Mehl, Zucker und Konserven besonders gefragt

Coronavirus in Kassel: Leere Regale und Hamsterkäufe in der ganzen Stadt

Coronavirus: Hamsterkäufe in Kassel (Hessen) - Desinfektionsmittel ausverkauft
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Kassel: Ein bisschen ratlos vor leeren Regalen: Die stellvertretende Marktleiterin des Rewe-Marktes Kelm in Kassel, Cornelia Gabold, steht kopfschüttelnd vor dem nahezu leeren Nudelregal.

Hamsterkäufe in Kassel wegen Coronavirus: Die Sorge vor einer Quarantäne wegen des Coronavirus hat bei vielen für Aktionismus gesorgt. 

  • Hamsterkäufe wegen Angst vor Coronavirus
  • Regale in Lebensmittelgeschäften in Kassel (Hessen) werden leer gekauft
  • Konserven nachgefragt - Desinfektionsmittel oft ausverkauft

Kassel - Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, Konserven: Wer am Samstag (29.02.2020) in Kassel einkaufen wollte, stand vielfach vor leeren Regalen. In vielen Lebensmittelmärkten hieß es, dass das Einkaufsverhalten zum Ende der Woche zugenommen habe. Insbesondere haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel seien stark nachgefragt worden. Das führte dazu, dass diese Waren in einigen Märkten ausverkauft waren oder nicht schnell genug nachgefüllt werden konnten.

Cornelia Gabold steht ein bisschen kopfschüttelnd zwischen zahlreichen Kunden, die vergeblich nach bestimmten Lebensmitteln suchen. „So etwas hab ich noch nie erlebt“, sagt die stellvertretende Marktleiterin im Rewe Markt Kelm an der Leuschnerstraße in Niederzwehren. Seit 30 Jahren arbeitet sie bereits im Lebensmitteleinzelhandel.

„Mittwoch hat es angefangen und ist immer schlimmer geworden.“ Am Samstagmorgen sei ein Ehepaar im Markt gewesen, das für fast 300 Euro Lebensmittel eingekauft habe. Andere hätten ganze Einkaufswagen mit Mineralwasser aus dem Laden gefahren. Mittlerweile käme man mit dem Nachfüllen der Regale nicht mehr hinterher.

Kassel: Hamsterkäufe in Geschäften - Angst vor Coronavirus

Aber nicht nur haltbare Lebensmittel sind ausverkauft. Eine Kundin fragt nach Hefe, weil sie zum Abendessen eine Pizza backen wollte – keine Chance. „Viele unserer Kunden backen selbst, deshalb haben sie sich jetzt mit Hefe bevorratet“, sagt Gabold.

Angst vor Coronavirus - Leere Regale in Kassel: Die günstigen Nudeln sind im Edeka Hofmann in Dörnhagen nicht mehr zu haben. Teurere Marken hingegen gibt es noch ausreichend.

In den Einkaufsmärkten in Kassel sind am Samstag vorwiegend zwei Kundengruppen zu finden. Zum einen die, die nahezu hektisch und fast wahllos Lebensmittel in ihren Einkaufswagen legen. Auf der anderen Seite die Kunden, die darüber den Kopf schütteln.

Hamsterkäufe in Kassel: Coronavirus breitet sich in Hessen aus - Verändertes Einkaufsverhalten

Ein Mann sagt, er habe eigentlich nur seinen Wocheneinkauf erledigen wollen und schon auf dem Parkplatz gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Es sei ein regelrechter Kampf in den Läden in Kassel und schlimmer als an Heiligabend und Silvester.

Andreas Sebera, Inhaber des gleichnamigen Edeka-Marktes an der Wolfhager Straße in Rothenditmold, bestätigt, dass das Einkaufsverhalten im Laufe der Woche stark zugenommen hat. Er habe aber ausreichend Ware da. Auch bei der Lieferung komme es bislang nicht zu Engpässen.

Coronavirus Kassel: Hamsterkäufe bei Konserven und Hygieneartikeln - Desinfektionsmittel ausverkauft

Auch im Edeka-Markt Hofmann in Dörnhagen (Landkreis Kassel) werden die Vorräte an Nudeln, Reis, Zucker und Mehl knapp. „Außerdem werden Konserven, Essig, Öl und Hygieneartikel wie Toilettenpapier verstärkt gekauft“, sagt Marika Hofmann. Das Einkaufsverhalten liege im Moment nicht im gewöhnlichen Rahmen, sagt die Chefin.

Hinzu käme, dass in dieser Woche die Nudeln im Angebot waren und es Geld gegeben hätte. Während die günstigsten Waren zuerst vergriffen waren, können die Kunden bei vielen Produkten wie Nudeln und Mehl auf teurere Produkte zurückgreifen, die trotz der Hamsterkäufe noch vorrätig sind. Desinfektionsmittel und Hygienetücher hingegen sind in allen Preisklassen ausverkauft.

Landkreis Kassel: Angst vor Coronavirus und Abriegelung

Martin Schüller, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord, sagt: „In der vergangenen Woche hat sich alles noch im Rahmen gehalten, den Ansturm gab es gefühlt am Samstag. Die meisten Kunden haben aber vermutlich weniger Angst vor dem Coronavirus, sondern, dass wie in Italien ganze Städte abgeriegelt werden könnten.“ 

Als weiteren Grund führte Schüller aber auch an, dass viele zum Monatsanfang ihren Lohn bekommen würden, und die Kaufkraft dann besonders stark sei. Seine Rückmeldung aus dem Lebensmittelbereich sei bisher, dass die Lieferketten durch das Coronavirus derzeit noch nicht beeinflusst seien, da es kaum Waren aus China in den Sortimenten gebe. Auch die Produkte, die man normalerweise aus Norditalien beziehe, könne man derzeit noch anderweitig ausgleichen. 

Kassel: Hamsterkäufe wegen Coronavirus - Sorge noch unbegründet

Den Betrieben ist vom Verband empfohlen worden, für die Mitarbeiter Desinfektionsmittel bereitzustellen. Ebenso soll an den Kassen zu den Kunden ein größerer Abstand gehalten werden. „Noch sind die Sorgen unbegründet, aber man muss sehen, wie sich das entwickelt“, sagt Schüller. 

Probleme würden sich derzeit eher im Non-Food-Bereich auftun, also bei den Waren, die nicht zum Verzehr geeignet sind, so Schüller. Im Textilbereich werde viel aus China importiert, da habe man schon jetzt Rückmeldungen, dass Waren für die Sommerkollektion wohl nicht rechtzeitig geliefert würden.

Angst wegen Coronavirus in Kassel: Ratgeber für einen 10-Tage-Vorrat

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat einen Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen erstellt. Darin ist genannt, welche Lebensmittel eine Person für einen 10-Tage-Vorrat benötigt:

  • Getränke: 20 Liter (hier ist bereits ein Zuschlag für Zubereitung von Lebensmitteln enthalten)
  • Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis: 3,5 Kilogramm
  • Gemüse und Hülsenfrüchte: 4 Kilogramm
  • Obst, Nüsse: 2,5 Kilogramm
  • Milch, Milchprodukte: 2,6 Kilogramm
  • Fisch, Fleisch, Eier bzw. Volleipulver: 1,5 Kilogramm
  • Fette, Öle: 0,357 Kilogramm.
  • Sonstiges nach Belieben: zum Beispiel Zucker, Marmelade, Salz, Fertiggerichte, Hartkekse oder Salzstangen.

Video: Coronavirus: Leere Regale - Hamsterkäufe nicht nur in Ungarn

Von Tina Hartung und Kathrin Meyer

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*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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