Corona in Kassel

Statt Huskies-Trikots: Textilhersteller näht wegen Corona-Krise jetzt Masken

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Ahmad Mahmuod ist einer der sieben Näher, die in der Kasseler Textilfirma Kama Gartz & Co GmbH Behelfsmasken nähen. 

Mundschutzmasken sind knapp. Pflegedienste beklagen, dass sie auf dem Markt keine mehr kaufen können und bitten um Hilfe. Ein Kasseler Textilhersteller hat seine Produktion daher umgestellt.

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Kassel aus.
  • Mundschutze sind wegen der Krise derzeit knapp.
  • Deswegen näht ein Textilhersteller aus Kassel jetzt Masken statt Trikots für die Kassel Huskies.

In den Hallen von Holger Gartz’ Firma Kama Textil Management in Kassel werden normalerweise Huskies-Trikots hergestellt. Jetzt hat der Geschäftsmann umgesattelt auf die Produktion von behelfsmäßigem Mund- und Nasenschutz.

Gerade ploppt ein neuer Auftrag auf dem Bildschirm auf. „Unser Onlineshop ist vor Nachfragen gestern explodiert“, sagt Geschäftsführer Gartz. Zuerst seien es Privatleute gewesen, dann Arztpraxen. Nun erreichen die Firma vermehrt Anfragen von Supermärkten. An der Nähmaschine bearbeitet Ahmad Mahmuod gerade einen Auftrag von Edeka Möller in Vellmar. Er schätzt, dass er 40 Masken am Tag schafft.

Corona in Kassel: Material für Mundschutze wurde geprüft

Die Idee kam dem Geschäftsmann zusammen mit Bekannten und befreundeten Ärzten. Mit ihnen und seinen 23 Mitarbeitern hat er in der vergangenen Woche nach mehreren Anleitungen Masken genäht, getestet und 30 Mal in der Waschmaschine gewaschen, um zu prüfen, welches Material sich für die wiederverwendbaren Masken am besten eignet. „Wir wollen etwas, das auch hält“, sagt Gartz.

An der Zuschneidemaschine teilt ein Laser die bedruckten Vierecke in Stücke. Auf manchen ist ein Name aufgedruckt. So könnten Mitarbeiter einer Firma ihre eigene Maske tragen, erklärt Gartz.

Produktionsleiter Uwe Bergmann schiebt den vorbedruckten Stoff in die Zuschneidemaschine.

Geprüft und zertifiziert sind die Masken aber nicht, das kommuniziert das Unternehmen offen. Sie sind auch nicht zum Eigenschutz gedacht. „Die Prüfdauer ist viel zu lange“, sagt Gartz, der weiß, dass es nun um Zeit geht. Mit bekannten Nähereien baut er ein Netzwerk von 250 Nähern auf, denen er Material und Anleitung zuschickt. So kann er seine eigene Produktion mit sieben Nähern ausweiten.

Corona-Krise: Mundschutze aus Kassel - Auch Spuckschutz wird hergestellt

Den Einzelpreis von fast 35 Euro begründet Gartz mit einer fairen Bezahlung für seine Näher und der guten Stoffqualität aus Belgien. Der Polyesterstoff ließe sich auch nach mehreren Kochwaschgängen wieder in Form ziehen und auch die Bänder seien strapazierfähig und würden nicht porös. Rabatt gebe es für Pflegedienste, auch Sozialstationen währen der Corona-Krise und Kommunen würden bevorzugt beliefert.

In den Stoff ist ein bestimmtes Material eingewaschen, was Bakterien hemmt und dadurch geruchsneutral ist, erklärt Gartz. Das sei sogar zertifiziert und auf das SARS-Virus getestet, nicht aber auf das aktuelle Coronavirus.

Der Stoff wird mit einem Laser zugeschnitten.

Auch einen aufstellbaren Spuckschutz hat die Firma hergestellt. Sie arbeitet mit Unternehmen in der Region zusammen. So hat beispielsweise eine Schreinerei in Harleshausen die Holzaufsteller für die Scheiben hergestellt. Eine Firma aus Frankenberg schneidet die Bänder für die Masken zu. Gartz und seine Mitarbeiter tüfteln noch an zwei weiteren Maskenmodellen.

Corona in Kassel: Tennisprofi erwähnt Textilfirma

Bundesweit in die Schlagzeilen kam die Kasseler Firma nun dank Ex-Tennisprofi Nicolas Kiefer. Er habe ein Modelabel bei der Kasseler Firma, sagte er in einem Interview mit der Süddeutschen. Dadurch könnten Kunden dieMasken auch über seinen Onlineshop bestellen.

Zur Firma: Der Betrieb Gartz & Co GmbH produziert Funktionskleidung und Werbeartikel, hauptsächlich im Sportbereich und seit 2017 wieder in Kassel. Die Firma gibt es seit 30 Jahren. Neben der Produktion bedruckt und bestickt die Firma auch Artikel. Zu den Kunden gehören TÜV Hessen und Kassel Marketing. In den Stoff von Funktionskleidung und auch in den Behelfsmasken ist ein Material eingearbeitet, das bakterienabweisend ist, erklärt Geschäftsführer Holger Gartz. Es besteht aus recyceltem Material des Herstellers Polygiene, und wird in Belgien in den Stoff eingewaschen.

Von Valerie Schaub

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