Uni, Kirchen, Rathaus, Theater, ÖPNV, Demos

Coronavirus: Diese Einschränkungen und Absagen gibt es in Kassel

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Besteck wird in Papier verpackt: In der Mensa wurden besondere Maßnahmen ergriffen. Auf unserem Bild sind die Mensa-Mitarbeiterinnen Ilona Weiffenbach, Susanne Groß und Gülsah Yener (von links) zu sehen.

Das Coronavirus sorgt in Kassel für viele Absagen und kurzfristige Veränderungen. Ein Überblick über die Einschränkungen.

  • Auswirkungen des Coronavirus auf die Stadt Kassel
  • Öffentliches Leben weitgehend eingeschränkt
  • Uni, Kirchen, Rathaus, Theater, ÖPNV und Demos betroffen
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Kassel - Bereits am Donnerstag hat die Stadt kassel alle Veranstaltungen abgesagt und einige Einrichtungen wie das Staatstheater geschlossen, am Samstag wurde das öffentliche Leben dann noch weiter eingeschränkt - ab Sonntag (15.03.2020) bleiben zahlreiche Einrichtungen vom Jugendcenter bis zur Sporthalle vorerst geschlossen und Veranstaltungen mit mehr als 150 Teilnehmern sind verboten. Ausgenommen von dieser Regel sind lediglich der Einzelhandel, Betriebsstätten sowei Restaurants und Gastronomiebetriebe.

Coronavirus: Was bedeutet die Situation für die Uni Kassel?

Die Semesterferien gehen wegen des Coronaviruses in die Verlängerung: Die Landesregierung hat gestern beschlossen, dass der Vorlesungsbeginn auf den 20. April verschoben wird. Der sonstige Forschungs- und Wissenschaftsbetrieb könne aber vorerst weitergehen; Prüfungen sollen abgelegt werden können. 

Wie die Uni Kassel mitteilt, werden aber alle Veranstaltungen (Tagungen, Konferenzen) bis zum Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters (17. Juli) abgesagt. Der Allgemeine Hochschulsport wurde eingestellt, das Fitnesszentrum UNIfit hat geschlossen. Uni-Mitarbeiter haben erweiterte Möglichkeiten der Heimarbeit. Die Benutzung der Lernorte in den Bibliotheken und im LEO sind ab sofort nur für Einzelarbeit möglich.

Coronavirus in Kassel: Welche Auswirkungen gibt es für die Mensen in der Uni?

In den Mensen der Uni Kassel gehen normalerweise bis zu 4000 Menschen täglich essen. In Zeiten des Coronaviruses wurden dort besondere Maßnahmen ergriffen: Die Abstände der Sitzplätze in den Mensen und Cafés wurden auf 1,50 Meter erweitert. Teilweise wurde dies von Studenten nicht akzeptiert. 

Die Mensa-Mitarbeiter geben Besteck nur noch in Papierhüllen aus. Selbstbedienungstheken (Salat) wurden geschlossen. Brötchen werden nur noch verpackt ausgegeben. Zudem gibt es ausreichend Handdesinfektionsspender.

Coronavirus in Kassel: Gibt es Auswirkungen bei Behörden?

Ja, zumindest bei der Staatsanwaltschaft Kassel. Aufgrund der dringenden Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, einer Ausbreitung des Coronavirus durch Reduzierung sozialer Kontakte entgegenzuwirken, wird die Staatsanwaltschaft Kassel bis auf Weiteres auch während der Sprechzeiten für den Publikumsverkehr geschlossen. 

Soweit ein Kontakt mit der Staatsanwaltschaft gewünscht ist, werden die Bürger gebeten, ihre Anliegen (zum Beispiel Strafanzeigen, Vorsprachen, Ratenzahlungsanträge) ausschließlich schriftlich beziehungsweise in dringenden Fällen telefonisch vorzubringen.

Coronavirus in Kassel: Was gibt es für Einschränkungen im Rathaus?

