Alle wollen Nudeln und Klopapier

Coronavirus in Kassel: Hamsterkäufe in der Stadt nehmen zu

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Nudeln, Konserven und Klopapier besonders gefragt: Marco Wenzel kommt mit dem Nachfüllen der Regel in seinem Edeka-Markt in der Nordstadt kaum hinterher.

Coronavirus in Kassel: Die Hamsterkäufe in der Stadt haben schlagartig zugenommen. Vor allem Nudeln und Klopapier sind begehrt.

  • Das Coronavirus hat große Auswirkungen auf den Alltag in Kassel.
  • Die Hamsterkäufe haben schlagartig zugenommen.
  • Wir haben uns im Lebensmittelhandel und in der Innenstadt umgeschaut.

Leere Regale vor allem bei Nudeln, Konserven und Toilettenpapier bestimmten am Samstag das Bild in vielen Supermärkten. Seit der Ansprache von Kanzlerin Merkel zum Coronavirus am Donnerstagabend hätten die Hamsterkäufe schlagartig zugenommen, berichtet Marco Wenzel, Inhaber des Edeka-Markts an der Fiedlerstraße in der Kasseler Nordstadt. Am Freitag habe er 80 Prozent mehr Umsatz als normal gehabt.

Weil das Team beim Auffüllen der Regale kaum hinterherkam, standen am Samstagvormittag noch viele Rollwagen voller Waren in den Gängen. Angst, dass es bald nichts mehr gibt, müsse niemand haben, beruhigt der Einzelhändler. Die Lager im Großhandel seien voll und man werde täglich beliefert.

Coronavirus in Kassel: Eine Extrapackung Klopapier mitgenommen

Vorm Konservenregal steht Martina Claus mit ihrem Mann Matthias. „Das ist schon der Wahnsinn“, sagt sie. Ihr Einkaufswagen ist nicht voller als an einem anderen Samstag, beteuert sie. Nur Klopapier habe sie neulich eine Extrapackung mitgenommen – das sei ja jetzt immer ausverkauft. 

Bei Claudia Steinbach, die mit Töchterchen Lena einkauft, kommen diese Woche ausnahmsweise glutenfreie Spaghetti auf den Tisch, obwohl niemand in der Familie eine Unverträglichkeit hat: „Die waren immer noch günstiger als die Markennudeln, die noch im Regal standen“, sagt die Mutter achselzuckend.

Axel Stehr und Tochter Claudia waren im City Point unterwegs, wo deutlich weniger los war als an einem normalen Samstag.

Marktinhaber Wenzel geht davon aus, dass sich das Einkaufsverhalten in den nächsten Tagen auf einem leicht erhöhten Niveau einpendeln wird. Neben der Bewältigung von plötzlichen „Extremkäufen“, so der Kaufmann, werde für ihn nun auch die Personalplanung aufwändiger. Denn viele Mitarbeiter mit Kindern seien ab Montag, wenn Schulen und Kitas geschlossen haben, nicht mehr frei verfügbar.

Corona in Kassel: Markthalle leerer als normalerweise

Während in den Supermärkten Andrang herrschte, war es in der Markthalle am Marstall deutlich leerer als sonst – sie ist nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern auch beliebter Treffpunkt für Genießer. Beim Italiener Busuito war es ausnahmsweise kein Problem, einen Tisch zu finden. Das kam Wolfgang Philipp für seinen Sektempfang zum 75. Geburtstag entgegen. Vor dem Virus ist ihm nicht bange. „Es kimmet oder es kimmet nicht“, sagt er.

Ließ sich den 75. Geburtstag nicht verderben: Wolfgang Philipp aus Wolfanger (Zweiter von links) stieß am Samstag mit Freunden in der Kasseler Markthalle an.

Am Obst- und Gemüsestand vom Birkenhof aus Grebenstein hat man Sicherheitsvorkehrungen getroffen: Ein rotes Flatterband vor den Auslagen soll dafür sorgen, dass die Kunden ein wenig Abstand halten und die Waren nicht anfassen. „Es ist nicht bös’ gemeint“, beteuert Chefin Bärbel Opfermann. Viele Kunden zeigten Verständnis.

Kassel: Weniger Trubel in Innenstadt durch Coronavirus

Es sei zwar weniger Trubel als an normalen Samstagen, bestätigen viele Händler. Dafür kauften die Kunden mehr – und auch hochwertigere Lebensmittel. Man will es sich, wenn man denn schon zuhause bleiben muss, eben schön machen. Auch am Stand von Gut Kragenhof werden nun deutlich öfter zwei Brote verlangt, berichtet Mitarbeiterin Karin Hesse: „Eins zum Einfrieren.“

Auf der Königsstraße ist es am Samstagmittag so leer wie sonst kurz vor Ladenschluss. Auch die Parkplatzsuche ist kein Problem. Claudia Stehr und ihr Vater Axel machen ihren Einkaufsbummel wie jede Woche. „Wir müssen ja Blumen holen für die Frau“, sagt der 75-Jährige mit einem Augenzwinkern: „Und Kuchen“. 

Allerdings sei die Aussicht auf ein Wochenende ohne Fußball bescheiden, findet der sportbegeisterte Rentner. Sorge wegen Ansteckung habe sie nicht, sagt Tochter Claudia. „Einkaufen halte ich für ungefährlich. Man hält ja Abstand zu den Leuten.“ Sie achte darauf, möglichst keine Türgriffe anzufassen und sich die Hände besonders gründlich zu waschen.

Von Katja Rudolph

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