Große Telefonaktion von KVG und HNA vor der Umstellung

Countdown läuft: Neue Strecken für Kasseler Busse und Trams ab 25. März

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„Einfach, schnell, nah“: Mit diesem Slogan wirbt die KVG für die am Sonntag startenden Kasseler Linien.

Kassel. Der Countdown läuft: Nach rund drei Jahrzehnten stellt die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) am nächsten Sonntag ihr Liniennetz komplett um. Vorher hat die KVG zusammen mit der HNA eine große Telefonaktion gestartet.

Ab 25. März werden die Busse und Straßenbahnen in Kassel auf neuen Strecken sowie mit geänderten Takten und Zeiten unterwegs sein. 

Über die Kasseler Linien wird seit mehr als drei Jahren kontrovers diskutiert. Der Umstellungstermin steht seit Anfang des Jahres. Doch sind die Neuerungen längst noch nicht allen Nutzern bekannt. Das ist ein Ergebnis der HNA-Telefonaktion am Dienstag mit zwei KVG-Experten. Die Telefone klingelten in den eineinhalb Stunden pausenlos. 

Information tut Not, zumal von der Liniennetzreform quasi jeder Haushalt in Kassel betroffen ist. Im Mittelpunkt der Anfragen, die den KVG-Betriebsplanern gestellt wurden, standen erwartungsgemäß die Buslinien. Sorge bereitet unter anderem der Wegfall der bisherigen Linie 12 zwischen Brückenhof und Rothenberg. Kritisiert wurde etwa der ausgedünnte Takt von Nordshausen in Richtung Druseltal. 

Wo Busverbindungen wegen geringer Auslastung wegfallen, bietet die KVG künftig Anruf-Sammel-Taxi (AST)-Verkehre an – zum Beispiel im Bereich Oberzwehren, Niederzwehren und Lindenberg/Forstfeld. Bei vielen Anrufern stößt dieses Angebot jedoch auf Skepsis. Ihnen ist noch immer unklar, wie das AST-System funktioniert und welche Kosten damit verbunden sind (Erklärung weiter unten im Artikel). 

Wo hält künftig mein Bus? Wo muss ich umsteigen? Gibt es keine schnellere Verbindung? Auf die meisten Fragen gaben die KVG-Planer Michael Gunkel und Jörg Bader eine rasche Antwort. Deutlich wurde bei der HNA-Telefonaktion aber auch, dass vor allem ältere Menschen noch großen Informationsbedarf haben, weil sie die KVG-Hinweise im Internet – etwa den digitalen Netzplan – nicht nutzen können. Sie brauchen Informationen in gedruckter Form oder per Telefon.

Experte für die Buslinien: Michael Gunkel.

Telefonaktion: Telefon klingelte pausenlos

Mitunter dauert nicht nur ein Fußballspiel 90 Minuten, sondern auch eine Telefonaktion zum Thema Netzreform der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG). Kaum hatte einer der beiden Experten Jörg Bader und Michael Gunkel den Hörer aufgelegt, da klingelte es schon wieder. Was unsere Leser interessierte – einige Fälle:

