Die „Deutschland“ fährt nun auf der Saar - Trübe Aussichten für die Fulda-Schifffahrt

Ein Dampfer ist schon weg

Noch liegen beide Söllner-Schiffe unter der Karl-Branner-Brücke: Das Schiff „Stadt Kassel“ (links) soll nach der documenta verkauft werden. Rehbeins „Deutschland“ ist schon weg. Foto: Fischer

Kassel. Jens Rehbein von der Personenschifffahrt Rehbein blickt gänzlich ohne Euphorie in die Zukunft. „Die Fulda ist Endwasserstraße“, sagt er. Übersetzt könnte das heißen: Der Fluss steht kurz vor dem Aus. Jedenfalls was die Personenschifffahrt mit Ausflugsdampfern angeht.

Schon jetzt sieht es nicht rosig aus: Die Rehbeins haben das größte Schiff auf der Fulda, die „Deutschland“, verkauft. Sie fährt nun auf der Saar. Ob der Verkauf mit der möglichen Stilllegung der Schleuse zu tun hat? Die Pläne der Wasser- und Schifffahrtsdirektion will Jens Rehbein nicht kommentieren. „Ein Schiff reicht uns für die Fulda.“ Einmal in der Woche, immer am Donnerstag, wollen die Rehbeins mit der „Europa“ in der Sommersaison von und nach Kassel fahren.

Ist die Fulda vielleicht eines Tage nicht mehr schiffbar, sieht Jens Rehbein die Existenz der Firma gleichwohl nicht gefährdet. „Wir haben unser zweites Standbein in Hann. Münden“, sagt er. Dort biete man Rundfahrten mit der „Stadt Münden“ an.

Noch größer würden die Probleme für die Personenschifffahrt Söllner sein. Auch hier wird es an der Schlagd bald anders aussehen als bisher: Das Schiff „Stadt Kassel“ wird verschwinden. Karola Söllner: „Nach der documenta werden wir sie verkaufen.“

Die Aussicht, dass die Schleuse vielleicht 2016 für immer geschlossen wird, erschüttert Karola Söllner: „Das wäre dann das Ende für uns. Nach 45 Jahren.“ Dabei weiß die Unternehmerin, die mit ihren Schiffen „Stadt Kassel“ und „Hessen“ vier Arbeitsplätze erhält, dass allein eine Sanierung der Schleuse nichts bringt: „Der Fluss muss auch unterhalten werden.“ Ufer müssen repariert, die Fahrrinne muss ausgebaggert werden.

Nur ein einziges Hochwasser bringt so viel Sand mit, dass ein Fahren auf der Fulda unmöglich sein wird. Der Sand lagert sich auf dem Flussboden ab. Die mögliche Alternative für die Söllners? „Ein Schiff als festliegendes Restaurant“, fällt Karola Söllner dazu ein.

Aber diesen Plan scheint sie gleich zu verwerfen. „Das hat doch keinen Charme. Man will doch auf der Fulda fahren.“

Von Frank Thonicke

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