Um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, ändern sich ab sofort auch die Öffnungs- und Sprechzeiten der Kasseler Stadtverwaltung.

Ansonsten werden Bürger darum gebeten, alle Angelegenheiten, die nicht dringend sind, auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Empfohlen wird, verstärkt den Online-Service unter kassel.de zu nutzen sowie telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufzunehmen. Das Rathaus sollte nur noch in dringenden Fällen aufgesucht werden, betonte am Freitag Oberbürgermeister Christian Geselle.

Eingeschränkt wird auch der Service im Bürgerbüro des Rathauses. Dort werden ab sofort Termine nur noch nach vorheriger Vereinbarung angeboten. Die offenen Sprechzeiten entfallen. Das gilt für alle Bereiche, vor allem aber auch für das Sozialamt in der Wiener Straße und für die Kfz-Zulassungsstelle im Ölmühlenweg, teilte die Stadt mit. Ab Montag, 16.03.2020, erhalten die Bürger wieder unter der Servicerufnummer 115 wie gewohnt Informationen.

Coronavirus in Kassel: Wie reagiert VW auf den ersten Fall im Werk Kassel?

Im VW-Werk in Baunatal gibt es seit Freitag einen Coronavirus-Fall. Das bestätigt VW-Personalsprecher Markus Schlesag. Der Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich sei in häusliche Quarantäne geschickt worden, so der Sprecher in Wolfsburg. 

Das betreffe auch fünf Kollegen des Mitarbeiters. Das Gesundheitsamt Kassel sei eingeschaltet. Dem Vernehmen nach hat sich der Mitarbeiter wohl während einer Urlaubsreise infiziert.

Coronavirus in Kassel: Wie sieht es bei Gottesdiensten, Konfirmationen, Taufen, Trauungen und Beerdigungen aus?

Die evangelische Landeskirche von Kurhessen- Waldeck (EKKW) hat ihren Pfarrerinnen und Pfarrern empfohlen, Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen vorerst bis Ende April abzusagen. Dazu gehören auch Konfirmationen und Jubelkonfirmationen. Sie sollten auf den Sommer oder Herbst verschoben werden. Das gleiche gelte für Taufen und Trauungen, nicht aber für Beerdigungen: „Tote zu bestatten ist ein Werk der Barmherzigkeit“, sagt Bischöfin Dr. Beate Hofmann. Trauerfeiern sollten daher weiter stattfinden. Kirchenräume sollen nach Möglichkeit offenbleiben und auch die Glocken weiter läuten. Sie regt an, Gebetstexte zum Mitnehmen auszulegen. 

Auf der Internetseite der EKKW soll es abrufbare Gottesdienste und digitale Gebetsformate geben. Bischöfin Hofmann will sich in einem Videogottesdienst an die Gläubigen wenden. Er ist ab Sonntag, 15. März, ab 9 Uhr unter ekkw.de zu finden. „Der Aufruf der Bundesregierung, nach Möglichkeit auf Sozialkontakte zu verzichten, ist im Augenblick kein Widerspruch zu gelebter Nächstenliebe, sondern ihr Ausdruck“, sagt Hofmann. Angesichts der Einschränkungen bittet sie ihre Mitarbeiter darum, telefonische oder digitale Kommunikationsketten aufzubauen, damit Menschen, die zu Hause bleiben wollen oder müssen, nicht von allen sozialen Kontakten abgeschnitten sind. 

„Denken Sie dabei besonders an ältere Menschen und Menschen mit besonderen gesundheitlichen Risiken“, lautet der Appell der Bischöfin. Mit diesen Maßnahmen wollen die Landeskirche dazu beitragen, Ansteckungsrisiken zu reduzieren „und zugleich die Botschaft von der Liebe Gottes weiter zu sagen und Sorgenetze zu knüpfen“.

