Corona in Kassel

Verwirrung bei Kasseler Einzelhändlern: Abhol-Service an der Ladentür nicht mehr erlaubt

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Auch sie darf keine Abholung mehr anbieten: Birgit Höfker vom Geschäft „Herzensgut“.

Geschäfte, die wegen der Corona-Verordnungen geschlossen bleiben müssen, dürfen keinen Abhol-Service mehr an der Ladentür anbieten. Die meisten Betreiber in Kassel wissen das noch nicht. 

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Kassel aus.
  • Viele Geschäfte mussten schließen.
  • Nun dürfen sie auch keinen Abhol-Service für bestellte Ware an der Ladentür mehr anbieten - Ausnahme: Abholung von Speisen in Gaststätten.

Der erzwungene Ladenschluss wegen Corona hat viele Geschäftsbetreiber erfinderisch gemacht: Viele bieten nicht nur Lieferungen nach Hause an, sondern ermöglichen es ihren Kunden auch zu festen Zeiten, an der Ladentür bestellte Ware abzuholen. Doch was viele nicht wissen: Seit ein paar Tagen ist das nicht mehr erlaubt und kann mit bis zu 5000 Euro Bußgeld geahndet werden.

Nur noch Gaststätten und andere Essensanbieter dürfen ihren Kunden die Abholung von Speisen anbieten. Tun Einzelhändler dies, werden sie neuerdings vom Ordnungsamt in Kassel ermahnt. Im Vorderen Westen hat unter anderem Birgit Höfker vom Geschäft „Herzensgut“ für Mode, Schmuck und Wohnaccessoires ein solches Schreiben bekommen. Nicht nur sie wundert sich; auch andere Ladenbetreiber sind bisher guten Glaubens davon ausgegangen, mit ihren Corona-Maßnahmen alles richtig zu machen.

Corona in Kassel: Trotz strenger Hygienemaßnahmen - Abhol-Service an Ladentür ist verboten

Zwei, drei Kunden pro Woche etwas an der Tür herauszugeben, ist der „Herzensgut“-Inhaberin nun verboten. Das habe sie streng hygienisch mit Mundschutz, Handschuhen und desinfizierter Übergabe-Box erledigt, sagt Birgit Höfker. „Ich darf aber weiterhin zu Kunden nach Hause fahren und dort an der Tür läuft es dann ganz genauso ab“, wundert sie sich. Per Post liefern dürfe sie natürlich auch. Aber sich derzeit in der Postfiliale anzustellen, finde sie deutlich gefährlicher als die kurze Ladentür-Übergabe an einzelne Kunden.

Auch bei der Buchhandlung Hühn versteht man die Welt nicht mehr. Ein Ordnungsamts-Mitarbeiter hatte es in flagranti beanstandet, als Inhaber Sami El-Schechli Bücher an eine Kundin herausgab – „dabei hatte ich sozusagen einen Persilschein“, sagt der Buchhändler.

Corona in Kassel: Abhol-Service an Ladentür nicht mehr erlaubt - Verordnung gilt erst seit Kurzem

Erst am 27. März hatte sich El-Schechli nämlich aktiv beim Ordnungsamt erkundigt, ob ein stundenweiser Abhol-Service, wie ihn auch andere Händler anbieten, zulässig sei. Die prompte und knappe Auskunft aus dem Rathaus: Ja, das sei erlaubt, wenn man die Hygienevorschriften beachte. Darauf habe er sich verlassen, sagt El-Schechli: „Woher soll man denn wissen, dass das nun auf einmal nicht mehr gilt?“

Die Stadt Kassel sagt dazu auf HNA-Anfrage, dass das Ordnungsamt auf der Grundlage der Corona-Verordnungen des Landes Hessen handele – und nach den „hierzu ergangenen gemeinsamen Auslegungshinweisen“ des Wirtschafts- und des Sozialministeriums“.

Corona in Kassel: Gaststätten nicht vom Abhol-Service-Verbot betroffen

Diese Hinweise, die man als Handlungsleitfaden für kommunale Ordnungsbehörden verstehen kann, wurden nach Auskunft des Hessischen Städtetags tatsächlich am 3. April aktualisiert. Bis dahin war unter der Kategorie „Erlaubt“ ganz allgemein die Formulierung „Abhol- und Lieferdienste“ aufgeführt. Die Buchhandlung Hühn hatte also zum Zeitpunkt ihrer Anfrage eine korrekte Auskunft von der Stadt Kassel erhalten.

In der neuen Fassung der Auslegungshinweise steht das so allgemein nicht mehr drin. Stattdessen findet sich unter „Nicht erlaubt“ nun der neue Punkt: „Abholung von Waren durch den Kunden beim stationären Handel (Ausnahme Abholung von Speisen in Gaststätten)“.

Heißt im Klartext. Seit vergangenem Freitag dürfen Ladengeschäfte keine Abholmöglichkeit mehr anbieten. Auf Einzelhändler, die das noch praktizieren, gehe das Ordnungsamt zu und informiere, sagte Rathaussprecher Michael Schwab. Bußgeldverfahren seien bisher nicht nötig gewesen: Die bisher Angesprochenen hätten sich „einsichtig gezeigt und die Abholung von Waren eingestellt.

Von Axel Schwarz

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