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Cyberkriminalität in Nordhessen: Die Gefährdungslage für Unternehmen ist hoch

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Von: Claudia Feser

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In Nordhessen werden kleine und mittelständische Unternehmen Opfer von Cyberangriffen, darunter Grundversorgungssysteme und die kritische Infrastruktur.

Kassel – Cyberangriffe aus dem Internet sind eine Realität, der sich auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region stellen müssen. Denn Hackerangriffe haben es auf Grundversorgungssysteme, kritische Infrastruktur abgesehen sowie das Unterbrechen von Geschäftsprozessen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schätzt die Gefährdungslage durch Cyberangriffe aktuell als sehr hoch ein. Im vergangenen Jahr habe es zeitweise die Alarmstufe Rot gegeben, teilt Pressesprecher Matthias Gärtner mit. In diesem Jahr sei die Lage noch angespannter.

„Cyberschutz ist für die Unternehmen zur Pflicht geworden“, sagt Kai Lorenz Wittrock, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kassel, die kürzlich zusammen mit der IHK eine Veranstaltung zum Thema Cyberschutz organisiert hatte. Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Denn: Unternehmen aller Größen und Branchen werden vermehrt Ziel von Cyberattacken, zum Teil mit Erpresserschadsoftware. Beispielsweise werden Kundendaten ausgespäht, gelöscht und verschlüsselt. Auch Kommunen sind Ziel von Hackern: Vor einem Jahr hat ein Cyberangriff die Verwaltung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) lahmgelegt, weshalb der Katastrophenfall ausgerufen werden musste.

Ein Mensch hackt sich in ein IT-System ein
Gefahr aus dem Internet: Immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen werden Opfer von Hackerangriffen, manche werden mit Schadsoftware erpresst. (Symbolbild) © picture alliance/Zoona

Cyberkriminalität in Nordhessen: Fälle in der Region

Im vergangenen Jahr wurde das IT-Netzwerk der Supermarktkette Tegut Ziel eines Hackerangriffs. Die Folge: Tagelang blieben Regale in den Tegut-Filialen auch in Nordhessen und Südniedersachsen leer. Denn insbesondere die Warenwirtschaftsprogramme der Zentrale in Fulda, die in der Logistik die Disposition steuern, waren von dem Hackerangriff betroffen.

Im Juni dieses Jahres hatten Unbekannte einen Angriff auf die Server der Kasseler Stadtreiniger verübt. Das Unternehmen war danach nur telefonisch und per Fax zu erreichen, der Online-Service zum Bestellen der Sperrmüllabholung war ausgefallen. Das sind nur zwei erfolgreiche Hackerangriffe in der Region. Versuche gibt es massenhaft.

Cyberkriminalität in Nordhessen: Täglich tausende Angriffe auf Edeka-Zentrale

„Die Geschicklichkeit der Hacker steigt immer mehr“, sagt Hans-Richard Schneeweiß, Hauptgeschäftsführer der Edeka Hessenring. In der Zentrale in Melsungen würden täglich Tausende Hackerangriffe dokumentiert. Nicht nur wegen des Cyberangriffs auf Tegut habe die Edeka Hessenring IT-sicherheitstechnisch weiter aufgerüstet. „Aber wir wähnen uns nicht in Sicherheit.“ Sollten die Firewalls und Schutzmechanismen nicht greifen, gebe es für den Fall der Fälle einen Notfallplan und Sicherungssysteme, damit die Grundversorgung mit Lebensmitteln durch die Edeka nicht ausgehebelt werde.

Hans-Richard Schneeweiß
Hans-Richard Schneeweiß © Claudia Feser

Im Falle eines Cyberangriffs würden die Mitarbeiter wieder von Hand arbeiten, kündigt Schneeweiß an: Wenn die Telefonanlage noch funktioniere, würden die Bestellungen der Märkte per Telefon durchgegeben, von Hand aufgeschrieben und in die Abteilungen des Warenlagers, zum Beispiel dem Trockensortiment oder dem Tiefkühllager übermittelt. Die Kommissionierer würden die Waren dann aus den Regalen holen. Bei der Edeka seien bis auf das Getränkeschwergut keine Roboter am Werk, „wir arbeiten im Zugriff auf die Ware noch sehr konventionell.“

Cyberkriminalität: Bundeswehr muss sich gegen Angriffe „hoher Komplexität wappnen“

Sehr professionell ist die Bundeswehr aufgestellt. 15.000 Soldaten arbeiten beim Kommando Cyber- und Informationsraum. Einer von ihnen ist Hauptmann Gerrit Opper aus dem Landkreis Kassel, der Referent der Cybersicherheit-Veranstaltung in Kassel war. Er sagt: „Die Bundeswehr ist im Internet den gleichen Bedrohungen ausgesetzt wie jede andere Organisation auch. Als potenzielles Hochwertziel muss sich die Bundeswehr aber auch gegen maßgeschneiderte Cyberattacken hoher Komplexität wappnen.“ Die Gefahr sei auch durch den Ukraine-Krieg gestiegen. Deutschland werde nicht nur auf dem Land, der Luft und auf der See verteidigt, sondern auch in der Gefechtsdimension Cyber- und Weltraum.

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Um Schwachstellen in den IT-Systemen der Bundeswehr zu orten, arbeitet sie mit externen IT-Sicherheitsforschern zusammen, sozusagen „guten Hackern“. Sie hacken sich ins System, suchen gezielt nach Schwachstellen und melden sie, bevor ein Angreifer sie missbrauchen kann. Die Bundeswehr gilt damit nach Meinung von Hauptmann Gerrit Opper als Vorreiter dieser Art von Schwachstellenmeldungen im Behördenumfeld. Wer als IT-Sicherheitsforscher mindestens drei IT-Schwachstellen bei der Bundeswehr gemeldet hat, wird von ihr ausgezeichnet. Der Erste, der diese Auszeichnung erhalten hat, ist der Kasseler Benjamin Kunz-Mejri von der Firma Evolution Security. (Claudia Feser)

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