Corona in Kassel

Viel Arbeit, aber kein Verdienst: Reisebüros kämpfen um ihre Existenz

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Arbeit ohne Einnahmen: Haufenweise Stornierungen müssen derzeit in den Reisebüros bearbeitet werden. Das trifft auch Klaus Spohr (links) und Sven Stehl vom Reisebüro „DERPART Wimke Reisewelt“.

Von Corona sind auch die Reisebüros in Kassel stark betroffen. Viele davon kämpfen in der Krise um ihre Existenz.

Kassel - „Wenn wir nicht bald Unterstützung bekommen, existiert unsere Branche Ende des Jahres nicht mehr“, sagt Klaus-Peter Spohr. Der Geschäftsführer des Reisebüros Derpart Wimke Reisewelt schlägt Alarm.

Denn die Corona-Krise bringt sein Unternehmen sowie die meisten Reisebüros in eine absurde Situation, so der Vertreter des Aktionsbündnisses „Wir zeigen Gesicht! Rettet die Reisebüros – rettet die Touristik!“. Wie alle anderen Geschäfte mussten auch sie im März schließen. Hinter verschlossenen Türen aber arbeiten sie auf Hochtouren, jedoch ohne dabei Einnahmen zu generieren. „Wir bearbeiten im Moment ausschließlich Stornierungen“, schildert Spohr. Jetzt, wo die Reisewarnung von der Bundesregierung bis zum 14. Juni verlängert worden sei, sei die Arbeitslast nochmals gestiegen.

„Die Reisebüros übernehmen gerade umfangreiche Servicearbeit für die Reise-Veranstalter, obwohl fast alle in Kurzarbeit sind“, erläutert Geschäftsleiter Sven Stehl. Viele Veranstalter hätten ihre Hotlines abgestellt und würden auf die Reisebüros verweisen. Die Kunden suchten Hilfe etwa bei Stornierungen, Umbuchungen und Gutscheinen.

Corona in Kassel trifft Reisebüros: Kundenanfragen nicht immer sachlich

Entsprechend angespannt seien die Mitarbeiter zeitweise, „zumal die Kundenanfragen – vorsichtig formuliert – auch nicht immer sachlich sind“, so Spohr. Verdienen tut das Reisebüro aber trotz der vielen Arbeit keinen Cent. „Wir verkaufen nichts, haben entsprechend keine Einnahmen“, sagt Spohr. Hinzu komme, dass das Reisebüro die Provisionen, die es für Buchungen bereits erhalten hat, bei Absage der Reise jetzt wieder zurückzahlen müsse.

Die ersten Reisen seien schon im Januar abgesagt worden, als das Virus in Asien bereits grassierte, schildert Spohr. „Wir waren die erste Branche, die von der Corona-Krise betroffen war und wir werden die letzte sein, die wieder herauskommt“, beklagt Stehl.

„Die Mehrheit meiner Kollegen in Nordhessen sieht sich in der Existenz bedroht“, sagt Spohr. Um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen, hatte das Aktionsbündnis „Wir zeigen Gesicht“ in der vergangenen Woche auf dem Königsplatz in der Innenstadt in Kassel demonstriert. Weitere Aktionen sind Spohr zufolge geplant. Seine Forderung: Eine finanzielle Soforthilfe, die zeitnah ausgezahlt wird und nicht zurückgezahlt werden muss.

Corona in Kassel trifft Reisebüros: Forderung nach weiteren Soforthilfen

„Die Soforthilfen von Bund und Land sind für uns nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Spohr. Bei einem Büro wie dem ihren mit 20 Mitarbeitern sei das ruckzuck verpufft, sagt auch Stehl. Stundungen, Kredite und Darlehen seien keine Lösung, da sie zurückgezahlt werden müssten. „Keiner von uns stellt diese Forderungen, um am Ende des Jahres Gewinn verbuchen zu können, sondern um zu überleben“, sagt Spohr. Die rund 11.000 Reisebüros bundesweit sicherten schließlich bis zu 100.000 Arbeitsplätze. Allein in Nordhessen mit der Region Fulda gibt es Spohr zufolge etwa 175 von ihnen.

Sein Reisebüro am Ständeplatz in Kassel wurde 1951 gegründet. „Mit ein bisschen Glück erleben wir im Januar 2021 sein 70-jähriges Bestehen. Das wollen wir auf jeden Fall feiern.“

Von Nicole Schippers

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Die neuesten Entwicklungen zu Corona in Stadt und Landkreis Kassel gibt es im News-Ticker.

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