  • Die Buslinie 24 fällt weg. „Wie soll ich jetzt vom Bundessozialgericht am Graf-Bernadotte-Platz nach Hause kommen?“ wollte eine Harleshäuserin wissen. Betriebsplaner Gunkel: „In Zukunft können Sie mit der neuen Linie 12 bis zur Bardelebenstraße fahren.“ „Direkt?“ fragte die Harleshäuserin nach. „Direkt durch“, sagte Gunkel. Antwort: „Das ist ja stark.“
  • Ob er mit seinem Elektro-Scooter mit dem Bus zur Holländischen Straße nach Kassel komme, fragte ein Mann aus Vellmar. Die Busse der Linie 44 seien für die Mitnahme von Elektro-Scootern geeignet, versicherte Gunkel.
  • Nach Ersatz für die Linie 12 fragten mehrere Anrufer. So auch ein Mann, der von der Treysaer Straße in der Rothenberg-Siedlung zur Mauerstraße in die Innenstadt fahren will. Statt der Linie 12 könne er künftig die Buslinie 16 nutzen, erklärte Gunkel. Und das zur gewohnten Uhrzeit. „Gott sei dank, dann weiß ich Bescheid“, meinte dazu der Rothenditmolder.
  • Mehrere Anrufer wollten wissen, wo sie weiteres Informationsmaterial zu den neuen Fahrplänen bekommen – fernab des Internets. Dazu sagte Jörg Bader, dass entsprechende Broschüren in allen Kundencentern und Vorverkaufsstellen ausgelegt sind – in der Regel. Sollte das nicht der Fall sein, soll in den nächsten Tagen nachgebessert werden.
  • Petra Hanke (52) ist seit 40 Jahren Kundin der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft und findet es schade, dass die Linie 20 wegfällt. Trotzdem zeigte sie sich mit den Alternativen zufrieden, um zu ihrem Wohnort im Stadtbezirk Hasenhecke zu kommen. Selbst wenn sie umsteigen muss, lässt der Anschluss nicht lange auf sich warten. Das beruhigt sie, weil sie gerade abends nicht lange allein an einer Haltestelle warten möchte. Ihr Fazit, nachdem ihr Jörg Bader alle Möglichkeiten aufgezeigt hat: „Das hört sich gar nicht so schlecht an, wie ich gedacht habe.“
  • Ein Kunde bedauerte, dass es keine Haltestelle an der Hafenbrücke gibt. Das findet auch Jörg Bader schade, der aber Hoffnung macht. Es gäbe durchaus Verhandlungen, und es sei nicht ausgeschlossen, dass dort noch eine Haltestelle eingerichtet werde. Dass es in Zukunft keine direkte Verbindung von Rothenditmold zum Holländischen Platz gibt, das wird allerdings wohl so bleiben – zum Bedauern des Anrufers.
Experte für die Straßenbahnen: Jörg Bader während der Telefonaktion.

Dazu gab es die meisten Fragen

Von den meisten Anrufern wurden jene Bereiche des Liniennetzes angesprochen, bei denen sich das bisherige Angebot verschlechtern wird. Das ist nachvollziehbar, denn wenn eine Buslinie oder Haltestelle auf der gewohnten Strecke wegfällt, macht man sich Gedanken darüber, mit welchem Bus und von welchem Haltepunkt man künftig fahren könnte.

Ein Schwerpunkt bezog sich auf die bisherige Buslinie 12 zwischen Brückenhof und Rothenberg, die ab 25. März entfällt. Zwar gibt es weiterhin eine Linie 12, die führt aber künftig von Leipziger Platz über Auestadion, Bahnhof Wilhelmshöhe und Klinikum bis Weserspitze. Für einen Anrufer, der bislang vom Philosophen- zum Heideweg 15 Minuten benötigt, heißt das, er muss künftig zwei bis drei Mal für die gleiche Strecke umsteigen und braucht mindestens die doppelte Zeit. Kommentar des Anrufers: „Das ist eine Zumutung. Ich werde in Zukunft wieder mit dem Auto fahren.“

Nachgefragt wurde auch die bisherige Buslinie 27 zwischen Rothenditmold und Wolfsanger, die ebenfalls entfällt. Mehrfach angesprochen wurden ausgedünnte Taktzeiten – etwa von Nordshausen aus in Richtung Druseltal. Während die Linie 12 noch alle 15 Minuten fährt, wird die neue Linie 21 ab Sonntag auf dieser Strecke nur alle 30 Minuten unterwegs sein. Eine ältere Anruferin aus Nordshausen bedauerte dies: „Manche sind sehr enttäuscht darüber. Da muss man sich erst einmal wieder dran gewöhnen.“

Auch neue Probleme tauchten auf. So schilderte eine Mitarbeiterin die Schwierigkeit, dass sie durch Einstellung der bisherigen AST-Linie 16 das Auebad mit dem ÖPNV nicht mehr zum Dienstantritt (7 Uhr) erreichen kann. KVG-Planer Michael Gunkel: „Da kann ich mich nur entschuldigen. So früh wird es auf absehbare Zeit keine Verbindung geben.

