Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt

In der Coronakrise: Tausende Kurzarbeit-Anzeigen in der Region

Detlef Hesse, Leiter Agentur für Arbeit Kassel

Die Coronakrise bremst den heimischen Arbeitsmarkt aus. So ist die Nachfrage nach Kurzarbeit in den vergangenen Wochen im Bezirk der Agentur für Arbeit in Kassel um ein Vielfaches gestiegen.

Fragen und Antworten rund um die aktuellen Entwicklungen:

Spiegeln sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits in den aktuellen Arbeitsmarktzahlen wider?

Nein, denn die Werte werden jeweils in der Mitte des Berichtsmonats erhoben. Im März war das laut der Arbeitsagentur in Kassel ein Zeitpunkt, als die Belastung des Arbeitsmarktes erst begonnen und zunehmend Fahrt aufgenommen hat. „Frühestens Ende April und in den Folgemonaten lässt sich diese Entwicklung statistisch wieder abbilden“, betont Agenturchef Detlef Hesse.

Wie hoch war die Arbeitslosenquote im März vor der Coronakrise?

Die Statistik weist für den März im Agenturbezirk Kassel, zu dem Stadt und Landkreis Kassel sowie der Werra-Meißner-Kreis zählen, eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent aus. Im Vormonat waren es 5,5 Prozent. Binnen Monatsfrist sind die Arbeitslosenzahlen demnach um 489 Personen auf 15 458 Jobsuchende gesunken. Vor der Coronakrise zeigte sich der Arbeitsmarkt in der Region also noch robust.

Wie wirkt sich die Pandemie aktuell auf den Arbeitsmarkt aus?

Wegen der Coronakrise haben der Arbeitsagentur zufolge viele heimische Unternehmer für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt. Für den Agenturbezirk Kassel sind einer Hochrechnung zufolge bislang schon zwischen 3100 und 3200 Anzeigen eingegangen.

Wie viele Mitarbeiter sind davon betroffen?

Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Wenn Betriebe Kurzarbeit planen, müssen sie diese bei der Arbeitsagentur zunächst anzeigen. Damit starten sie das formale Verfahren, damit Beschäftigte Kurzarbeitergeld erhalten. Wie viele Arbeitnehmer in den Betrieben betroffen sein werden, wird statistisch erst erfasst, wenn tatsächlich kurzgearbeitet wurde. Aktuell sind die Anzeigen der einzige Anhaltspunkt.

Droht der Arbeitsmarkt einzubrechen?

„Wir rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen“, sagt Hesse. Den Umfang könne man frühestens in einem Monat absehen, so der Arbeitsmarktexperte.

Was rät die Arbeitsagentur den betroffenen Beschäftigten und Unternehmen?

Den Arbeitnehmern rät Hesse, sich gut darüber zu informieren, bei welcher Behörde – also etwa bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter – sie welche Leistungen beantragen können. Auch den Unternehmen empfiehlt er, sich über die Liquiditätshilfen von Bund und Ländern zu informieren.

Wie ist die Arbeitsagentur aktuell erreichbar?

Zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern ist die Behörde derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Agenturchef Hesse weist aber darauf hin, dass die Mitarbeiter nach wie vor über Hotlines und eService-Angebote erreichbar sind. „Anträge sollten bestenfalls online gestellt werden“, betont er. So sei eine schnelle Bearbeitung möglich.

Wie ist Arbeitsagentur aufgestellt?

Die Behörde habe sich intern neu organisiert, um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden, so Hesse. „Vor allem die Beratungsteams für Kurzarbeit sind personell deutlich aufgestockt worden und arbeiten in mehreren Schichtdiensten vom frühen Morgen bis in den späten Abend. Normale Bürozeiten gibt es bei uns aktuell nicht“, erläutert der Agenturchef. So werde allein die Zahl der Mitarbeiter, die zum Thema Kurzarbeit beraten, bis Ende der Woche von zwölf auf 120 verzehnfacht. Sorgen um die Bewilligung seiner Leistungen müsse sich niemand machen. „Geldleistungen sind sichergestellt“, betont Hesse.

Von Nicole Schippers

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