Sanitäter hatte fixierten Mann geschlagen

Polizisten über ihre Einsätze mit Randalierern: „Da fühlst du dich erniedrigt“

Streifenwagen
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Polizisten schildern ihre Gefühle bei Einsätzen.

Nachdem ein Video aus Kassel aufgetaucht ist, in dem ein Sanitäter einen fixierten Mann geschlagen hat, äußerte sich nun die Polizei zu solchen Einsätzen.

Kassel - Bei Einsätzen mit aggressiven Personen kommen Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute immer wieder an ihre Grenzen. Vor allem, wenn sich die Randalierer auch von den Helfern nicht beruhigen lassen.

So schildern es mehrere Beamte, die wegen der heiklen Situation nach Veröffentlichung des Videos ihre Namen nicht nennen wollen. „Wenn du dahin fährst, ist das eine komplette Ausnahmesituation – auch wenn du ausgebildet bist“, sagt einer von ihnen.

Dass der Schlag des Sanitäters gegen den fixierten Mann in jedem Fall falsch war, darin sind sich alle einig. „Sowas habe ich auch noch nie erlebt“, sagt ein Polizist. Was er nachvollziehen kann, ist, unter welchem Druck die im Video zu sehenden Beteiligten gestanden haben müssen. „Das liegt auch an der Unübersichtlichkeit der Situation.“

Bei solchen Einsätzen wie dem in der Flüchtlingsunterkunft stehe man minutenlang unter Dauerstress, während man versuche, die Situation unter Kontrolle zu bekommen, sagt ein weiterer Beamter. „Natürlich versucht man, alles richtig zu machen. Gleichzeitig hat man aber auch Angst, verletzt zu werden.“ Das sei auch so, weil man sich nicht immer nur mit einem Gegenüber konfrontiert sehe, sondern es teilweise mehrere Personen seien, die die Einsatzkräfte attackierten.

In diesen Fällen, in denen oft sehr viel passiere und alles sehr schnell gehe, nehme man teilweise die Situation gar nicht mehr richtig wahr. „Man weiß manchmal nicht mal, wo der andere zu einem Zeitpunkt war, weil es so schnell geht und man an einen Ort ist, den man nicht kennt“, sagt der Beamte.

Das Schlimmste, was passieren könne, sei, angespuckt zu werden. Das berichten mehrere Polizisten. Spucken sei beleidigend und erniedrigend. „Auch Ekel kommt da hoch“, beschreibt ein Beamter das Gefühl. Er schätzt, dass etwa 90 Prozent der Kollegen sagen würden, dass spucken viel schlimmer sei als schlagen. „Mit Schlägen kann man eher umgehen, wenn dich jemand anspuckt, fühlst du dich erniedrigt und wie Dreck.“

Generell habe es zugenommen, dass man als Beamter beleidigt und auch bespuckt oder angepinkelt werde. Auch Beschimpfungen als Rassist kämen häufiger vor als früher. „Diese Beleidigungen machen den Kollegen dann zu schaffen.“ Gespuckt werde häufig, wenn ein Randalierender gefesselt sei.

Dabei dürfe man nicht vergessen, dass man als Polizist oder Rettungssanitäter nie wisse, welche Krankheiten der Gegenüber möglicherweise hat, sagt ein Beamter. So könne dieser HIV-positiv oder mit Hepatitis C infiziert sein. Seit einigen Monaten kommt vor allem die Angst wegen des Coronavirus hinzu. „Wir sind auch nur Menschen, haben Familie. Natürlich machen wir uns da Sorgen.“

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