Corona in Stadt und Landkreis Kassel

Viele Eltern in Kassel müssen trotz Corona-Schließung Beiträge für Kitas zahlen

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Leere Kitas: Viele Kindertagesstätten sind geschlossen oder bieten nur Notbetreuung (Symbolbild).

Wegen der Corona-Pandemie bleiben in Kassel die Kitas oft leer. Viele Eltern müssen trotz Schließung Beiträge zahlen.

Obwohl die Kindertagesstätten nur im Notbetrieb laufen, gibt es für viele Eltern kein Geld zurück. Die Stadt Kassel will zwar die gezahlten Beiträge nach Wiedereröffnung der Kitas auf Antrag erstatten, allerdings nur für Kinder in städtischen Einrichtungen und bei Tageseltern. Dabei besuchen 60 Prozent aller Kasseler Kinder freie und konfessionelle Kitas und Krippen. Diese sind meist finanziell nicht in der Lage, auf das Geld zu verzichten.

Die Hoffnung der freien Kitas war es, dass die Stadt auch für ihre Elternbeiträge einsteht. Jugenddezernentin Ulrike Gote (Grüne) sagt aber: „Die Stadt wird freien Trägern entstehende finanzielle Einbußen aus zurück zu erstattenden oder zurückgeforderten Elternbeiträgen nicht ausgleichen. Dies trifft auch auf die konfessionellen Kitas zu.“ Allerdings werde Kita-Betreibern anderweitig geholfen. So würden Betriebskostenzuschüsse auch dann ungemindert gezahlt, wenn Kitas Kurzarbeit anmelden.

Eltern, die aus coronabedingten finanziellen Schwierigkeiten ihre Beiträge (je nach Altersgruppe 40 bis 250 Euro) nicht zahlen können, sollen sich an die Wirtschaftliche Jugendhilfe der Stadt wenden, heißt es aus dem Rathaus. Auf die Frage, warum es zur Ungleichbehandlung zwischen städtischen und freien Kitas kommt, verwies Gote auf die unterschiedlichen Vertragsgrundlagen. Ob es eine Rückerstattungsverpflichtung bei den freien Kitas gibt, regele jede Einrichtung individuell.

„Wir bedauern, dass die Stadt nicht für alle Elternbeiträge einspringt. Aber wir appellieren an alle Eltern, sich solidarisch zu zeigen und die Beiträge weiter zu zahlen“, sagt Antje Proetel vom Dachverband der freien Kindertagesstätten (Dakits). Bei den konfessionellen Kitas ist das Bild ähnlich: „Unsere Kitas werden von den Gemeinden getragen. Die sind oft nicht in der Lage, das Geld zu erstatten. Dabei würden wir uns eine Gleichbehandlung wünschen“, so Stefan Ahr von der Katholischen Kirche Kassel.

Im Kreis Kassel ist die Situation anders. Die Bürgermeister-Kreisversammlung hat alle Kommunen aufgefordert, ihre Beiträge vorerst nicht einzuziehen – freie Träger eingeschlossen. Awo und ASB etwa halten sich daran. Sorgen, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben, macht man sich aber nicht: „Wir haben eine Vollkostendeckung mit der Gemeinde Lohfelden vereinbart“, so Michael Görner, Geschäftsführer vom ASB Kassel-Nordhessen.

Stefan Ahr hätte sich für alle Kitas eine landesweit einheitliche Regelung gewünscht. Der Personalreferent der Katholischen Kirche hält nichts davon, dass mit der Erstattung der Elternbeiträge während der Corona-Schließung unterschiedlich umgegangen wird. „Wir freien Träger tun einen Dienst für die Kommune. Wir drängen auf Gleichbehandlung“, sagt Ahr. Wenn die Stadt Kassel die Beiträge für die städtischen Kitas auf Antrag erstatte, müsse es für die freien Kitas eine ähnliche Regelung geben. 

