Markus Knierim vom Theaterstübchen erlebt zurzeit aber auch eine große Solidarität seiner Gäste

Ausfälle wegen Corona: Manche schalten Anwälte ein und fordern Ticket-Geld zurück

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Markus Knierim

In Krisenzeiten kann man die Menschen von allen Seiten kennenlernen, auch von den extremen. Markus Knierim, Inhaber des Jazz-Clubs Theaterstübchen, kann ein Lied davon singen.

Nicht nur, dass er als Veranstalter bei hunderten von ausgefallenen Konzerten und geschlossener Gastronomie mit einem hohen Verdienstausfall rechnet, er muss auch mit seinen Gästen in Kontakt bleiben und diese informieren. Denn Mails erreichen ihn zurzeit im Stundentakt.

Es sind überwältigende Solidaritätsaktionen, die das Theaterstübchen erlebt. So sind auf dem Konto des Fördervereins Kafka als Rettungsring insgesamt 4600 Euro Spenden von einer Stiftung aber auch von vielen Einzelpersonen eingegangen.

Knierim erreichen viele Mails von treuen Theaterstübchen-Gästen wie die folgende: „Wir gehen davon aus, dass leider auch das Konzert mit Dieter Ilg am Sonntag ausfällt. Wir verzichten auf die Erstattung unserer Tickets.“ Knierim: „Solche Solidaritätsbeweise freuen mich von ganzem Herzen.“

Der Musiker Jörg Götzfried hat im Internet dazu aufgerufen, „Corona-Busters“, Geisterkonzerte, zu besuchen, und dem Theaterstübchen einfach Eintritt für nicht stattgefundene Konzerte zukommen zu lassen.

Aber auch das muss Knierim erleben: Ihn erreichen Mails und Briefe, in denen das Eintrittsgeld zurückverlangt wird. Sogar Anwälte versenden für ihre Klienten scharf formulierte Schreiben, wie für jenen Gast, der über eine Ticketagentur für das ausverkaufte Konzert „Hildegard lernt fliegen“ am 14. März Eintrittskarten im Wert von 95,40 Euro erworben hatte, „zuzüglich 2 Euro Vorverkaufsgebühr“, wie der Anwalt aufführt: „Ich bitte Sie darum, nunmehr innerhalb der nächsten zwei Wochen den Gesamtbetrag von 97,40 Euro auf das Konto meines Mandanten zu erstatten.“ Rechtlich sei die Situation folgende, holt der Anwalt aus und kramt Paragrafen hervor: „Dass das Konzert zu einem späteren Zeitpunkt, im Jahre 2021, nachgeholt werden soll, ist für diese Rechtslage ohne Bedeutung.“

„Da verschlägt es einem die Sprache“, sagt der erfahrene Konzertveranstalter. Er antwortet allen, indem er auf das Infektionsschutzgesetz verweist und das Verbot durch die Stadt Kassel, weiterhin Konzerte zu veranstalten. „Ich rechne damit, dass ich in diesem Jahr nicht mehr öffnen werde.“ Knierim will möglichst alle Konzerte um ein Jahr verschieben, die Tickets bleiben gültig. Ansonsten erstatte er Eintrittsgeld auch zurück. „Es sollen alle ihr Geld zurückbekommen.“ Allerdings müsse er sich über das Procedere auch erst kundig machen. „Das ist doch alles noch ein Tohuwabohu.“

Aber auch das gibt es: Eine Freundin des Theaterstübchens sorgt sich um das studentische Personal, das jetzt arbeitslos geworden ist. Sie überwies 450 Euro an Knierim. Eine Ex-Mitarbeiterin noch einmal 250 Euro. „Das habe ich unter den Frauen aufgeteilt“, so Knierim. Die Service-Frauen waren baff. „Meegaa toll“, antworten Monika und Tina stellvertretend und: „Wow, dass es heutzutage so was gibt.“

„Alles redet von Künstlern und Selbstständigen, aber an die jobbenden Studenten denkt kaum einer“, stellt Knierim fest: Wovon sollen die denn leben?

Auf der Facebook-Seite des Theaterstübchens richtet sich Markus Knierim in einem Video an seine Gäste.

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