Väter-Netzwerk fordert Stopp des Umgangsboykotts

Corona als Waffe: So setzen getrennte Eltern das Virus gegen Ex-Partner ein

Noch mehr Konflikte: Wegen Corona setzen manche Eltern das Umgangsrecht aus. Dabei ist es von den Kontaktbeschränkungen nicht getroffen.
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Noch mehr Konflikte: Wegen Corona setzen manche Eltern das Umgangsrecht aus. Dabei ist es von den Kontaktbeschränkungen nicht getroffen.

Für getrennte Familien bedeutet die Coronakrise noch mehr Konflikte. Väter klagen, dass ihre Ex-Partner ihnen den Umgang mit ihren Kindern verweigern. Experten haben einen Rat.

  • Die Corona-Krise führt auch zu mehr Konflikten bei Ex-Partnern
  • Manche Eltern setzten das Umgangsrecht aus
  • Vätergruppe in Kassel: Umgang mit Kindern sollte nicht verweigert werden

Kassel - Ein Vater, der sein Kind seit Februar nicht gesehen hat, und ein Sohn, der von Mutter und Schwester an Ostern festgehalten wurde, damit er seinem Papa an der Tür nicht „Hallo“ sagen kann – mit solchen Schicksalen versucht das Väter-Netzwerk, auf ein bislang kaum beachtetes Problem in der Corona-Krise aufmerksam zu machen.

Wegen des Virus würden viele getrennt lebende Mütter ihren Ex-Partnern den Umgang mit dem gemeinsamen Kind verweigern. „Umgangsboykott stoppen“, twittert der Verein aus Nürnberg.

Kassel: Mehr Konflikte bei getrennt lebenden Eltern in Corona-Krise 

Dabei hat die Bundesregierung längst klargestellt, dass das Umgangsrecht von den Kontaktbeschränkungen nicht betroffen ist, wie auch Achim Mathusek von der Vätergruppe Kassel unterstreicht: „Es wäre für die Kinder schlimm, wenn der Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil auch noch wegfällt.“ 

Und der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Familiengerichtstages, Mathias Grandel, hat klargestellt, dass „es keinen Grund gibt, allein wegen der Kontaktbeschränkungen den Umgang eines getrennt lebenden Elternteils mit seinem Kind auszusetzen“. Ein Grund dafür wäre allenfalls, wenn es einen Covid-19-Fall in der Familie gibt.

Kassel: Umgangsboykott - "Corona ausnutzen, um den Umgang auszusetzen"

Weder bei der Kasseler Vätergruppe noch bei den Beratungsstellen haben sich bislang Eltern gemeldet, die über einen Umgangsboykott des Ex-Partners klagen. Trennungsberaterin Cornelia Krey von Pro Familia kann sich jedoch gut vorstellen, dass „manche Corona ausnutzen, um den Umgang auszusetzen. Das wird auch die Familiengerichte beschäftigen.“

Wie bei allen Konfliktthemen nach einer Trennung hält sie es für sinnvoll, sich zusammenzusetzen – gerade wenn ein Elternteil weit entfernt lebt. „Das Kind sollte bei solchen Fragen miteinbezogen werden“, rät Krey.

Das hängt aber natürlich auch vom Alter ab. Grundsätzlich braucht ein Kind beide Eltern, sagt Anett Katharine Anders vom Kasseler Familienberatungszentrum (Kava): „Wenn ein dreijähriges Kind den Vater nicht sieht, kann es das nicht einschätzen. Es wird denken: ,Der Papa liebt mich nicht.“

Kassel: Beziehungen zwischen Ex-Partnern wegen Corona noch schwieriger 

Laut Mathusek von der Vätergruppe werden Beziehungen, die bislang schon schwierig waren, nun noch mehr Probleme haben: „Da kann Corona als Waffe eingesetzt werden.“

Achim Mathusek, Vätergruppe Kassel

Trotzdem können Eltern auch jetzt das Beste für ihre Trennungskinder tun, von denen es bundesweit 1,5 Millionen gibt. Sind Väter oder Mütter nicht in der Lage, sich mit ihrem Nachwuchs daheim zu treffen, könne man spazieren gehen oder im Park Uno spielen, rät Pro-Familia-Beraterin Krey.

Und ihre Kollegin Anders sieht in der derzeit angespannten Lage sogar eine langfristige Chance für das Miteinander der getrennten Eltern: „Wenn man so eine Krise meistert, kann das einer Beziehung auch helfen.“

Die Vätergruppe Kassel bietet dienstags (0561/450 106 46) sowie donnerstags (0561/52 62 37) jeweils von 19 bis 20 Uhr telefonische Sprechstunden an.

Von Matthias Lohr

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