Kaltnebel statt Wischmopp

So arbeiten Reinigungskräfte in Zeiten von Corona

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Auch für Reinigungsfirmen hat sich in Zeiten von Corona viel verändert: Oliver Büsterfeld (Gruhl & Kunze Gebäudemanagement) desinfiziert den Innenraum eines Fahrzeugs mit dem Kaltnebel Aerosol. 

Die Corona-Krise trifft auch Reinigungsfirmen aus Kassel. Reguläre Aufträge fallen weg, dafür werden andere nun mehr nachgefragt.

Kassel - Das Coronavirus hat unseren Alltag verändert. Auch die Auftragslage für Reinigungsfirmen ist anders. Jetzt werden Lkw und Praxen desinfiziert statt Geschäfte geputzt. 

Für Christoph Gruhl, Geschäftsführer der Reinigungsfirma Gruhl & Kunze Gebäudemanagement, und seine Mitarbeiter hat die Corona-Pandemie deutliche Auswirkungen. Mittlerweile hätten viele Kunden der Reinigungsfirma ihre Betriebe geschlossen, sagt Gruhl – aufgrund behördlicher Anordnung aber auch zum Teil eigenständig präventiv.

Kassel: Reinigungsfirmen haben mit Corona zu kämpfen - Umsatzeinbußen

Dies habe dazu geführt, wie in vielen anderen Branchen auch, dass das Unternehmen durch den Ausfall der regulären Reinigungsarbeiten mittlerweile mit erheblichen Umsatzeinbußen zu kämpfen habe, sagt Gruhl. Ein Teil der knapp 70 Mitarbeiter, die in Teil- beziehungsweise Vollzeit bei dem Unternehmen arbeiten, hätten deshalb in Kurzarbeit geschickt werden müssen.

Auf der anderen Seite gebe es aber auch einen Zuwachs an Aufträgen. Es gebe vermehrt Anfragen nach Desinfektionsartikeln sowie Desinfektionsmaßnahmen. Besonders nachgefragt seien Desinfektionen von Objekten. Pro Tag gebe es derzeit etwa zehn Aufträge, um Büros, Produktionsbereiche, Praxen, Lkw-Fahrerkabinen, Pkw-Innenräume, Hotelzimmer oder Lebensmittelbetriebe zu desinfizieren. Entweder, weil sich dort eine infizierte Person aufgehalten habe oder einfach aus Prävention. 

Kassel: Vermehrt Desinfektionen wegen Corona - Kaltneben statt Wischmopp

Als zertifizierter Betrieb biete das Unternehmen sowohl Nasswisch- und Scheuerdesinfektionen als auch Raumdekontaminationen mittels einer Raumvernebelung mit Kaltnebel an, so Gruhl. Der sei übrigens zu 99,9 Prozent biologisch abbaubar und könne deshalb auch in Lebensmittelbereichen eingesetzt werden. Diese Aufträge könnten zwar den Verlust der weggefallenen Arbeiten nicht ausgleichen, aber das Unternehmen freue sich, wenn es mit der Desinfektionsmaßnahmen die Infektionsrate eindämmen könne. 

Gruhl geht davon aus, dass die Nachfrage weiter steigt. Diese Desinfektionsarbeiten mit Kaltnebel würden nur von gelernten Gebäudereinigern oder speziell geschultem Personal vorgenommen. Bei der Vernebelung tragen sie Arbeitsschutzanzüge, Atemschutz und Sichtschutzbrillen. Jeden Abend würden die Fahrzeuge der Reinigungsfirma mit dem Nebel desinfiziert, so Gruhl.

Kassel: Wegen Corona-Pandemie - Schutzkleidung für Reinigungskräfte

Wie werden Reinigungskräfte in Krankenhäusern vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt? Wir haben exemplarisch bei den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel (Dikanonissenkrankenhaus) und im Klinikum Kassel nachgefragt. Die 56 Reinigungskräfte, die für die Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel arbeiten, gehören der Agaplesion Reinigung Süd an, welche eine Servicegesellschaft der Agaplesion gAG ist, so Pressesprecherin Lena Goldmann. Den Reinigungskräften stünden, wie bei allen Infektionskrankheiten, die nötigen Schutzmaterialien zur Verfügung, welche sie zur Zimmerreinigung nutzen. Goldmann merkt an, dass die Reinigungskräfte natürlich mit den Patienten nicht im selben Kontakt stehen wie eine Pflegekraft und somit auch einem viel geringerem Risiko ausgesetzt seien. „Die nötigen Schutzmöglichkeiten stehen aber jederzeit zur Verfügung.“

Am Klinikum Kassel arbeiten zur Zeit 212 Reinigungskräfte, die über die GNH-Tochter ökomed GmbH angestellt sind. Damit die Beschäftigten während ihrer Arbeit bestmöglich geschützt sind, erhielten sie entsprechend der Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) regelmäßige Schulungen, so Sprecherin Nina McDonagh. Dazu gehörten einmal jährliche Schulungen zu reinigungsspezifischen Themen, aber auch kurzfristig anberaumte und themenbezogene Schulungen wie zum Beispiel der Umgang mit Flächendesinfektionsmitteln, Arbeitskleidung, vom RKI aufbereitete Wischbezüge und Oberflächentücher.

„Selbstverständlich steht unseren Reinigungskräften je nach Arbeitsbereich und individuellen Bedürfnissen die entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung. Damit folgen wir den Vorgaben des Rahmenhygieneplans und den Empfehlungen des RKI. Im Übrigen hatten wir dies auch vor der Corona-Pandemie etabliert“, so die Sprecherin. Die Mitarbeiter, die zu einer Risikogruppe gehören, arbeiteten am Klinikum in den Bereichen, die nicht gefährdet sind.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt in Stadt und Landkreis Kassel steigt weiter an. Täglich werden neue Fälle bestätigt.

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