Corona in Kassel

Online-Angebote zu Ostern: So wirkt sich die Corona-Krise auf Kirchenmusik aus

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Musik trotz Krise: Die Evangelische Kirchengemeinde Jungfernkopf bietet auch an Ostern einen Online-Gottesdienst an (kirche.jungfernkopf.de), den Friederike Höppner am Klavier musikalisch begleitet.

Wegen Corona ist Ostern in Kassel erheblich eingeschränkt. Gottesdienste und Kirchenmusik gibt es trotzdem - im Internet. Wir sprachen mit der Kirchenmusikerin Friederike Höppner.

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Kassel aus.
  • Das Osterfest ist stark eingeschränkt, öffentliche Gottesdienste sind verboten.
  • Wir sprachen mit Kirchenmusikerin Friederike Höppner über Kirchenmusik in der Corona-Krise.

Kassel – Selbst Corona lässt die Kirchenmusik nicht verstummen – sie wandert mit ins Internet. Über Kreativität in der Krise sprachen wir mit Kirchenmusikerin Friederike Höppner.

Frau Höppner, unsere Zeitung hat Sie mal mit dem Satz zitiert „Das Schöne am Chorgesang ist die Gemeinschaft.“ Die fehlt nun.

Das stimmt. Von einem auf den anderen Tag sind mit dem Kontaktverbot alle meine beruflichen Projekte weggefallen. Danach hat sich aber eine Menge Kreativität entwickelt, die ich schön und spannend finde.

Können Sie Beispiele nennen?

Meinen Kinderchören habe ich immer dienstags – dann, wenn wir eigentlich geprobt hätten – Lieder per Video geschickt. Und wir haben eine Aktion für das Altenheim am Jungfernkopf gestartet: Die Kinder haben den Bewohnern Bilder gemalt und anrührende Briefe geschrieben. Unser Ziel war, Licht in die Einsamkeit zu bringen. Denn die alten Menschen haben nun auch untereinander nur noch wenig Kontakt. Das geht mir nah. Ich überlege, ob es eine Möglichkeit gibt, vor dem Heim zu musizieren.

Wie bleiben Sie noch in Kontakt mit Ihren Chormitgliedern?

Ich wage gerade ein Experiment ohne Noten: Ich habe alle Stimmen von „I will follow him“ eingesungen und diese Hörversionen an die Mitglieder meines „großen“ Chors verschickt samt Link zum Video des Films „Sister Act“. Ich bin sehr gespannt, ob wir – wenn wir wieder gemeinsam proben können – es auch richtig singen können.

In der Zwischenzeit gestalten Sie Online-Gottesdienste mit. Ist das nicht ungewohnt angesichts fehlender Kulisse?

Ja, es ist schon komisch, in einer leeren Kirche zu spielen. Ich sehne mich nach Gemeinschaft – und nach Mehrstimmigkeit gerade auch an Ostern. Jetzt bringen wir die Gemeindemitglieder eben virtuell zusammen. Die Osterbotschaft soll neue Kraft in herausfordernden Zeiten schenken.

Welches Osterlied spielen und singen Sie denn am liebsten?

„Er ist erstanden, Hallelujah“ (Evangelisches Gesangbuch 116), aber auch ganz moderne Stücke wie „Ich sehe das Kreuz“ oder „In Christus ist mein ganzer Halt“. Vor einigen Jahren habe ich selbst einen Osterruf komponiert, den wir seither immer im Ostergottesdienst gesungen haben.

Können Sie eine Kostprobe geben?

(singt): „Auferstanden, auferstanden, das Grab ist leer, Halleluja. Auferstanden, auferstanden, Jesus lebt, Halleluja.“

Leer ist nun auch die Kirche, in der Sie sonst musizieren. Welche Rückmeldung bekommen Sie denn aus der Gemeinde?

Vielen fehlt die Gemeinschaft, aber ich erlebe auch eine gute Mischung aus Innovation und Zusammenhalt. Telefonketten sind entstanden, Kinder schreiben sich plötzlich wieder Briefe. Und viele Menschen haben unseren ersten Online-Gottesdienst angesehen: 200 Mal wurde er aufgerufen.

Deutlich mehr, als sonst in die Kirche kommen.

Ja, aber erstaunlicherweise erreichen wir online auch die Älteren: Kürzlich habe ich vier alte Frauen auf der Straße getroffen und ihnen zugerufen, ob sie denn eine Mailadresse hätten.

Und?

Sie haben eine eigene oder sind über die ihrer Kinder erreichbar. Dabei war eine der Frauen schon über 90 Jahre alt. Sie nun in der Krise trotzdem zu erreichen, das ist doch ein großes Geschenk.

Von Anja Berens

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