Wieder mehr planbare Operationen

Kliniken in Kassel suchen Weg zurück zum Normalbetrieb in der Corona-Krise

Corona-Krise: Kliniken in Kassel suchen Weg zurück zum Normalbetrieb
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Wegen der Corona-Krise mussten die Krankenhäuser ihre planbaren Operationen verschieben. Nun werden die Behandlungen nachgeholt.

Wegen der Corona-Krise mussten die Kasseler Krankenhäuser seit Mitte März alle planbaren Behandlungen aussetzen. Nun dürfen die Kliniken wieder mehr Operationen durchführen.

Kassel - Laut Landesregierung stehen wieder bis zu 70 Prozent der OP-Kapazitäten in hessischen Kliniken für sogenannte elektive Eingriffe zur Verfügung. Gleichzeitig müssen die Krankenhäuser nur noch ein Viertel – und nicht mehr die Hälfte – der vorhandenen Intensivbetten für Covid-19-Patienten vorhalten.

Für die Kliniken bedeutet das, dass sie schauen müssen, wie sie möglichst viel Normalität schaffen, da leere Betten und aufgeschobene Operationen zuletzt für finanzielle Einbußen sorgten. Zeitgleich müssen sie aber auch darauf vorbereitet sein, dass die Zahl der Corona-Fälle durch die Lockerungen wieder steigen kann.

„Wir sind froh, dass wir unsere Arbeit wieder aufnehmen können“, sagt Marieluise Labrie, Direktorin des Elisabeth-Krankenhauses. Covid-19-Patienten beträfen ja vor allem die Innere Medizin. Andere Abteilungen hätte daher brach gelegen.

„Es gab erheblich weniger Operationen als normal.“ Da man nicht wisse, wie sich die Corona-Fallzahlen entwickeln, müsse man nun schauen, welche OPs wieder möglich seien. Zudem müsse man im Blick behalten, dass auch für Notfälle abseits von Corona genügend Kapazitäten vorhanden seien.

Kliniken in Kassel müssen Betten für Corona-Patienten freihalten

Im Marienkrankenhaus werden angesichts langer Wartelisten seit vergangener Woche nach Dringlichkeit Patienten chirurgisch und neurochirurgisch versorgt. „Wir haben derzeit nur geringe Zahlen Covid-19-Kranker“, so Pressesprecherin Kirsten Scheimann.

Dennoch schaue man bei der Belegung, dass man jederzeit Corona-Verdachtsfälle aufnehmen könne. Auch die neu eingerichteten Intensivkapazitäten blieben technisch und personell einsatzfähig. Alle anderen geschaffenen Kapazitäten zur Behandlung einer größeren Zahl von Corona-Fällen seien zurückgefahren worden, um die planbaren Behandlungen zu ermöglichen, so Scheimann.

In den DRK-Kliniken Nordhessen wird der Betrieb in den nächsten Tagen wieder hochgefahren – „allerdings mit der Einschränkung, dass wir 25 bis 30 Prozent unserer Kapazitäten für Covid-19-Patienten freihalten“, sagt Pressesprecherin Simone Hoffmann. Die Aufnahme der Patienten richte sich nach den OP-Kapazitäten, die jeweils aktuell bewertet würden. Dass Patienten aus Sorge vor Corona auf eine Behandlung verzichten, beobachtet man in den DRK-Kliniken nicht.

Kliniken in Kassel wollen möglichst viel Normalbetrieb unter Corona-Bedingungen

Aus Sicherheitsgründen werden in den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel alle Patienten, die nun wieder für elektive Behandlungen aufgenommen werden, auf Corona getestet, so Pressesprecherin Lena Goldmann. „Bis zum Vorliegen des Ergebnisses werden die Patienten auf einer Quarantänestation untergebracht.“ Dies sei zwar mit mehr Arbeit und höheren Kosten verbunden, aber unerlässlich.

Am Klinikum Kassel arbeite man derzeit daran, die verschobenen Termine nachzuholen, so Pressesprecherin Inga Eisel. Ein Teil der Patienten habe in den letzten Wochen nicht zeitnah versorgt werden können, um ausreichend Behandlungskapazitäten für Covid-19-Patienten vorzuhalten. Nun würde Termine nach Dringlichkeit und Wartezeit eingeplant. Der Planungsaufwand dabei sei höher als vor der Pandemie, da man Covid-19- und andere Patienten strikt trenne, so Eisel.

Wie in den anderen Krankenhäusern wurden in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel zuletzt nur Notfälle operiert. Corona-Patienten gab es unterdessen keine. „Wir haben nur Kapazitäten vorgehalten“, sagt Pressesprecherin Stefanie Hadding. Wichtig sei es nun, wieder möglichst viel Normalbetrieb unter Corona-Bedingungen zu erreichen. „Die Patienten haben ja auch dann Not und oftmals Schmerzen, wenn kein Notfall vorliegt“, so Hadding.

Neustart während Corona-Pandemie in der Kasseler Elena-Klinik

Die Paracelsus-Elena Klinik in Kassel startet ab Montag mit der Wiederaufnahme ihres Regelbetriebs. Mitte März hatte die Klinik wegen der Corona-Pandemie die stationäre Aufnahme von Patienten gestoppt und einen Großteil ihrer 120 Patienten entlassen. Seitdem wurden nur Notfälle und medizinisch nicht aufschiebbare Behandlungen durchgeführt.

Wichtige Behandlungen, die zuletzt verschoben oder unterbrochen wurden, sollen jetzt nachgeholt werden. „Wir haben damit begonnen, erste ausgewählte Patienten mit notwendigen Behandlungen anzurufen und Termine für eine stationäre Aufnahme zu vereinbaren“, sagt Chefärztin Prof. Dr. Claudia Trenkwalder. Komplexe, aber aufschiebbare Operationen, bei denen eine intensivmedizinische Behandlung absehbar ist, würden aber nur vereinzelt angeboten, da nach wie vor Kapazitäten für Covid-19-Patienten freigehalten werden müssten.

Alle Patienten werden bei Aufnahme auf eine Infektion hin getestet. Besuche sind wie in allen anderen Krankenhäusern nicht möglich.

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