Fahrende Ärzte nur stationär

Trotz Corona: Hilfe für Obdachlose bleibt bestehen

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Weiter geöffnet bleibt die Humanitäre Ambulanz im Diakonissenhaus (Symbolbild).

Wie andere Hilfsangebote für Bedürftige, die auf der Straße leben, sind auch die Fahrenden Ärzte vom Versammlungsverbot wegen der Coronakrise betroffen.

Ihr regelmäßiger Montagstermin an der Martinskirche, bei dem auch eine Suppenküche geöffnet hat, sowie ihr Donnerstagstermin an der Gießbergstraße, zu denen viele Wohnungslose und Drogenkranke in die mobile Arztpraxis kommen, sind bis auf Weiteres abgesagt.

Weiter geöffnet, so Initiator Dr. Gero Moog, bleibe dagegen die Humanitäre Ambulanz im Diakonissenhaus. Jeden Dienstag von 18.30 Uhr bis 20 Uhr können sich dort Menschen, die eine ärztliche Betreuung benötigen, einfinden, auch wenn sie keinen Versicherungsschutz vorweisen können. Moog, sein Helferteam und mehrere ehrenamtliche Kollegen sind weiter für die Patienten da.

„Die Sprechstunde wird weiterhin gut angenommen und zeigt, wie wichtig sie in diesen Tagen ist“, sagt Moog. Auch wenn die Patientenbesuche seit der Kontaktsperre etwas geringer geworden seien, kämen regelmäßig sechs bis zehn Patienten in die Sprechstunde.

Nicht mehr darunter sind Prostituierte aus Südosteuropa, die gewöhnlich auch zu den Patienten gehören. „Die Frauen sind, soweit wir das feststellen können, noch bevor die Grenzen geschlossen wurden, in ihre Heimatländer zurückgekehrt“, sagt Sozialarbeiterin Gabi Kubik von der Prostituiertenhilfe „Sichtbar“ vom Verein Frauen informieren Frauen.

Corona sei in der Humanitären Sprechstunde insofern ein Thema, als dass die Mediziner eine Menge Unwissen und Desinformation bei den verunsicherten Patienten feststellten. Moog: „Über die sozialen Medien verbreitet sich leider sehr viel Unsinn.“ Eine Kontaktsperre sei für viele Menschen auf der Straße nur schwer einzuhalten. Für Moog stehen deshalb Informationen zur Infektionsgefahr an erster Stelle.

Aber auch effektiver Schutz sei wichtig. Deshalb sind Moog und sein Team, das auch in Coronazeiten fest zusammenhalte, besonders froh über die Unterstützung, die sie zurzeit erfahren. Von der Apothekerin Bettina De Schrijver (Regenbogen-Apotheke in Kassel und Herkules-Apotheke in Vellmar) haben sie jetzt fünf Liter Desinfektionsmittel geschenkt bekommen. „Das können wir sehr gut gebrauchen“, sagt Krankenschwester Dagmar Dobischat. Bevor die Patienten den Wartebereich der Humanitären Sprechstunde betreten, können sie jetzt ihre Hände desinfizieren.

„Wir vertreiben seit kurzem Desinfektionsmittel der Firma Kemper aus Vellmar“, sagt Apothekerin De Schrijver. Der Chemiebetrieb hatte kürzlich die Genehmigung bekommen, das in Corona-Zeiten so begehrte Produkt herzustellen. „Und weil es mir schon immer eine Herzensangelegenheit ist, die Fahrenden Ärzte zu unterstützen, bekamen sie von mir fünf Liter, in kleine Flaschen abgefüllt, gespendet“, so De Schrijver.

Auch über eine weitere Spende, hundert Mundschutzmasken, die das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun gespendet hat, haben sich die Fahrenden Ärzte gefreut, so Moog. Eingefädelt hatte die Unterstützung Kassels Sozialdezernentin Ilona Friedrich.

Die Räume für die Humanitäre Sprechstunde stellt die Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus dem Kasseler „Förderverein für Arbeit mit abhängigkeitskranken Menschen und Obdachlosen – Fahrende Ärzte“, so die offizielle Bezeichnung, zu einem „angemessenen Mietpreis“ zur Verfügung.

Mehr Informationen zu Corona in Kassel:

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