Kein Kontakt wegen Corona

Die Gesellschaft wird zugeschaltet: Kasseler Paar führt Spieleabende per Videokonferenz weiter

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Per Smartphone: Das Spielfeld wird mithilfe eines Stativs von oben aufgenommen, damit auch die Mitspieler am anderen Ende der Leitung alles verfolgen können.

Trotz Corona-Krise gemeinsame Spieleabende veranstalten? Das geht - zeigt ein Paar aus Kassel. Die Mitspieler werden per Videokonferenz zugeschaltet.

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Kassel aus.
  • Es gilt ein Kontaktverbot.
  • Ein Paar aus Kassel will trotzdem nicht auf die Spieleabende verzichten und verlegt diese ins Internet. 

Im größten Raum der Vier-Zimmer-Wohnung von Angi und Ulli Albrecht stapeln sich deckenhoch Gesellschaftsspiele. Herzstück des Raumes ist ein Spieltisch, in den man ein aufgebautes Brettspiel einlassen kann – „um zwischendurch mittagzuessen“, sagt Angi Albrecht mit einem Augenzwinkern. An diesem Tisch finden normalerweise auch die Treffen mit ihren Freunden statt, um gemeinsam dem Hobby nachzugehen. Doch nicht mitCorona.

Gesellschaftsspiele ohne Gesellschaft? Keine Option für die Steuerfachangestellte und den Personalreferenten und Yogalehrer, deren größte Leidenschaft neben dem dreieinhalbjährigen Sohn Luk das Spielen ist. Deshalb schalten sie sich ihre Mitspieler nun per Videochat zu und trotzen so dem Ausnahmezustand.

Corona in Kassel: Spieleabende trotz Kontaktverbot - Aufbau ist kleine Herausforderung

Die Mitspieler am anderen Ende der Leitung sehen sie über den Laptop, das Spielfeld, sofern es bei dem Spiel eines gibt, übertragen sie per Smartphone. „Die anderen sehen auf ihrem Monitor uns und das Spielfeld nebeneinander“, erzählt die 38-Jährige und merkt an, dass der Aufbau für diese Form des Spieleabends schon eine kleine Herausforderung ist.

„Ich stehe dann auf dem Stuhl und schaue, ob die Perspektive passt. Ob alle Mitspieler sehen, was sie sehen müssen.“ Auch die Bewegungsfreiheit sei eingeschränkt, müsse man sich doch an die kurze Kante des Tisches setzen, damit die Kamera des Laptops beide Gesichter einfängt.

Spieleabende trotz Corona: Paar aus Kassel spielt über Videokonferenz

Ihr Pilotprojekt war das Spiel „Arkham Horror: Letzte Stunde“, ein kooperatives Strategiespiel, in dem die Spieler im Cthulhu Universum von Horrorschriftsteller H. P. Lovecraft ein Ritual der Kultisten beenden müssen, bevor einer der großen Alten in die Welt gelangt. Dem ersten Versuch folgten weitere, an Ostern sogar als Videokonferenz per Skype, die noch eine größere Gruppe an Mitspielern ermögliche. Man stecke nun in der Recherche, welche Spiele sich noch für diese Form des Gesellschaftsspiels eignen. 

In Gesellschaft spielen funktioniert auch in Zeiten des Kontaktverbots: Ulli und Angi Albrecht mit ihren Mitspielern Michaela und Ralf Rücker, die sich von Frankfurt am Main zugeschaltet haben.

Zwar gebe es viele Spiele, die auch zu zweit spielbar sind. „Je mehr Spieler es gibt, desto herausfordernder kann aber ein Spiel sein.“ Und zugunsten der Geselligkeit müsse man eben darüber hinwegsehen, dass bei dieser Form des Zusammenspiels Schummeln leichter ist, merkt Angi Albrecht an. „Man hat schon auch mal den Gedanken: Jetzt kann ich gar nicht sehen, was der andere gewürfelt hat“.

Corona in Kassel: Online-Plattformen für Spiele derzeit stark überlastet

Eine Alternative zum Spielen per Videochat bieten Onlineplattformen wie Yucata oder Board Game Arena, auf denen Spiele digital zur Verfügung gestellt werden. „Doch da sind die Server derzeit extrem überlastet, weil viele sie nutzen.“ Angi Albrecht und ihr Mann greifen aber auch gern auf ihre eigene Sammlung zurück.

Um die 150 Euro geben sie im Monat für Spiele aus, besuchen Spielemessen, unterstützen per Crowdfunding die Entwicklung neuer Spiele, engagieren sich im Verein „Kassel spielt“ und nutzen die Coronazeit noch einmal mehr dazu, mit dem kleinen Sohn in die Welt der Spiele einzutauchen.

„Spielen ist auch eine schöne Flucht aus der aktuellen Situation“, fügt Angi Albrecht hinzu. Und wenn irgendwann diese Flucht nicht mehr nötig ist, will das Paar aus dem Vorderen Westen die Spieleabende per Videochat beibehalten, um mit Freunden aus anderen Städten zu spielen. „Vielleicht haben wir bis dahin dann ja auch ein etwas schnelleres W-Lan.“

Spieletipps von Angi und Ulli Albrecht

  • Arkham Horror: Letzte Stunde (Autor: Carlo A. Rossi, Verlag: Fantasy Flight Games/Asmodee): Für Spieler ab 14 Jahren, Dauer ca. 45-60 min – Jeder schlüpft in die Rolle eines Ermittlers, die gemeinsam eine Stunde Zeit haben, alle Hinweise zu finden, die sie brauchen, um das Ritual zu vereiteln. Gleichzeitig müssen sie den Ritualplatz vor den zunehmenden Monsterhorden verteidigen. 
  • Quacksalber von Quedlinburg (Autor: Wolfgang Warsch, Verlag: Schmidt Spiele): Für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, Dauer etwa 45 Minuten – Bei dem „Kennerspiel des Jahres 2018“ brauen die Spieler als Quacksalber aus den ihnen verfügbaren Zutaten, die sie in ihrem Zutatenbeutel gesammelt haben, Tränke zusammen, um Siegpunkte zu erlangen und um neue Zutaten für die nächsten Tränke einkaufen zu können. Man benötigt auch eine Prise Glück bei diesem Spiel, denn zieht man zu viele Knallerbsen, ist die ganze Mischung verdorben. Gut spielbar per Skype, wenn alle Mitspieler das Spiel besitzen. 
  • 7 Wonders Duel (Autoren: Antoine Bauza, Bruno Cathala, Verlag: Repos / Asmodee): Für 2 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer: ca. 30 Min. – Zwei Spieler stehen sich bei diesem Kartenspiel direkt gegenüber und entwickeln über drei Zeitalter hinweg ihre Zivilisation. Sie errichten Gebäude, verstärken ihre Armeen und machen wissenschaftliche Entdeckungen. Eine gemeinsame Kartenauslage und direkte Konfrontation entscheiden über Sieg und Niederlage. 
  • Da ist der Wurm drin (Autor: Carmen Kleinert, Zoch Verlag): Für 2 bis 4 Spieler ab 4 Jahren, Spieldauer: ca. 15 Min. – Bei diesem Würfelspiel würfelt man sich mit unterschiedlich langen Farbplättchen seinen Wurm zusammen, der auf dem Spielfeld durch einen Tunnel kriecht. Wer als erstes aus dem Tunnel gekrochen kommt, hat gewonnen.

Von Anna Lischper

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