Wiedersehen hinter Plexiglas: Bewohner des Aschrottheims dürfen wieder Besuch empfangen

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Nachdem sich das Ehepaar Bredow wochenlang nur durch ein Loch in der Hecke sehen konnte, dürfen sie sich nun einmal pro Woche eine Stunde im Haus sehen – so wie Bewohnerin Antonie Werther und ihre Tochter Ursula Thi mme.

„Ganz toll“ war es, das Wiedersehen von Anneliese und Oswald Bredow. Gleich am Montag besuchte der 86-Jährige seine Ehefrau im Aschrottheim – an dem Tag, wo das Besuchsverbot gelockert wurde.

„Und wie sie sich gefreut hat“, sagt Bredow weiter. Und er auch, das merkt man ihm an. Seitdem er seine Frau wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in dem Seniorenheim für Frauen besuchen darf, ist er täglicher Zaungast, nutzt eine Lücke in der Hecke als Möglichkeit in Kontakt zu treten. Statt der Distanz von mehr als zwei Metern darf der 81-Jährigen nun, geschützt durch eine Plexiglasscheibe und Mundschutz, ganz nah sein. „Und dann reden wir über das, was sich am Tag so ergibt und über die Kinder.“ Die Tochter und der Sohn – beide stehen aktuell vor der Herausforderung, die Betreuung der teils noch kleinen Kinder mit dem Beruf zu vereinbaren – würden wohl erst einmal nicht vorbeikommen.

Das würde zudem bedeuten, dass Bredow selbst in der jeweiligen Woche nicht kommen dürfte. Die Verordnung sieht vor, dass jeder Bewohner pro Woche einmal eine Stunde von einem Angehörigen besucht werden darf. Seit Start der Lockerung am Montag wurde laut Geschäftsführer Peter Grunwald rege Gebrauch davon gemacht. „Gerade zum Muttertag hin werden wir wohl an unsere Kapazitätsgrenze stoßen.“

Besuche am Zaun waren wochenlang die einzige Möglichkeit für das Ehepaar, sich zu sehen.

Pro Etage habe man einen Aufenthaltsraum eingerichtet, in dem am Tag fünf Besuche stattfinden können. Die zehn Begegnungsräume würden also insgesamt 50 Besuche am Tag ermöglichen. Man werde nun noch Eieruhren besorgen, damit Bewohner und Angehörige selbst ein Gefühl haben, wann die Stunde vorbei ist, sagt Grunwald. „Allerdings die modernen Uhren ohne Ticken.“ Die Besuche würden nicht beaufsichtigt, aber bei offener Tür stattfinden, damit die Einhaltung der Hygienevorschriften gewährleistet sei. „Das ist jetzt die große Gefahr, dass man denkt, man wiegt sich nun in Sicherheit. Aber das ist eben noch lange nicht der Fall.“ Für Oswald und Anneliese Bredow ist die eine Stunde in der Woche immerhin ein kleiner Lichtblick. „In jedem Fall ist es besser als an der Hecke.“ Und um die Tage bis zum nächsten Wiedersehen zu überbrücken, greift er dann eben doch noch täglich auf die Zaunlösung zurück.

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