Anfragen zu Kurzarbeit massiv gestiegen

Coronavirus in Kassel: Auswirkungen trifft die heimische Wirtschaft hart

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Zahlreiche Betriebe in der Region haben mit den Folgen der Coronakrise zu kämpfen. Gebäudereiniger etwa sind stark von Messeausfällen betroffen. 

Die Coronavirus-Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft hart. Auch die Betriebe in der Region Kassel leiden unter der Krise.

  • Das Coronavirus erreicht das Wirtschaftsleben in der Region Kassel.
  • Unternehmen rechnen mit Umsatzrückgängen.
  • Hotelgäste stornieren Buchungen.
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Kassel - Bereits Anfang März gaben 45,6 Prozent von mehr als 10 000 befragten Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel bei einer Umfrage an, die Coronakrise wirke sich auf ihre Geschäfte aus. Knapp 40 Prozent rechnen mit einem Umsatzrückgang. Besonders betroffen sind der Kammer zufolge Messebetriebe, die Reisewirtschaft und das Gastgewerbe.

„Die Absagen von Messen und Veranstaltungen, Reiseeinschränkungen, krankheitsbedingte Ausfälle sowie eine geringere Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen wirken sich aus und können gerade für kleine und mittlere Unternehmen und sogar für gesamte Branchen zur existenziellen Gefahr werden“, warnt IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan.

Kassel: IHK spürt Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie

Auch die IHK selbst spürt die Auswirkungen der Coronavirus-Krise. Sie hat sämtliche Prüfungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung abgesagt. Betroffen davon sind alle Prüfungen ab Montag, 16. März. Die Absage gilt vorerst bis zum 24. April. 

Wann die Prüfungen nachgeholt werden können, ist derzeit noch offen. Die Kammer will die neuen Termine bekannt geben, sobald sich die Risikoeinschätzung rund um das Coronavirus verbessert hat. Ebenfalls ausfallen wird der Nordhessische Außenwirtschaftstag am Mittwoch, 18. März.

Coronavirus-Krise: Auch die Handwerkskammer in Kassel ist betroffen

Auch das regionale Handwerk bekommt die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zu spüren. „Besonders betroffen ist der handwerkliche Messebau aufgrund der zahlreichen Absagen von Veranstaltungen“, sagt Dr. Matthias Joseph, Pressesprecher der Handwerkskammer Kassel. Aber auch Textilreiniger als Dienstleister für Hotels und Gastronomie müssten mit Einbußen rechnen, weil deren Geschäfte leiden.

„Fleischern und Bäckern, die Catering anbieten oder Gastronomie und Kantinen beliefern, gehen auch viele Aufträge verloren“, so Joseph. Deutliche Einbußen befürchtet er ebenso für Gebäudereiniger wegen der Schließung vieler Einrichtungen und der Absage von Veranstaltungen. 

Ebenfalls betroffen seien Zulieferer im Metallhandwerk, weil die Krise viele Lieferketten durcheinanderbringe. „Eine gewisse Zurückhaltung spüren auch die Augenoptiker“, so Joseph. Die Kammer selbst hat sich zur Absage ihrer für Freitag, 20. März, geplanten Bestenehrung entschieden.

Wegen Coronavirus: Viele Hotelgäste stornieren ihre Buchungen

„Sehr stark betroffen sind die Dienstleister im Veranstaltungs-, Hotel- und Gastronomiebereich“, sagt Kai Lorenz Wittrock, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Kassel. Die Hotels in der Region etwa hätten wegen des Coronavirus mit einer Vielzahl an Stornierungen zu kämpfen.

Wittrock empfiehlt besonders kleinen und mittleren Unternehmen, frühzeitig das Gespräch mit ihrer Hausbank zu suchen, um für den Fall möglicher finanzieller Engpässe vorzusorgen. Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen habe gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung kürzlich ein Paket an Fördermöglichkeiten wie Bürgschaften und Zuschüssen erarbeitet, das jetzt auf den Weg gebracht werde.

„Auch sollten sich die Betriebe Gedanken über Lösungen für die Mitarbeiter machen, die wegen der Schließung der Schulen ein Betreuungsproblem haben“, rät der Wirtschaftsförderer.

Coronavirus: Anfragen für Beratungsgespräche in Kassel sind stark gestiegen

Explosionsartig gestiegen sind laut dem Leiter der Agentur für Arbeit in Kassel, Detlef Hesse, die Anfragen für Beratungsgespräche zum Thema Kurzarbeit. „Und das wird sich noch deutlich verschärfen“, prognostiziert er. Konkrete Zahlen zu den Anfragen und möglichen Anträgen kann er nicht nennen, da sie bislang nicht gesondert statistisch aufgeführt worden sind.

Unabhängig vom Thema Kurzarbeit werde derzeit beraten, wie mit persönlichen Kundenterminen und Veranstaltungen verfahren werden soll. „Wir werden überlegen, in welchem Umfang Gruppenveranstaltungen noch durchgeführt werden müssen und welche Kundentermine sich auch telefonisch regeln lassen“, so Hesse.

Bis zum 19. April geschlossen werden die hessischen Berufsinformationszentren wegen des Coronavirus, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte.

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Betroffen von derCoronavirus-Krise ist auch die Polizei, deren Arbeit vor besondere Herausforderungen gestellt wird. So arbeiten Kripo-Beamte aktuell auch von zu Hause aus.

Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie sind auch im Netz zu spüren. Dort verbreiten sich viele Fakenews.

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Von Nicole Schippers

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