Auch in der Katholischen Kirche in Kassel und Umgebung werden ab sofort keine Gottesdienste und andere liturgische Feiern mehr stattfinden. Das teilte das Bistum Fulda am Samstag mit. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 3. April.

Für das persönliche Gebet sollen die Kirchen gemäß den Möglichkeiten vor Ort aber geöffnet bleiben. Beerdigungen finden weiterhin statt. Die Erstkommunionfeiern sollten auf die Zeit nach den Sommerferien verlegt werden, empfiehlt das Bistum.

Ihm sei bewusst, dass das geistliche Leben der Gläubigen dadurch erheblich eingeschränkt werde, so Bischof Dr. Michael Gerber. Dennoch habe derzeit Vorrang, der Ausbreitung des Virus durch die Zusammenkunft von Menschen nicht weiter Vorschub zu leisten.

In den kommenden Tagen will das Bistum Fulda ein eigenes und nach Möglichkeit tägliches Gottesdienstangebot über das Internet einrichten – ergänzend zu den bereits auf der Homepage aufgeführten Angeboten.

Wie berichtet, hatte am Freitag auch die Evangelische Bischöfin Dr. Beate Hofmann bereits zur Absage aller Gottesdienste aufgerufen. Auch in Kassels Kirchen herrscht am Sonntag also Stille.

Coronavirus in Kassel: Gibt es Einschränkungen im Bus- und Tramverkehr?

Die vorderen Türen der Busse der KVG sowie vieler Busse des NVV bleiben bis auf Weiteres geschlossen. In den Trams können Fahrgäste dagegen bis auf wenige Ausnahmen weiter vorne eingesteigen, da es in den Bahnen anders als in den Bussen separate Fahrerkabinen gibt, teilte die KVG am Freitag mit.

Es ist nicht die einzige Einschränkung durch Corona: Seit gestern verkaufen die Busfahrer auch keine Fahrkarten mehr. Mit diesen Änderungen will die KVG die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Krankheitserregern beim Einstieg minimieren, um so den Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs aufrecht erhalten zu können.

Wegen der Schul- und Kitaschließungen in Hessen ab kommender Woche kann die KVG Einschränkungen im Angebot nicht ausschließen, hieß es gestern. „Wie in allen Unternehmen, sind auch die KVG-Mitarbeiter von der dynamischen Entwicklung der Schutzmaßnahmen betroffen.“ Die KVG ruft Fahrgäste daher dazu auf, sich rechtzeitig zu informieren, ob eine Verbindung angeboten wird.

Die KVG bittet vor dem Hintergrund der Änderungen, Fahrscheine vor Fahrtantritt zu kaufen. Möglich ist das via Smartphone über die NVV-App, an den Fahrscheinautomaten vor dem NVV-Kundenzentrum an der Mauerstraße, auf dem Vorplatz des Bahnhofs Wilhelmshöhe und in den Trams.

Gilt das Verbot für größere Menschenansammlungen eigentlich auch für Demonstrationen?

Ja, sehr wohl. Das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 150 Besuchern ist auch bei der Anmeldung von Demonstrationen zu beachten. Demos, bei denen mehr als 150 Teilnehmer zu erwarten seien, müssten wie andere Veranstaltungen zunächst bis zum 30.04.2020 untersagt werden, erklärte dazu Ordnungsdezernent Dirk Stochla (SPD).

Weiteres zu Corona in Kassel:

Corona in Kassel - Vapiano ist insolvent: Nicht nur in Kassel musste Vapiano wegen Corona seine Türen schließen. Jetzt steht die Restaurantkette vor dem Aus. Das Unternehmen ist zahlungsunfähig.

Auswirkungen hat die Coronavirus-Krise auch auf die heimische Wirtschaft - zahlreiche Unternehmen leiden bereits an den Folgen.

Betroffen von der Coronavirus-Krise ist auch die Polizei, deren Arbeit vor besondere Herausforderungen gestellt wird. So arbeiten Kripo-Beamte aktuell auch von zu Hause aus.

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