Trotz neuen Fahrplans kann KVG Abstandsgebot nicht einhalten

Fahrgäste klagen über volle Busse und Bahnen in Kassel

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Nicht immer steigen so wenig Menschen ein: Bus der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft am Platz der Deutschen Einheit. 

Von unhaltbaren Zuständen spricht ein Fahrgast der KVG. gemeint ist, dass vielfach das Abstandsgebot nicht eingehalten wird.

Kassel - Vor einigen Tagen hat es Rita Piwatz nicht mehr ausgehalten in der Straßenbahn. Die 57-Jährige war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit in einer Arztpraxis in der Innenstadt und saß in einem rappelvollen Linie 3.  Trotz Corona habe niemand Abstand gehalten. „Es waren unhaltbare Zustände wie bei einem Tumult“, sagt Piwatz, die an der Haltestelle Rotes Kreuz vorzeitig ausgestiegen und den Rest lieber nach Hause gelaufen ist.

Von ähnlichen Erfahrungen berichten zahlreiche weitere Leser, die sich bei uns gemeldet haben. Eine 64-Jährige klagt, dass sich die Menschen vor allem vor den Türen versammelt und keine Rücksicht genommen hätten: „Die Leute sind echt doof.“ Und ein 49-Jähriger, der mit der überfüllten Buslinie 10 vom Königsplatz nach Hause fahren wollte, meldete sich sogar bei der Polizei.

Dort sagt man, dass man auch solchen Hinweisen nachgehe. Grundsätzlich hätten die Beamten festgestellt, dass sich die meisten an die Vorgaben und Kontaktbeschränkungen hielten und bei Verstößen „überwiegend einsichtig“ reagierten, wie eine Sprecherin sagt.

Das gelte aber nicht für den öffentlichen Nahverkehr, wie eine Leserin schreibt: „In jedem Supermarkt wird auf die Abstände geachtet und kontrolliert, in der Bahn aber überhaupt nicht.“

Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) schätzt hingegen, dass ihre Fahrzeuge derzeit nur zu 30 Prozent ausgelastet seien. In den vergangenen zehn Tagen sei diese Quote kontinuierlich zurückgegangen, wie eine Sprecherin sagt. Trotzdem könnten Besetzungen über 50 Prozent nicht immer verhindert werden. Das hänge von der Tageszeit und Linie ab.

Wegen der durch Corona sinkenden Fahrgastzahlen hatte die KVG ihr Angebot am 17. März reduziert. Am 30. März wurde es wieder etwas ausgeweitet. Doch erst ab Montag sollen Busse und Bahnen an Wochentagen wieder weitgehend nach dem regulären Fahrplan unterwegs sein – eine Woche nachdem Geschäfte wieder aufmachen durften.

Die Vorlaufzeit begründet die KVG-Sprecherin unter anderem mit personellen Ausfällen und fehlenden Ersatzteilen, die wegen des Corona-Shutdowns nicht geliefert werden konnten.

Doch auch mit der weitgehenden Rückkehr zum alten Fahrplan wird es wohl in manchen Bussen und Bahnen eng bleiben. Laut KVG-Vorstand Thorsten Ebert „wird es nicht möglich sein, das Abstandgebot in den Fahrzeugen vollständig zu sichern“. Dazu fehlten Personal und zusätzliche Fahrzeuge.

Darum setzt man bei der KVG nun auf die ab Montag geltende Maskenpflicht. Fahrer werden unter anderem durch Ansagen darauf hinweisen. Kontrolliert wird die neue Vorgabe aber nicht. Vielfahrerin Piwatz nennt ihre Linie, mit der sie jeden Tag unterwegs ist, derweil nur noch „die Corona-Bahn“.

Von Matthias Lohr

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