Wie funktioniert das Anruf-Sammel-Taxi?

Viele Anfragen unserer Leser im Rahmen der Telefonaktion drehten sich um das Anruf-Sammel-Taxi, das die Experten nur AST nennen. Wir greifen sie an dieser Stelle auf und beantworten sie.

Was ist überhaupt ein Anruf-Sammel-Taxi?

Das ist im Fall der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) ein Minicar, das auf jenen Verbindungen zum Einsatz kommt, die nicht von Trams oder Bussen befahren werden – sei es, weil der Bedarf nicht so groß ist oder weil Busse und Straßenbahnen wegen einer Baustelle der Weg versperrt ist.

Wie funktioniert ein Anruf-Sammel-Taxi?

Die Verbindungen der Anruf-Sammel-Taxis sind eingebunden in den normalen Fahrplan der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft. Das heißt, es gibt festgesetzte Zeiten, zu denen die Taxis fahren. Allerdings müssen die Fahrzeuge vorher angefordert werden, sonst entfällt die Fahrt.

Wie lässt sich ein Anruf-Sammel-Taxi ordern?

Das geht telefonisch. Die Nummer des Anruf-Sammel-Taxis lautet dabei: 0561/8102381. Auch Online ist eine Bestellung möglich – über die Verbindungsauskunft auf der Internetseite der KVG: www.kvg.de. Wichtig dabei: 15 Minuten vor Abfahrt muss das Taxi bestellt sein. Ein Beispiel aus dem neuen Fahrplan: Es gibt einen Fahrplan für das Anruf-Sammel-Taxi 95 vom Platz der Deutschen Einheit zum Lossewerk. Für Montag bis Freitag sind darauf die Abfahrtszeiten zwischen 5.10 Uhr und 23.40 Uhr aufgeführt. Will ich das Taxi um 23.40 Uhr nutzen, muss ich es bis 23.25 Uhr geordert haben, sonst fährt es nicht.

Kann ich ein Anruf-Sammel-Taxi auch bestellen, wenn ich ganz allein bin?

Ja, insofern ist der Name vielleicht etwas verwirrend. Melden sich mehr als vier Personen für ein Taxi an, werden mehrere Fahrzeuge zur gewünschten Haltestelle geschickt.

Kostet das Anruf-Sammel-Taxi extra?

Nein. Innerhalb der Stadt Kassel muss der Kunde keinen Zuschlag bezahlen. Das normale Ticket gilt dann auch für die Nutzung des Taxis. Es ist im Übrigen auch möglich, direkt beim Fahrer ein Ticket zu kaufen – und zwar ohne Aufpreis.

Wo hält das Anruf-Sammel-Taxi überall? 

Auch die Haltestellen sind im Fahrplan für die Taxis festgehalten. In unserem Beispiel gibt es auf dem Weg vom Platz der Deutschen Einheit zum Lossewerk noch drei Haltestellen, die bei Bedarf angefahren werden: der KVG-Betriebshof, die Agathofstraße und die Königinhofstraße.

Sind die Anruf-Sammel-Taxis auch auf die Mitnahme eines Kleinkindes und eines Kunden mit Gehhilfe oder Rollstuhl eingerichtet?

Das sind sie, wenn bei der Bestellung darauf hingewiesen wird. In der Regel haben die Fahrzeuge eine Sitzerhöhung für Kleinkinder – und sie haben auch so viel Stauraum, dass ein Rollator oder auch ein Rollstuhl untergebracht werden können.

Wie viele KVG-Strecken gibt es, auf denen Taxis zum Einsatz kommen?

Insgesamt werden auf 20 Strecken teilweise oder komplett Taxis eingesetzt. Auch sie sind über die Internetseite der KVG einsehbar.

Weitere Informationen zu den Anruf-Sammel-Taxis gibt es auf dieser Internetseite der KVG

Aus unserem Videoarchiv: Historische Trams im Technikmuseum

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