Endlich mal wieder essen gehen

Essen in Corona-Zeiten: In vielen Kasseler Lokalen wurden Gäste bewirtet - Gastronomen ziehen erste Bilanz 

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Ein Stück Normalität in der Corona-Krise ist zurück: Im Renthof nutzten Siegfried und Marina Lamsbach die Gelegenheit und reservierten einen Tisch bei Inhaber Rainer Holzhauer und Servicekraft Anika Nödler (beide stehend). Hinter der Scheibe ist Arne Ebrecht vom Küchenteam zu sehen.   

Lockerung der Corona-Regeln in Kassel: Am Freitag eröffneten viele Restaurants wieder. Die Gäste mussten sich an strenge Vorgaben halten. Die Gastwirte ziehen eine erste Bilanz. 

  • Seit Freitag (15.05.2020) gelten gelockerte Corona-Regeln
  • Zahlreiche Restaurants in Kassel öffneten wieder
  • Gäste müssen sich an Regeln halten, Gastwirte ziehen Bilanz

Kassel - Für ausgehfreudige Kasseler ist am Wochenende ein lang ersehntes Stück Normalität zurückgekehrt: „Wir sind einfach froh, dass man mal wieder essen gehen kann“, sagt Marina Lamsbach.

Corona in Kassel: Viel Platz wegen Abstandsregeln

Mit ihrem Mann Siegfried hat sie am Samstagabend einen Tisch im Renthof reserviert – mit Blick durch die Scheibe ins Küchengeschehen und viel Platz um sich herum wegen der Corona-Abstandsregeln.

Die Stimmung ist heiter und gesellig, auch an den anderen spärlich gestellten Tischen. „Die Gäste haben jetzt viel Gesprächsbedarf“, sagt Servicekraft Anika Nödler. Sie werde oft fürsorglich gefragt, wie sich das Arbeiten unter der Maske anfühlt.

Corona-Regeln in Kassel: Klebepfeile weißen den Weg 

Aber auch die derzeit ungewohnten Abläufe im Restaurant müssten immer wieder erläutert werden – etwa die Klebepfeile auf dem Boden, die den Weg zu den Toiletten unter Abstandswahrung weisen. Das komme manchem „wie ein Irrgarten“ vor.

In dem weitläufigen Baudenkmal „haben wir noch das Glück, dass wir verschiedene Gasträume haben“, sagt Renthof-Betreiber Rainer Holzhauer. Bei aller guten Neustart-Stimmung seien die derzeitigen Arbeitsbedingungen „tödlich“ für sein Geschäft, zu dem auch die Event-Organisation unter der Marke Grischäfer zählt.

Denn Hochzeiten, Familienfeiern und andere Festgesellschaften blieben weiterhin praktisch unmöglich angesichts von Tanzverbot und der Pflicht, die Gäste in Hausstände zu separieren. „Wir haben die große Hoffnung, dass wir ab Juni, Juli wieder planen können. Und dass die Regel von fünf Quadratmeter pro Gast bald wegfällt“, sagt Holzhauer. An einem normalen Samstag seien im Renthof, einschließlich der Alten Brüderkirche, an die 250 Gäste zu versorgen. Keine 50 haben an diesem Abend reserviert. „Aber die sind glücklich“, sagt der Renthof-Gastronom.

Kaum Kunden: Probleme wegen den Corona-Regeln in Kassel

Das Problem mit Festgesellschaften hat auch Johannes Reinhold, Betreiber des „Falada“ in der Grimmwelt. Was hinzu kommt: Im Moment bleiben in dem Ausstellungshaus die Touristen aus. Obwohl es am Neustart-Wochenende fast keine Kundschaft gibt, musste Reinhold aber öffnen, weil der Bewirtschaftungsvertrag das so vorsieht. „Für uns wäre ein klarer Shutdown besser als das, was wir jetzt machen“, sagt er. Reinholds Hoffnung richtet sich auf gutes Wetter rund um Himmelfahrt: Ab kommendem Mittwoch, 15 Uhr, soll der Biergarten auf dem Weinberg wieder geöffnet werden, samt dem Café- und Kuchenangebot des Falada.

In den Außenbereichen etlicher Kasseler Lokale herrscht am Samstag nach längerer Zeit wieder Gästebetrieb. Vor der Kneipenzeile an der Friedrich-Ebert-Straße sitzen die Gäste am frühen Abend so zahlreich um die Bistrotische, dass besser kein Corona-Sheriff mit dem Zollstock kontrolliert.

Corona-Regeln: Persönliche Daten in Kassel angeben 

Räumlich lockerer geht es zu im Gastgarten des Restaurants Denkmahl an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/ Querallee. Betreiber Sascha Kovacs hat innen und außen alles coronagerecht gemacht für 50 Gäste, die für diesen Abend reserviert haben.

QR-Code fürs Handy statt Speisekarten-Mappe: So wie Sascha Kovacs vom Restaurant Denkmahl organisieren das momentan viele Kasseler Gastronomen. Die neuen Corona-Regeln machen die Gastronomen kreativ. 

Einige Tische sind schon besetzt, wer eincheckt, muss ein Formular mit persönlichen Daten ausfüllen. „Da stutzt jeder erst mal ein bisschen“, beschreibt Kovacs die gängige Reaktion auf die Sicherheitsmaßnahme, die zwecks Infektions-Nachverfolgung vorgeschrieben ist. 

„Wir müssen vielen erklären, dass wir die Daten zwei Wochen lang aufheben müssen.“ Wie auch der Renthof und viele andere Lokale hält das Denkmahl ein Blatt mit QR-Codes bereit. Per eigenem Smartphone können sich die Gäste damit das Speisen- und Getränkeangebot anzeigen lassen, ohne eine Menü-Mappe anfassen und herumreichen zu müssen. Hat jemand kein Handy oder ist der Akku leer, so bekommt dieser Gast einen einfachen Papier-Ausdruck des Menüs. „Die Zettel schmeißen wir dann anschließend weg“, sagt Kovacs.

Corona-Regeln: Kein Sonntagsbrunch im Denkmahl in Kassel

Seine Gäste können mit dem Neustart unter Auflagen aus dem gewohnten Angebot wählen. Nur der Sonntagsbrunch im Denkmahl sei vorerst eingestellt, weil es momentan keine Buffets geben darf. Kovacs hofft, dies im Lauf des Juni wieder anbieten zu können, „wenn es bis dahin eine Lockerung geben sollte.“

Von Axel Schwarz 

Alle aktuellen Informationen zur Corona-Krise in Kassel und Nordhessen finden Sie im Corona-Ticker

Welche Corona-Regeln gilt es bei einem Restaurantbesuch zu beachten? Alles zu Maskenpflicht, Reservierung und Persönlichen Daten. 

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