Coronavirus in Kassel

Er ist jetzt ein Corona-Ermittler

Corona in Kassel: Er ist jetzt ein Virus-Ermittler
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Corona in und um Kassel: Michael Spacek ist Mitarbeiter beim Gesundheitsamt.

Er ist Corona auf der Spur: Michael Spacek ist Mitarbeiter beim Gesundheitsamt Region Kassel. Die Krise hat auch seinen Alltag verändert.

  • Michael Spacek ist Mitarbeiter beim Gesundheitsamt Region Kassel.
  • Seit Beginn der Corona-Krise hat sich sein Arbeitsalltag verändert.
  • Zwischen Kontaktverbot und Lockerungen - Hygiene ist das A und O.

Kassel – Zwischenzeitlich wusste auch Michael Spacek nicht mehr, was denn eigentlich für ein Tag ist. Und das, obwohl er im Gegensatz zu vielen anderen, die dieses Problem beklagen, nicht im Homeoffice arbeitet. Spacek ist Gesundheitsaufseher beim Gesundheitsamt Region Kassel und in den vergangenen Wochen nahezu rund um die Uhr im Einsatz gewesen. „Es gab zuletzt wirklich Nächte, in denen man nicht schläft“, sagt er.

Seit die Corona-Krise über Kassel hereinbrach, hat Spacek nahezu jeden Tag gearbeitet – egal ob normaler Montag, Samstag oder Maifeiertag. „Das waren dann schon einige Tage mit zehn oder zwölf Stunden ohne Pause“, sagt der 50-Jährige, der mit seiner Familie in Edermünde wohnt. „Aber die Situation war eben für alle neu und besonders.“

Corona-Pandemie: Gesundheitsamt Region Kassel war schon in den Anfängen aktiv

Infektionsschutz in Corona-Zeiten in Kassel - Hygiene ist das A und O

Normalerweise sieht der Arbeitsalltag von Michael Spacek anders aus. Zwar kümmert er sich genau wie jetzt um Infektionsschutz. Dabei ist er für die Hygiene in den Landkreis-Schulen und für Fußpflege-, Podologie-, Kosmetik-, Nageldesign-, Tattoo- und Piercingstudios in der Region Kassel zuständig. Zudem ermittelt er alle Fakten und Kontaktpersonen zu Norovirus, Meningitis, Masern, Salmonellen und vielen weiteren Erkrankungen und übermittelt sie an die Landesstelle in Dillenburg. Von dort werden sie dann an das Robert Koch-Institut weitergeleitet.

Ermitteln muss Spacek jetzt auch, allerdings unter Hochdruck. Man könnte vielleicht sagen, er gehört so einer Art Corona-Sonderkommission an. Mittlerweile unterstützen 70 Kollegen das Team, die meisten von ihnen haben sonst andere Aufgaben. „Bislang ist es uns immer gelungen, alle Kontaktpersonen der 600 Kasseler Corona-Fälle ausfindig zu machen“, sagt Spacek.

Gesundheitsamt in der Region Kassel kümmert sich um infizierte Corona-Patienten

Wenn diese Kontaktpersonen nicht telefonisch zu erreichen sind, dann kommt es auch schon mal vor, dass der Corona-Ermittler zu ihnen nach Hause fährt – selbstverständlich mit Schutzausrüstung und am liebsten mit dem Fahrrad. Spacek ist begeisterter Radfahrer und fährt selbst in den Wintermonaten meist mit dem Fahrrad von Edermünde nach Kassel.

Da hat er in den vergangenen Wochen auch mal Schutzausrüstung auf dem Heimweg ausgeliefert, wenn die irgendwo fehlte. Auch ein Umweg nach Zierenberg ist für den durchtrainierten Familienvater kein Problem. „Wenn wir uns bei Patienten melden, dann sind die meist froh, dass sie Unterstützung bekommen. Einige haben wir über Wochen am Telefon begleitet“, sagt Spacek. Fast alle hätten Verständnis gehabt, genervt gewesen, sei kaum jemand.

Corona in und um Kassel - Der persönliche Kontakt fehlt

Sorge, sich anzustecken, die hat Spacek nicht. „Wenn das so wäre, dann hätte ich wahrscheinlich auch den falschen Beruf gewählt“, sagt er. Als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Region Kassel weiß er, wie er sich schützen kann. Spaceks Frau arbeitet im Einzelhandel. Sie war in den vergangenen Wochen, als die Läden nicht öffnen durften, durchgängig zu Hause. „Das war auch erst mal ein bisschen kurios“, sagt Spacek. „Ich komme nach Hause und bin froh, wenn ich nichts mehr sagen muss, bei meiner Frau war es umgekehrt.“

Was Spacek fehlt, ist der persönliche Kontakt. „Sonst bin ich fast täglich zur Kontrolle in Betrieben, das ist jetzt weggefallen“, sagt er. Trotzdem möchte er die Zeit nicht missen, man hat viele Kollegen einfach noch mal anders kennengelernt, wenn man eng zusammenarbeitet. Das Wort Corona kann er an manchen Tagen trotzdem nicht mehr hören.

Von Kathrin Meyer

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