischen Präsidenten folgte auf Twitter: „Europäische Solidarität rettet Leben“, schrieb Emmanuel Macron und: „Vielen Dank an unsere europäischen Nachbarn.“

Um die Krankenhäuser in Ost-Frankreich zu entlasten, hatten auch die Schweiz und Luxemburg Hilfe angeboten. Aus dem Kasseler Rathaus heißt es jetzt: Das Klinikum Kassel verfügt über die nötige Infrastruktur und die technische Ausstattung, um Covid-19-Patienten bestmöglich zu behandeln, zudem haben die Teams Erfahrungen in der Therapie von Covid-19-Patienten mit leichtem bis schwerem akuten Lungenversagen.

Die Hilfe für Kassels französische Partnerregion sei nicht zum Nachteil für die heimische Bevölkerung. „Derzeit stehen im Klinikum und in den Krankenhäusern in der Region ausreichend Kapazitäten zur Verfügung, um humanitäre Hilfe für die europäischen Partner anzubieten und gleichzeitig die Versorgung in Nordhessen sicherzustellen.“

Aus Gründen des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht könnten keine Informationen über die Patienten weitergegeben werden, sagte Stadtsprecher Michael Schwab auf Anfrage der HNA.

Die Patienten aus Frankreich sind auf dem Luftweg über Kassel Airport in die Region gebracht worden. Von dort wurden sie von Rettungsdiensten in die Kasseler Kliniken transportiert. „Aufnahmen von Covid-19-Patienten geschehen in Rücksprache mit dem Planungsstab des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, dem das Klinikum Kassel als koordinierendes Krankenhaus für die Versorgungsregion Hessen-Nord angehört.“ Wie Schwab erklärte, halte das Büro für Internationales, Europa und Städtepartnerschaften bei der Stadt Kassel Kontakt zur Partnerstadt Mulhouse.

Dort herrscht derweil Bestürzung und Trauer: Wie die Bürgermeisterin von Mulhouse, Michèle Lutz, mitteilte, ist am Montag ihr Kollege, der Bürgermeister der Nachbarstadt Saint-Louis, Jean-Marie Zoellé, in Folge einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Zuvor war der 75-Jährige zur Behandlung in ein Krankenhaus in Bonn gebracht worden.

Zoellé war bei der ersten Runde der Kommunalwahlen in Frankreich am 15. März erneut zum Bürgermeister der Stadt mit 21 000 Einwohnern an der Grenze zu Baden-Württemberg gewählt worden.

Damals hatte Zoellé kritisiert, dass die Wahlen trotz des Gesundheitsrisikos durch das Coronavirus stattfanden.

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