"Wir feiern unseren 1. Mai"

CSD Kassel: Einstige Schwulen-Demo feiert Teilnehmerrekord

Hans-Jürgen Heller (von links) und Klaus-Peter Kurzrock aus Kassel nahmen am CSD teil.

Der Christopher Street Day in Kassel soll politischer werden. Das kam an in der queeren Szene. Mit 1300 Teilnehmern gab es am Samstag einen Rekord. Für manche war es jedoch zu bunt.

Für Frank Engelhardt war am Samstag so etwas wie Frühlingsanfang. Der 47-Jährige ist einer der Organisatoren des Christopher Street Day (CSD) in Kassel. Für die Parade der queeren Szene hat sich der Schwule als Matrose verkleidet. 

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Königsplatz ruft er zu den 1300 Teilnehmern: „Wir feiern unseren 1. Mai mit den Ausdrucksmitteln des Karnevals.“ Der Kasseler CSD war ein beeindruckendes Statement irgendwo zwischen Polit-Demo und Fasching. Drei Gründe, warum die einstige Schwulen-Demo auch 50 Jahre nach den legendären Aufständen von New Yorker Homosexellen noch gebraucht wird.

Als „Flirty Flamingo“ verkleidet: Martin Klenner.

1. Der Teilnehmerrekord 

2018 sah es so aus, als hätte der CSD den Herbst seiner Karriere erreicht. Er stand vor dem Aus. Der organisierende Verein löste sich auf. Dabei hatte es mit 800 Teilnehmern einen Rekord gegeben. Die neue Orga-Gruppe war darum überrascht, dass zum Neustart unter dem Motto „Wir wollen keine Grenzen“ nun 1300 Menschen auf die Straße gingen.

Das freute auch Uli Hagert. Die 68-jährige Kasselerin hat schon vor 20 Jahren Lesbenpolitik gemacht, wie sie sagt. Nun stellt sie fest: „Fridays for Future hat die jungen Leute auf die Straße gebracht.“ Tatsächlich sind viele Schüler unter den Teilnehmern, die für die gute Sache kostenlose Umarmungen verteilen und manchmal auch einen Kuss.

2.Die Vielfältigkeit

So bunt wie diesmal war der CSD vielleicht noch nie. Die Buchstaben der „LSBT*IQ-Netzwerkstelle“, in der die Organisatoren auch die 20. Auflage nächstes Jahr vorbereiten wollen, stehen für lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter und queer. Das Sternchen soll symbolisieren, dass auch innerhalb dieser Gruppen Vielfalt herrscht. Das ist manchen zu bunt.

Einige Homosexuelle der Gruppe „Gays and Friends“ tragen schwarze Sachen und ernste Mienen. Sie scheinen zum CSD so zu passen wie eine Dragqueen auf einen katholischen Kirchentag. Auf ihrem Schild steht: „Die Community ist queer, aber wir bleiben schwul.“

Manchmal bekämen sie von queeren Menschen zu hören, schwule, weiße Männer könnten nicht mehr diskriminiert werden.

Dabei seien sie im Alltag immer noch Anfeindungen ausgesetzt. Einer sagt: „Ich würde niemandem raten, Hand in Hand mit seinem Freund durch Kassel zu gehen.“

3. Die Diskriminierungen

Klaus-Peter Kurzrock ist seit der Premiere 1992 bei jedem Kasseler CSD dabei gewesen. „Hier habe ich nie böse Reaktionen erlebt“, sagt der 61-Jährige im schwulen Klischee-Leder-Outfit. Aber vor drei Jahren sei er nach der Frankfurter Parade von drei Türken verfolgt worden.

Ähnliche Erlebnisse kennen viele der Teilnehmer. Jasmine Hubenthal kennt sich mit Diskriminierungen am Arbeitsplatz aus. Die 49-Jährige war ein Mann, ehe sie sich „nach 25 Jahren Versteckspiel outete“. Heute lebt sie als lesbische Transfrau in Rotenburg. An der Arbeit muss sie jedoch weiter das Männerklo benutzen. „Wir brauchen Gesetze“, fordert sie neben anderen Rednern auf dem Königsplatz. Der Kasseler CSD, auf dem sie vor einem Jahr zum ersten Mal war, ist für sie Demo und Party: „Er ist der Jahrestag für mein hundertprozentiges Ich.“

Christopher Street Day 2019 in Kassel

 © Andreas Fischer
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