„Die Leute wollen Geselligkeit“

Coronavirus in Kassel: Erste Kneipe schließt - starker Besucherrückgang

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Viele Plätze noch belegt: Inhaber Sascha Kovacs vom „Denkmahl“ an der Friedrich-Ebert-Straße bekommt in diesen Tagen aber viele Stornierungen.

Coronavirus in Kassel: Das öffentliche Leben kommt fast vollständig zum Erliegen. Kneipen und Bars verzeichnen einen deutlichen Besucherrückgang.

  • Das Coronavirus bringt das öffentliche Leben in Kassel zum Erliegen.
  • Auch Kneipen und Bars bemerken einen Besucherrückgang. 
  • Eine Kneipe hat bereits freiwillig geschlossen.

Kassel – Während die Diskotheken in Kassel wegen der Corona-Pandemie nicht mehr öffnen dürfen, ist der Betrieb von Restaurants und Bars weiterhin gestattet. Im „Eno“ am Goethestern seien zwar viele reservierte Tische kurzfristig storniert worden, berichtet Inhaber Gianluca Magnesa. Dennoch ist die Tapas- und Weinbar am Goethestern am Samstagabend gut gefüllt.

Silke und Christian Wedler haben spontan beschlossen, essen zu gehen. „Wer weiß, wie lange das noch geht“, sagt der 47-Jährige. Das fragt sich auch Gastronom Magnesa. Seine 68-jährige Mutter, die die kleinere Eno-Zweigstelle an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel leitet, hat er ab Montag freigestellt. „Ich will auf keinen Fall, dass sie sich ansteckt.“

Corona in Kassel: trotz Krise Geselligkeit in der Kneipe erleben

Hundert Meter weiter in der Kneipe „Chacal“ am Rudolphsplatz läuft der Samstagabend normal an, hier wird es meist erst zu später Stunde voll. Sie habe schon darüber nachgedacht, ob man noch weggehen könne, sagt eine 33-Jährige, die sich auf ein Bier mit einer Freundin getroffen hat. „Aber ich bin jung und gesund, es ist Samstagabend, und die Kneipen sind offen – da muss man sie auch unterstützen.“ Sie glaube nicht, dass die Ansteckungsgefahr in kleiner Runde in einer Bar höher sei als im Supermarkt oder in der Straßenbahn. Und zur Arbeit fahren müsse sie ja auch noch.

Abend im „Eno“: Silke und Christian Wedler mit Gastronom Gianluca Magnesa.

„Die Leute wollen Geselligkeit, auch in diesen Zeiten“, beobachtet Sascha Kovacs, Chef des Restaurants „Denkmahl“ an der Ecke Querallee. Bei ihm ist zwar die hintere Gaststube leer, aber der Hauptraum fast voll belegt. Gesprächsthema Nummer 1 an allen Tischen sei das Coronavirus, berichtet der Gastronom. Er hofft, dass der Betrieb weitergehen kann. Sollte die Schließung angeordnet werden, hofft er auf staatliche Unterstützung. Länger als zwei Monate könne man so eine Zwangspause wirtschaftlich sonst nicht überleben.

Coronavirus-Panik in Kassel: Viele Plätze in den Kneipen sind leer

Auf der Partymeile an der Friedrich-Ebert-Straße sind gegen 21 Uhr noch viele Plätze an den Tischen und Tresen frei. Zwei Freundinnen Anfang 50, die erst Sushi in der Nähe gegessen haben, haben sich im „Hot Legs“ den Platz direkt am Fenster ausgesucht. „Wenn es voller gewesen wäre, wären wir nicht reingegangen“, sagen sie. Größere Menschenansammlungen gelte es schließlich zu meiden. Der Inhaber einer gut gehenden Bar in der Nähe ist sicher, dass es am späten Abend noch voll wird. 

„Die Discos sind ja zu, da kommen die Leute zu uns.“ Er kann nicht verstehen, wieso die Stadt keine klare Linie fährt. Er würde lieber ab sofort schließen – aber wartet auf die behördliche Anordnung, weil er sonst befürchtet, keine Regressansprüche stellen zu können.

In Wolfsanger in der „Fliege“hat Wirtin Katrin Hörning die Flucht nach vorn ergriffen. Sie hat seit Freitagabend freiwillig den Betrieb eingestellt. „Wir möchten nicht auf behördliche Anordnungen warten, sondern rechtzeitig im Sinne unserer Gäste Vorsichtsmaßnahmen ergreifen“, teilt sie mit.

Von Katja Rudolph

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