Coronavirus und Kassel: Irritation um Betreuung bei Tagesmüttern

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Bot Montag noch Betreuung an: Tagesmutter Ronja Hoyer ging mit ihrer Tochter Luca (von links) und den Tageskindern Louis und Juri nach draußen.

Betreuen oder nicht betreuen? Das war für viele Tagesmütter in Kassel über das Wochenende und am Montag die große Frage – und für die Eltern, deren Kleinkinder von einer Tagesmutter betreut werden.

Am Freitag hatte die Stadt in einer Pressekonferenz mitgeteilt, Tageseltern seien von dem Betreuungsstopp nicht betroffen, weil sie nur bis zu fünf Kinder aufnehmen. Laut der Verordnung des Landes Hessen jedoch gilt die Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen auch für Tageseltern.

Die Folge: Einige Tagesmütter boten am Montag noch Betreuung an, weil sie nichts Gegenteiliges vom Jugendamt gehört hatten. Ronja Hoyer wollte vor allem den Eltern noch einen Tag Aufschub geben, sich zu organisieren. Zwei der vier Kinder, sie normalerweise betreut, wurden noch zu ihr nach Wahlershausen gebracht. Ab heute wird sie nur noch ihre eigenen Kinder betreuen.

Die unklare Lage bekam auch Anja Lange, Vorsitzende des Vereins Tagesmütter Kassel, zu spüren: „Bei uns sind die Telefone heiß gelaufen“, berichtet sie. 50 der insgesamt 90 Tageseltern in Kassel sind dem Verein angeschlossen. Rund 370 Kinder im Alter bis 3 Jahre werden in Kassel von Tageseltern betreut. Das entspricht etwa jedem fünften Platz im U3-Bereich.

Am späten Montagvormittag seien alle Tageseltern vom Fachdienst Tagespflege informiert worden, teilte ein Sprecher der Stadt gestern auf HNA-Anfrage mit.

Es werde genauso verfahren wie in den Kitas: Nur Eltern, die in „versorgungskritischen Berufen“ arbeiten, also Ärzte, Pflege- und Rettungsdienstpersonal, Polizei- und Feuerwehr, können eine Notbetreuung in Anspruch nehmen. Das heißt im Klartext: Ab heute dürfen alle anderen Eltern ihre Kinder nicht mehr zur Betreuung bringen.

Anja Lange vom Tagesmütter-Verein befürwortet den Betreuungsstopp. Kleinkinder könnten auch Überträger des Virus sein. „Fünf Kinder, zu denen zwei Eltern, Geschwister und soziale Kontakte gehören: Das ist dann wie ein Schneeballprinzip.“ Gleichzeitig bedauere sie die Konsequenzen der Betreuungspause für die Kinder und die Eltern. „Wir jubeln keineswegs, dass wir frei haben.“

Viele der selbstständig arbeitenden Tagesmütter seien in Sorge, welche finanziellen Folgen die Zwangspause für sie habe. Hier gab die Stadt Kassel auf Anfrage Entwarnung: „Die Zahlungen an die Tagespflegepersonen erfolgen weiter, es entstehen ihnen keine finanziellen Nachteile.“ Ob und in welcher Höhe Eltern Betreuungskosten erstattet bekommen, ist derzeit noch nicht geklärt, sagte der Stadtsprecher: „Alles zu seiner Zeit.“

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