Achsenwerk in Kassel

Daimler-Zeitarbeitern drohen schlechtere Verträge

Kassel. Im Daimler-Achsenwerk Kassel sollen die 122 Zeitarbeitskräfte ab Januar schlechtere Verträge erhalten: Der bisherige Personaldienstleister Autovision zieht sich zurück, zwei neue Zeitarbeitsfirmen wollen die Mitarbeiter übernehmen und weiterhin bei Daimler einsetzen.

Unter den 122 Zeitarbeitern im Kasseler Achsenwerk der Daimler AG herrscht Unmut: Ab Januar sollen sie neue Verträge bei anderen Personaldienstleistern bekommen, und zwar zu schlechteren Bedingungen. Es soll weniger Jahresurlaub geben und zum Teil erneute Probezeit mit höherem Kündigungsrisiko, obwohl die betroffenen Mitarbeiter teils schon seit Jahren im Daimler-Werk eingesetzt sind.

Hintergrund ist, dass sich der zum VW-Konzern gehörende Personaldienstleister Autovision zum Jahresende aus den Geschäftsbeziehungen mit Daimler zurückzieht. Den Betroffenen würden kurzfristig neue Verträge mit den Zeitarbeitsfirmen Peag und I. K. Hofmann angeboten, hieß es vor Kurzem in einer Betriebsversammlung.

Dabei hätten Personalverantwortliche des Werks „ganz klar vermittelt, dass die Verträge der Autovision eins zu eins übernommen würden“, kritisiert die Betriebsratsgruppe der Alternativen Metaller und spricht von einer „riesengroßen Sauerei“. Kein Kommentar von Daimler Bei der Pressestelle der Daimler AG will man die Vorwürfe nicht kommentieren: „Wir können uns nicht zu Vertragsfragen Dritter äußern“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Und ein Vertreter der Firma Peag wies darauf hin, „dass es sich hier um einen ganz normalen Arbeitgeberwechsel handelt und wir uns im Rahmen der Vertragsvereinbarungen mit der Daimler AG und unseres Tarifvertrages bewegen“.

Der stellvertretende Werksbetriebsratsvorsitzende Rainer Popp sagte gegenüber der HNA, im Zusammenhang mit dem Ausstieg von Autovision seien „missverständliche Hoffnungen geweckt worden“. Formal seien die neuen Zeitarbeitspartner auf der sicheren Seite: Peag wie I. K. Hofmann hätten ihre Tarifverträge jeweils mit den Gewerkschaften abgestimmt, ebenso wie Autovision. Bei der Volkswagentochter würden allerdings VW-typisch höhere Standards gelten – so etwa 30 Urlaubstage pro Jahr ab zwölf Monaten Betriebszugehörigkeit.

Bei den Nachfolgefirmen gebe es zunächst nur 24 Tage Jahresurlaub, der Anspruch baue sich von Jahr zu Jahr weiter auf. Dass sich ein Teil der betroffenen Mitarbeiter einer erneuten Probezeit unterwerfen soll, „halte ich nicht für in Ordnung“, sagte Popp: „Da hätten wir uns mehr Entgegenkommen von diesen Firmen gewünscht.“ So aber würden die Zeitarbeitsfirmen „Konjunkturrisiken auf die Mitarbeiter verlagern“, indem sie sich leichtere Kündigungsmöglichkeiten sicherten. Die bisherigen Autovision-Angestellten hätten nun bis zum Jahresende Zeit, die neuen Verträge zu unterschreiben.

Am Tariflohn von 17,78 Euro pro Stunde werde sich dabei nichts ändern. Nach Auffassung des Kasseler Betriebsrats sei die Konzernleitung beim Wechsel der Zeitarbeits-Partner nicht sorgfältig genug vorgegangen: „Die Zentrale hätte diesen Übergang besser regeln müssen“, sagt Rainer Popp.

Von Axel Schwarz

Das sagt I. K. Hofmann Personal

„Wir verzichten auf erneute Probezeit“

Die Zeitarbeitsfirma I. K. Hofmann mit Sitz in Nürnberg plant, etwa die Hälfte der bisherigen Autovision-Mitarbeiter im Kasseler Daimler-Werk zu übernehmen. „Wir werden bei diesen Mitarbeitern auf eine Probezeit verzichten“, sagte Martin Bach von I. K. Hofmann am Donnerstag auf Nachfrage der HNA. Die Betroffenen hätten bisher überwiegend befristete Arbeitsverträge gehabt, sollten bei dem Unternehmen aber unbefristet eingestellt werden. (asz)

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