Maklerprovision für Immobilien

Länder wollen, dass Vermieter zahlen - Makler fürchten Einbußen

Kassel. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg wollen nächste Woche im Bundesrat erreichen, dass künftig der Vermieter die Maklerprovision bezahlt. Nur wenn der Mieter den Makler beauftragt, solle er diesen zahlen. Kasseler Makler sind besorgt:

Wer in Kassel eine Wohnung sucht, der kommt um die Zahlung einer Maklerprovision von 2,38 Kaltmieten oft nicht herum.

Und mit dem knapper gewordenen Angebot haben sich die Spielregeln des Marktes verändert: Viele Vermieter beauftragen einen Makler mit der Vermietung und lassen die Kosten den neuen Mieter übernehmen.

Dies könnte sich mit der Bundesratsinitiative ändern.

Einige Vermieter, so ihre Befürchtung, könnten auf ihre Dienste verzichten, wenn sie diese selbst bezahlen müssen. Jens Jordan, Geschäftsführer von Jordan Immobilien, sieht den Bundesratsvorstoß negativ: „Sollte es so kommen, werden wir es am Anfang schwer haben.“

Er findet, die Makler werden zu Sündenböcken einer Entwicklung gemacht, die sie nicht zu verantworten hätten. „Das eigentliche Problem ist die Wohnraumknappheit. Die Stadt stellt nicht genügend Bauland zur Verfügung.“

Jordan sieht seine Branche mit Vorurteilen belastet: „Es ist kein einfaches Geschäft. Es ist nicht so, dass wir mal ein Wohnzimmer zeigen und dafür viel Geld bekommen.“

Anne Noetzel, Geschäftsführerin von Wohntraum Immobilien, befürchtet ebenfalls Einbußen. Sie glaubt aber, dass Vermieter, die anfänglich vielleicht den Makler einsparten, wieder auf sie zurückkommen werden. Makler würden den Vermietern viel Arbeit abnehmen.

Zunächst müsse aber abgewartet werden, ob und was sich gesetzlich ändere.

Dirk Goebel, Inhaber von Engel & Völkers, rechnet nicht zwangsläufig mit negativen Auswirkungen. „Für mich wäre es einfacher, wenn mein Auftraggeber die Courtage bezahlt.“ Viele Vermieter, so seine Vermutung, würden bei einer Gesetzesänderung ihre Kosten für den Makler auf die Kaltmiete aufschlagen.

„Wenn die Initiative durchkommt, dann wird mancher Makler daran verzweifeln“, sagt Gudrun Himmelmann, Geschäftsführerin von Bremer & Partner. Ihr Geschäft sei schwierig. Es seien in Kassel nur wenige Immobilien zur Miete oder zum Verkauf auf dem Markt.

„Wir müssen viel rennen, wenn wir unser Geld verdienen wollen.“

Dr. Hans-Jürgen Kampe von Hoesch-Kröger-Kampe glaubt, dass die Politik mit dem Vorstoß davon ablenken wolle, dass in den Städten versäumt worden sei, Bauland zur Verfügung zu stellen. Die Provisionen kämen manchem Mieter vielleicht hoch vor, aber es handele sich um Mischkalkulationen: Makler würden nicht nach Aufwand, sondern nach Erfolg bezahlt.

Das bedeute, dass mit der Provision auch die Arbeit bezahlt werden müsse, die Makler für Interessenten leisten, die sich letztlich für kein Angebot entscheiden.

Von Bastian Ludwig

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