„Spazierengehen allein reicht nicht“

Fitnessstudio-Betreiber plädieren für zügige Wiedereröffnung

Corona in Kassel: Fitnessstudio-Betreiber plädieren für Wiedereröffnung
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Stehen in den Startlöchern: Claus Umbach, Geschäftsführer der Berufsakademie Sport und Gesundheit, (von links) Studentin und Trainerin Tabita Böhm, Trainer und Studioleiter Christian Heidenreich sowie Akademieleiter Prof. Kuno Hottenrott. 

Von Corona sind auch die Fitnessstudios in Kassel betroffen. Viele Betreiber wünschen sich eine rasche Wiedereröffnung. Sie sehen die sportliche Zwangspause als großes Gesundheitsrisiko. 

Kassel - Fitnesstraining stärkt die Gesundheit. Das ist derzeit noch wichtiger als sonst – sind sich Prof. Kuno Hottenrott und Claus Umbach von der Deutschen Berufsakademie Sport und Gesundheit einig.

Ihre Forderung: Sportstudios sollten so schnell wie möglich öffnen. Wie das trotz Corona funktionieren kann, zeigen sie im unten aufgeführten Video. Vielleicht hat das auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gesehen. Denn gestern Abend wurde bekannt, dass Fitnessstudios wohl noch im Mai öffnen dürfen. Allerdings nur, wenn sie ein Hygienekonzept haben. Wie das aussehen soll, dazu gab es noch keine Informationen.

Corona in Kassel: Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen

Da sind die Baunataler schon einen Schritt weiter: 1.5 Meter Abstand zwischen Geräten, Masken, Handdesinfektionsmittel und Handschuhe für Mitarbeiter und Gäste, sofortige Gerätedesinfektion nach jeder Nutzung – all das ist geplant. „Die Mitarbeiter sind geschult, die Trainer beherrschen das Coaching auf Distanz“, sagt Umbach, der auch das Sport- und Gesundheitszentrum Umbach betreibt.

Das Argument, dass man sich im Sportstudio näher als anderswo komme, lässt er nicht gelten: „Einen Abstand von 1,50 Meter einzuhalten, ist bei 700 Quadratmetern Trainingsfläche gut möglich.“ Die Duschen würde man schließen. Auch das Tragen eines Mundschutzes sei aus Hygienegründen sinnvoll und beim Training kein Problem. „Das haben wir schon getestet“, erklärt Hottenrott. Für ihn sind Sport- und Gesundheitseinrichtungen systemrelevant.

Corona in Kassel: Sportliche Zwangspause birgt Gesundheitsrisiken

„Eine gute körperliche Verfassung und ein starkes Immunsystem sind aktuell der einzige körpereigene Schutz vor dem Covid-19-Virus. Aber mit Gartenarbeit, Spazierengehen, Radfahren, Joggen ist dies nicht allein getan“, sagt der Sportwissenschaftler. Man müsse auch an Menschen denken, die erhebliche Muskel- und Gelenkprobleme haben, an Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen leiden. Sie seien auf angeleitetes Training angewiesen. Die aktuelle Zwangspause erhöhe bereits gesundheitliche Risiken. Ein rein virtuelles Training sei keine Lösung. Das erreiche längst nicht jeden. Außerdem sei fraglich, ob die Übungen richtig ausgeführt werden.

Nicht nur Gäste trifft die Schließung hart. Auch die Akademie-Studenten müssen mit Theorieunterricht auskommen. „Es geht natürlich auch darum, unsere Mitarbeiter halten zu können“, erklärt Umbach. Momentan sei das dank der finanziellen Unterstützung der Kunden und Kurzarbeit möglich. Auf Dauer aber gehe das nicht.

Corona in Kassel: Bewegung als großer Gesundheitsfaktor

Das sieht auch Gül Strutzke so, Mitglied der Geschäftsführung des Gesundheitszentrums Fit+Fun in Rothenditmold. Schon früh habe man beschlossen, die Mitgliedsbeiträge während der Zeit der Schließung nicht abzubuchen, um Kunden zu entlasten. „Es trifft uns alle sehr hart. Die bisher aufgelaufenen Verluste auszugleichen, wird nicht möglich sein.“

Man sei auf eine baldige Wiedereröffnung angewiesen. „Die Menschen müssen sich auch darüber klar sein, dass Bewegung – Corona hin oder her – ein unglaublich wichtiger Gesundheitsfaktor ist.“

Auch, wenn es noch keine Vorgaben gebe, habe man sich schon Gedanken gemacht, wie man Kunden und Mitarbeiter am besten schützen kann. „Dazu gehören regelmäßige Desinfektion, Spuckschutz als Aufsteller zwischen den Geräten, Abstandsregelungen und angepasste Wegeverläufe – auch eine Begrenzung der maximal anwesenden Personen ist denkbar“, sagt Strutzke. Eine Maske wäre obligatorisch.

Von Michaela Pflug

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