Corona in Kassel

Wegen der Coronavirus-Krise: Zahnreinigungen werden vorerst verschoben

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Schutz gegen Ansteckung: Dr. Michael Claar hat für die Behandlung in seiner Praxis an der Druseltalstraße sogenannte Gesichtsvisiere, die das Gesicht vor Sprühnebel und einer Tröpfcheninfektion schützen sollen. Für unser Bild ist Auszubildende Lena Bippig auf dem Behandlungsstuhl.

Auswirkungen von Corona im Kreis Kassel: Eine einzige Patientin sitzt im Wartezimmer von Dr. Dietmar-Jürgen Marcus’ Zahnarztpraxis in Baunatal.

„Viele haben angerufen und ihre Termine verschoben“, sagt der Zahnarzt. Die Termine, die nicht dringend notwendig sind, verschiebt die Praxis in Absprache mit den Kunden. Warum? Wegen Corona.

Patienten und Termine

„Wir begrenzen uns auf Schmerz- und Problemfälle“ sagt Dr. Marcus. Außerdem werde darauf geachtet, dass nicht zu viele Menschen im Wartebereich sitzen. „Wir wissen ja nicht, ob jemand infiziert ist.“ Im schlimmsten Fall komme das ja erst heraus, wenn der Patient schon in der Praxis war, nach der Behandlung.

Deshalb weist ein Schild am Eingang darauf hin, dass Patienten mit grippeähnlichen Symptomen und solche, die Kontakt mit Infizierten hatten oder in einem Risikogebiet waren, die Praxis nicht betreten sollen. „Wir fragen das auch ab“, sagt der Arzt.

Das Schild hängt auch an der Praxis von Dr. Michael Claar in der Druseltalstraße in Kassel. Auch dort werden nur noch Notfälle behandelt. „Eine Zahnaufhellung bei einem 75-Jährigen macht jetzt keinen Sinn“, sagt Dr. Claar. Zumal viele ältere Patienten auch zur Risikogruppe gehören.

Schutz bei Behandlung

Zwei Meter Abstand kann kein Zahnarzt zum Patienten halten. Gerade bei Behandlungen, bei denen sogenannter Aerosol entsteht, ist ein Ansteckungsrisiko hoch. Aerosol ist der Sprühnebel, der beispielsweise bei einer Kariesbehandlung im Mund entsteht, erklärt Dr. Claar.

Dr. Marcus versucht deshalb, auf Bohrungen zu verzichten und übergangsweise provisorische Füllungen zu machen. Doch weil man sich beim Zahnarzt ohne Schutz auch mit Hepatitis und anderen Krankheiten anstecken könne, seien die Hygienerichtlinien generell streng. Personal trage ja sowieso Handschuhe, Brille und Mundschutz und wechsele den auch regelmäßig.

Gewappnet in Corona-Zeiten? Dr. Dietmar-Jürgen Marcus und Auszubildende Dilan Tak tragen in der Baunataler Zahnarztpraxis doppelten Mundschutz und Handschuhe.

Glücklicherweise habe seine Praxis noch genügend Vorrat an Schutzkleidung, Masken und Handschuhen, sagt Dr. Claar. Und auch in der Baunataler Praxis sind laut Dr. Marcus noch genügend da. Doch die sogenannten FFP2-Masken, die einen stärkeren Filter haben, hat keine der befragten Praxen. Sie seien schlicht nicht zu bekommen. Deshalb tragen die meisten zwei Masken übereinander. Ideal sei das nicht, sagt Marcus. Aber im Moment die einzige Lösung.

Dr. Claar hat sogar noch Vollvisiere als Gesichtsschutz. „Ich hatte sowieso welche da und jetzt auch nachbestellt.“ Angeblich soll die Lieferung Anfang April kommen, das wundert selbst den Arzt.

Ein Zahnarzt im Vorderen Westen sagt, er habe bald nicht mehr genug Schutzkleidung. „Es weiß ja auch keiner, wie lange das noch dauert.“

Die Mitarbeiter

Weniger Patienten bedeutet natürlich weniger Arbeit. Noch könnten Mitarbeiter Überstunden abbauen und in den Urlaub gehen. Da bald Ostern ist, hätten jetzt sowieso einige Urlaub, sagt Marcus, der sieben Mitarbeiter beschäftigt. Längerfristig könne er Kurzarbeit nicht ausschließen. „Das hat es wohl bei Zahnärzten auch noch nicht gegeben.“

Auch Dr. Claar schickt manche seiner Mitarbeiter schon in den Urlaub. In den Praxen in der Druseltalstraße und Leipziger Straße sind insgesamt 60 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Ernstfall

Sollte ein Patient, der nachweislich mit Corona infiziert ist, mit einem Notfall in die Praxis kommen, würde Dr. Marcus ihn in die DRK-Klinik schicken, dort gebe es die speziellen Masken.

Die neuesten Entwicklungen zu Corona in Kassel gibt es im News-Ticker.

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