Coronavirus in Stadt und Landkreis Kassel

Corona-Krise: Tafeln bleiben geschlossen - „Unsere Mitarbeiter sind 70 plus“

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Trotz der schweren Situation ein Lächeln im Gesicht: Hans-Joachim Noll (von links), Erster Vorsitzender der Kasseler Tafel, und Hellmut Weiß, Zweiter Vorsitzender, zeigen einige Waren, die eingelagert sind.

Wegen Corona müssen die Tafeln in Kassel und Baunatal geschlossen bleiben. Hauptgrund ist das Alter der Mitarbeiter.

Sie versorgen jeden Monat hunderttausende Hilfsbedürfte mit Lebensmitteln. Nun müssen sie wegen der Corona-Epidemie ihre Arbeit einstellen: die Tafeln. So auch in Kassel und Baunatal.

Corona in Kassel: Das ist die Situation bei der Kasseler Tafel

„Es ist sehr bedauerlich, aber es geht einfach nicht anders“, sagt Hans-Joachim Noll, erster Vorsitzender der Kasseler Tafel. Von den rund 140 Tafel-Mitarbeitern – ob ehrenamtlich oder fest angestellt – seien die meisten im Rentenalter. „Wir können nicht verantworten, dass die eng zusammenarbeiten.“

Packten sie Waren zusammen, sei der Sicherheitsabstand schwer einzuhalten. „Und im Führerhaus unserer Fahrzeuge sitzen sie zu dritt nebeneinander, das geht nicht“, fügt der zweite Vorsitzende, Hellmut Weiß, hinzu. Das Ansteckungsrisiko sei einfach zu hoch. Und auch junge Menschen mit ins Boot zu holen, die die Arbeit übernehmen, sei keine Lösung. „Es haben sich zwar Jüngere gemeldet, aber die müssen angelernt werden, Hygienevorschriften bei den Lebensmitteln einhalten.“ Da müsse auch wieder erfahreneres und somit älteres Personal einspringen. „Deswegen haben wir unsere Arbeit bis zum 17. April eingestellt“, betont Noll.

Leicht gefallen sei der Tafelleitung diese Entscheidung nicht: „Wir versorgen rund 4000 Bedürftige mit Lebensmitteln. Die sind auf uns angewiesen.“ Es sei belastend, das zu wissen. Aber auch die Frage, wann es weitergeht, treibe sie um. „Ruhige Nächte haben wir nicht“, sind sich Noll und Weiß einig. Sie hofften, dass die Arbeit bald mit allen – auch jungen Mitarbeitern – weitergehen könne.

Corona in Kassel: Das ist die Situation bei der Baunataler Tafel

Auch Wolfgang Rodermund hat aus Sorge um seine Mitarbeiter die Baunataler-Schauenburger Tafel erst einmal dichtgemacht. „Unsere gut 80 Mitarbeiter sind im Schnitt 70 plus“, sagt der Leiter. Man könne sie nicht auf engstem Raum arbeiten lassen. Ohnehin fehle es an Schutzbekleidung. „Wir haben kein Desinfektionsmittel mehr, bekommen keine Schutzmasken und könnten gar nicht gemäß der Hygienevorschriften arbeiten.“

Die Leidtragenden seien – wie so oft – die Ärmsten der Gesellschaft. „Die trifft es besonders, dass wir nicht weitermachen können.“ Aber auch der Verein leide. „Wir nehmen von den Bedürftigen den symbolischen Betrag von zwei Euro pro Einkauf.“ Das falle jetzt natürlich auch weg und tue weh. „Einfach Miete und Strom nicht mehr bezahlen geht natürlich nicht“, so der Leiter der Einrichtung in Baunatal.

Daher ruft Rodermund dazu auf, den Tafeln Geld zu spenden, damit sie nach der Krise möglichst nahtlos weiterarbeiten können.

Service: Wer weitere Informationen zur Baunataler-Schauenburger Tafel sucht, wird online fündig: baunataler-schauenburger-tafel.de. Gleiches gilt für die Kasseler Tafel: kasselertafel.de.

Von Moritz Gorny

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