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Berufsabschluss verhilft zum Job-Upgrade

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Von: Axel Schwarz

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Fachkräfte sind begehrt: Mit einem nachgeholten Berufsabschluss als Lagerlogistik-Fachkraft will Marouan Aribi (vorn) beruflich noch mal durchstarten. Hinten links Jens Huppach, Leiter der Logistik bei SMA, sowie Ausbildungsleiterin Cindy Wolf-Rockstroh im Zentrallager des Solartechnikunternehmens in Fuldabrück.
Fachkräfte sind begehrt: Mit einem nachgeholten Berufsabschluss als Lagerlogistik-Fachkraft will Marouan Aribi (vorn) beruflich noch mal durchstarten. Hinten links Jens Huppach, Leiter der Logistik bei SMA, sowie Ausbildungsleiterin Cindy Wolf-Rockstroh im Zentrallager des Solartechnikunternehmens in Fuldabrück. © Axel Schwarz

Beim Solartechnikhersteller SMA qualifiziert sich Marouan Aribi vom Leiharbeiter zum Logistikprofi. Die Arbeitsagentur bringt die beteiligten in einem Verbund zusammen, der auch für andere Unternehmen interessant sein könnte.

Kassel/Fuldabrück – Gegen den allseits beklagten Fachkräftemangel hat Marouan Aribi eine ganz individuelle Strategie: Der 33-Jährige nutzt den Bedarf für ein persönliches Upgrade, das ihn vom ungelernten Produktionshelfer zur ausgebildeten Fachkraft für Lagerlogistik führen wird. Damit ihm nach dem Abschluss in zwei Jahren bessere Verdienst- und Karrierechancen winken, muss er sich aktuell aber nicht mit einer mageren Azubi-Vergütung begnügen, sondern erhält weiter sein volles Gehalt.

Das ist nicht die einzige Besonderheit einer neuartigen Umschulungs-Allianz, bei der die Arbeitsagentur Kassel, der Solartechnikhersteller SMA und der Personaldienstleister Team-Time kooperieren. Von Letzterer ist Marouan Aribi seit August 2022 ins Zentrallager von SMA im Gewerbegebiet Fuldabrück-Bergshausen entsandt. Zunächst hat er dort unter anderem reparierte Geräte verpackt.

Mittlerweile ist sein Job-Alltag viel facettenreicher geworden, denn aus dem Leiharbeiter ist ein Umschüler geworden. „Ich wechsele alle vier Wochen die Abteilung, wir haben Kurse in Excel und Englisch“, erzählt Aribi, der nach der Hauptschule eine Lehre zum Industriemechaniker abgebrochen und seither ungelernt gearbeitet hat.

Jetzt sind ein bis zwei Tage pro Woche Berufsschule angesagt. Wie ist das für einen 33-Jährigen? Da gebe es „überhaupt keine Probleme“, auch nicht mit den jüngeren Azubis im Betrieb: „Der Zusammenhalt ist gut, wir helfen uns gegenseitig“, erklärt Aribi. Mit seinem offenen, zugewandten Naturell hatte er auch aktiv die Arbeitsagentur ins Boot geholt für seinen Wunsch, einen beruflichen Abschluss nachzuholen.

Was er damit angestoßen hat, nennt SMA-Logistikleiter Jens Huppach eine „strategische Allianz“ für mehr Fachkräfte. Die Konstruktion geht so, dass Team-Time seinen Beschäftigten Aribi unter Vollzahlung seiner Bezüge für die Umschulung freistellt. Die Arbeitsagentur bezuschusst einerseits den Lohnaufwand des Personaldienstleisters, andererseits auch bestimmte Aufwendungen beim Lehrbetrieb SMA wie etwa den Stapler-Führerschein, den Aribi erwerben muss.

Alle Beteiligten profitieren von der Konstruktion. Für Aribis Arbeitgeber Team-Time ist nach Angaben von Geschäftsführer Axel Blackert daran interessant, dass der Lagerlogistik-Profi nach bestandenem Abschluss erst mal weiterhin „unser Mitarbeiter ist“. Ein Plus beim Qualifizierungsniveau sei förderlich für das Image der Personalüberlassungs-Branche.

Ebenso hat SMA freilich ein Interesse daran, Fachkräfte ans Unternehmen zu binden. Bei der heutigen Arbeitsmarktlage „können wir uns nicht mehr den Luxus leisten, nur auf Gelernte zu setzen“, sagt Ausbildungsleiterin Cindy Wolf-Rockstroh.

Dabei richte sich der Fokus zunehmend auf nicht mehr ganz junge Aspiranten, die eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen und „die wissen, was sie wollen“. Während das Unternehmen einerseits registriere, „dass wir immer weniger gute Bewerber bekommen“, gehe deren Altersschnitt merklich nach oben, sagt Wolf-Rockstroh. Die Spanne bei den SMA-Azubis reiche von 17 bis 36 Jahren.

Für Umschüler Marouan Aribi sind das beste Perspektiven. Er freue sich über die Chance, für sein berufliches Fortkommen „noch mal alles mitnehmen zu können, was möglich ist“, sagt er.

Eine solche Kooperation könne auch für andere Unternehmen ein Weg sein, mehr Fachkräftepotenzial aufzubauen, sagt Jennifer Forsthoff vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Kassel. Denkbar sei etwa die Unterstützung von Betrieben, die sich zwecks Qualifizierung zusammenschließen, weil nicht jeder für sich alle geforderten Ausbildungsinhalte abdecken kann.

Kontakt: kassel.arbeitgeber@arbeitsagentur.de; Hotline für Arbeitgeber: 0800 4 5555-20

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