Sie hält den Laden sauber

Paty Vasiliu arbeitet als Reinigungskraft im Klinikum und vermisst ein Dankeschön

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Auch Putzfrau ist ein systemrelevanter Beruf: Reinigungskraft Paty Vasiliu.

Menschen wie Paty Vasiliu werden in diesen Tagen oft vergessen. Das sagt zumindest Paty Vasiliu.

Die 44-Jährige arbeitet als Reinigungskraft im Kasseler Klinikum und freut sich, dass sich so viele bei Ärzten und Pflegern bedanken, die gegen Corona kämpfen, aber niemand bei denen, die den Laden sauber halten. „An uns denkt keiner. Ich bin sehr traurig und enttäuscht“, sagt Vasiliu.

Darum hat die gebürtige Rumänin ein Video aufgenommen. Darin gesteht sie ihren Facebook-Freunden, dass sie Angst hat wegen Corona. Sie rät aber auch, dass wir nicht ständig an das Virus denken sollen.

Vasiliu ist stolz darauf, dass sie eine Putzfrau ist, wie sie selbst sagt. Es ist ein systemrelevanter Beruf, denn ein Krankenhaus muss sauber sein. Sonst kann niemand gesund werden. „Ohne Sauberkeit kannst du nichts machen“, sagt Vasiliu. Wenn sie im Internet einen Mann kennenlernen will, sagt sie, dass sie im Klinikum arbeitet. Erzählt sie ihm, was sie dort macht, war es das meist mit dem Flirt.

Reinigungskraft, wie der Beruf im Amtsdeutsch heißt, ist nicht die angesehenste Tätigkeit. Dabei träumte Vasiliu schon als Mädchen davon, Zimmermädchen in einem Hotel zu sein. Stattdessen arbeitete sie in ihrer Heimatstadt Bukarest in der Werbebranche. Dann brannte das Haus ihrer Familie ab. Vasiliu lebte erst auf der Straße, ehe sie auf der Suche nach einem besseren Leben nach Deutschland zog. Hier lernte sie ihren Mann kennen. Die Ehe hielt zehn Jahre. Nach der Scheidung kam eine Depression.

Man sieht Vasiliu an, dass nicht alles glatt lief in ihrem Leben. Auf ihren rechten Arm hat sie sich eine große Rose tätowiert – ein Symbol für das Leben, das oft schön ist, aber auch schmerzen kann.

Seit vorigem Jahr macht Vasiliu in der Urologie des Klinikums sauber. Sie sagt, dass sie in ihrem ganzen Leben noch nie so nette Kollegen hatte wie jetzt im Klinikum. Manchmal schenkt sie Patienten Schokolade: „Ich mache sie für fünf Minuten glücklich.“ Wenn sie sagt, dass sie jeden Tag Freude an ihrer Arbeit hat, fragt man sie: „Wirklich?“ Und wenn sie „wirklich“ sagt, glaubt man es ihr. Ihren Facebook-Freunden hat sie gesagt, dass Corona vorbeigeht. Man möchte ihr auch das glauben.

In ihrer Wohnung in Wehlheiden lebt Vasiliu mit ihrem Hund, einem Mini Bolonka. Derzeit ist auch ihre 70-jährige Mutter da, die in Deutschland zu Besuch war und nun erst einmal nicht nach Hause kann. Auch der erzählt sie von ihrem Traum. Sie würde gern eine Hundepension aufmachen. Und sie würde gern in einer Welt leben, in der man auch Reinigungskräften Danke sagt.

Darum sagen wir hier allen, die gerade in diesen Zeiten Kliniken, Schulen und alles andere sauber halten: Dankeschön.

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