Beschäftigungslage hat sich etwas entspannt - Kurzarbeit hält an

Daimler-Werk wartet weiter auf Arbeit

Daimler-Werk wartet weiter auf Arbeit

Kassel. Die Beschäftigungslage im zentralen Lkw-Achsenwerk von Daimler in Kassel hat sich in den vergangenen Wochen zwar etwas gebessert, Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht.

Nach wie vor arbeiten rund 2200 der 3000 Beschäftigten kurz. Durchschnittlich dreieinhalb Tage in der Woche haben sie zu tun. Für den Rest der Belegschaft gilt weiterhin eine reduzierte Kurzarbeit ohne Lohnausgleich.

 Nach Angaben von Betriebsratschef Dieter Seidel liegt die Auslastung derzeit bei etwa 66 Prozent der Boomjahre 2007 und 2008. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte die Auslastung zeitweise bei nur noch 50 Prozent gelegen.

Dennoch: An eine rasche Rückkehr zu den alten Produktionszahlen mag Seidel nicht glauben. Er geht davon aus, dass das Werk auch 2011 zumindest in Teilen kurzarbeiten muss. Dabei kommt der Belegschaft der jetzt erzielte Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zu Hilfe, der Pilotcharakter hat und von den restlichen Bezirken übernommen werden soll.

Kernpunkt ist eine Beschäftigungssicherungsvereinbarung, die nach Ausschöpfen der konjunkturellen Kurzarbeit eine Absenkung der Arbeitszeit auf bis 28 Stunden zulässt. Kurzarbeit ist für maximal zwei Jahre möglich. Im Daimler-Werk in Kassel läuft sie demnach im Frühjahr 2011 aus.

Werkleiter Dr. Holger Steindorf sieht die Talsohle durchschritten, stimmt die Belegschaft aber auf ein „forderndes Jahr 2010“ ein. „Wir ruhen uns nicht aus, sondern nutzen die Zeit und stärken unsere Position für die Zukunft“, richtet er den Blick nach vorn. Er verweist auf geplante Investitionen von 40 Millionen Euro in diesem Jahr. Unter anderem entsteht eine Produktionslinie für die neue Generation von Achsen für schwere Lkw. Von diesem Produkt verspricht sich das Werk einen Beschäftigungsschub.

Kommentar von José Pinto

Es ist wie so oft im Leben: Die aktuelle Lage im Daimler-Achsenwerk kann mit einem halbvollen oder einem halbleeren Glas verglichen werden. Wir bleiben otimistisch und sagen: Es ist sogar mehr halbvoll.

 Für diese These gibt es mehrere gute Gründe: Trotz eines dramatischen Auftragseinbruchs zu Jahresanfang haben es Management und Betriebsrat geschafft, die Stammbelegschaft zu halten. Im Nutzfahrzeuggeschäft gibt es seit Wochen eine weltweit leichte Belebung. Die Unternehmen investieren wieder. Also sollte sich die Auftragslage absehbar zumindest nicht weiter verschlechtern.

Und nicht zuletzt: Daimler investiert kräftig ins Werk, was zeigt, dass der Konzern Vertrauen in den Standort Kassel und seinen engagierten Beschäftigten hat. Wenn auch die alten Rekordmarken so schnell nicht wieder erreicht werden, so sind die Weichen für eine bessereZukunft gestellt. Management, Betriebsrat und Belegschaft haben unbestritten eine äußerst schwierige Wegstrecke vor sich. Aber gemeinsam können sie sie schaffen.   jop@hna.de

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