In Kassel werden 60 Prozent aller Kitas und Krippen von freien und konfessionellen Trägern geführt. „Bei uns sind die einzelnen Kirchengemeinden Betreiber der Kitas. Würden sie die Beiträge ohne Ausgleich durch Kommune oder Land erstatten, hätten sie ein großes Defizit“, sagt Ahr. Einige Gemeinden hätten dennoch beschlossen, vorerst kein Geld einzuziehen. 

Der evangelische Stadtkirchenkreis, unter dessen Dach alle evangelischen Kindertagesstätten sind, will sich am Verfahren der Stadt orientieren. „Wir werden die Beiträge auf Antrag erstatten“, sagt Sprecherin Heike Schaaf. Notfalls werde der Stadtkirchenkreis die Kosten tragen. 

„In vielen Bundesländern ist die Erstattung für alle Kita-Träger einheitlich geregelt“, sagt Antje Proetel, Geschäftsführerin des Dachverbandes der freien Kindertagesstätten in Kassel (Dakits). Insofern sei es bedauerlich, dass dies in Kassel nur für die städtischen Kitas gelte. Sie bittet aber alle Eltern, ihre Beiträge weiter zu bezahlen. Zum Teil seien diese sogar durch die jeweiligen Verträge dazu verpflichtet. Andernfalls entstehe bei den Kita-Trägern eine große finanzielle Lücke. Es sei wichtig, dass alle Einrichtungen die Zeit gut überstehen, um nach der Wiederöffnung bereitstehen zu können. Zudem seien die Kitas auch in dieser Phase nicht völlig untätig: Viele böten Notbetreuung an. 

Während für die Über-Dreijährigen das Land Hessen einen großen Anteil der Betreuungskosten übernimmt – und die Eltern meist nicht mehr als 50 Euro monatlich zuzahlen – sind es bei den Krippen (Unter-Dreijähirge) in der Regel 200 bis 250 Euro. 

Wer diese Kosten aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit infolge der Corona-Krise nicht zahlen kann, soll sich nach Auskunft der Stadt Kassel an die Wirtschaftliche Jugendhilfe beim Amt für Kindertagesbetreuung wenden. Auch die Stadt Kassel ruft Eltern auf, ihre Beiträge für freie Kitas weiter zu zahlen. „Denn auch den Eltern ist es sicherlich wichtig, zu wissen, dass sie, wenn alles überstanden ist und wieder seinen gewohnten Gang geht, auf die verlässliche Einrichtung mit dem bekannten pädagogischen Personal zurückgreifen können“, heißt es aus dem Rathaus. 

Damit die freien Kita-Träger nicht in finanzielle Schieflage geraten, leitet die Stadt alle bisherigen Zuschüsse weiter – unabhängig davon, ob eine Notbetreuung stattfindet oder Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen wird. „Ich schließe mich den Aussagen des Bundes und des Landes an, dass aufgrund der Pandemie keine Betriebe und Einrichtungen insbesondere der öffentlichen Daseinsvorsorge verloren gehen dürfen und stehe an der Seite der freien Kita-Träger, dieses Ziel für Kassel zu erreichen“, sagt Kinder- und Jugenddezernentin Ulrike Gote (Grüne).

Anträge für Unterstützung bei Elternbeiträgen: Amt Kindertagesbetreuung Kassel, Wirtschaftliche Jugendhilfe, Scheidemannplatz 1, 34117 Kassel

Anträge auf Erstattung: Wer seine Kinder in städtischen Kitas untergebracht hat, kann nach Ende der Corona-Schließung eine Erstattung beantragen. Die Stadt will zu gegebener Zeit über das Verfahren informieren.

Die neuesten Entwicklungen zu Corona in Stadt und Landkreis Kassel gibt es im News-Ticker.

Seit zwei Monaten sind die Kitas in Kassel geschlossen. Die Stadt Kassel will dieBeiträge für die Schließzeiten zurückerstatten. Dies gilt aber nur für städtische Einrichtungen. 

In einer Kita in Allendorf gibt es zwei Corona-Fälle - zwei Kinder wurden positiv getestet. Die Einrichtung ist geschlossen.

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