d13: Weltkunstschau öffnet ihre Türen

Kunst aus Afghanistan im ehemaligen Elisabeth-Hospital: Das Gebäude an der Obersten Gasse ist eines der wenigen, das den Krieg überdauert hat.

Kassel. Eigentlich hat die documenta schon am Mittwoch begonnen. Seit der Pressekonferenz, zu der sich 2000 Teilnehmer aus aller Welt angemeldet hatten, bevölkert ein internationales Publikum die Stadt.

Richtig und offiziell los geht es aber erst heute, wenn der Bundespräsident die 13. documenta eröffnet. Angesichts der kaum zu überblickenden Vielzahl von Ausstellungsorten haben wir drei herausgesucht, die für das Kasseler Publikum besonders interessant sein könnten. Mit dem Weinberg und seinen Bunkeranlagen, dem früheren St.-Elisabeth-Hospital an der Obersten Gasse und dem früheren Kult-Kino Kaskade am Königsplatz macht die documenta drei Orte mit besonders viel Kassel-Geschichte zugänglich.

Lesen Sie auch

Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet heute die documenta 13

Der Weinberg. Die Bunker, die im Krieg Tausenden von Menschen Schutz vor den Bombenangriffen der Alliierten boten, sind normalerweise nicht zugänglich. Die documenta bespielt jetzt Teile davon. In die Bunker darf man nur mit Helm. Den bekommt man am Eingang. Den Weinberg selbst kann man nur von der unteren Frankfurter Straße aus erlaufen. Man muss von unten nach oben gehen. Das Aufsichtspersonal hat jede Menge zu tun, das dem Vorschau-Publikum zu erklären. Also: Es geht nur unten rein und nur oben raus. Die Glocken, die der Künstler Adrián Villar Rojas kurz vor dem Ausgang unter einer Betonrampe aufgestellt hat, erinnern an die große Osanna-Glocke im Foyer der Martinskirche. Die stürzte bei dem Bombenangriff vom 22. Oktober 1943 auf die Erde und zersprang.

Die Stollen im Weinberg dienten zunächst als Bier- und Eislager. Im Weinberg-Bunker ist während des Zweiten Weltkriegs kein Mensch wegen eines Bombeneinschlags ums Leben gekommen. Nach dem Krieg wurden in dem Bunker für einige Zeit Champignons gezüchtet. Vor 20 Jahren wurden die schweren Eisentüren aufgebrochen, im Bunker fanden illegale Technopartys statt. Aus dieser Zeit sind noch Graffiti zu sehen.

documenta vom Weinberg-Bunker bis zum Kaskade-Kino

Vom Weinberg-Bunker bis zum Kaskade-Kino: Ungewöhnliche documenta-Standorte

Das ehemalige Hospital St. Elisabeth. An der Obersten Gasse gegenüber vom Zwehrenturm gibt es noch ein Gemäuer, dessen Außenmauern die Kriegszerstörung überstanden haben. In dem früheren Siechenhaus (hier wurden Aussätzige behandelt) und Hospital war nach dem Krieg auch Gastronomie untergebracht. Während der documenta wird hier Kunst aus dem vom Krieg gezeichneten Kabul in Afghanistan gezeigt.

Das Kaskade-Kino. Die Wasserspiele wird man nicht mehr sehen, aber den alten Kinosaal mit seiner Bühne. Während der documenta rückt das Kaskade-Kino nach Jahren des Dornröschenschlafs wieder in den Fokus. Die documenta nutzt den beeindruckenden Fünfzigerjahre-Bau, der unter Denkmalschutz steht, als Performance-Bühne. Architekt des Kinos mit Kultcharakter war Paul Bode, der Bruder des documenta-Gründers Arnold Bode. Seit zwölf Jahren ist das Kino geschlossen. Nach der documenta soll hier ein Schuhladen einziehen.

Von Thomas Siemon

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.